FACC flog trotz Cyberbetrugs unterm Strich kleinen Gewinn ein

24. Oktober 2016, 13:34
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Flugzeugzulieferer aus Oberösterreich will heuer kräftig wachsen und macht Aktionären Hoffnung auf Dividende

Wien/Ried im Innkreis – Ein millionenschwerer Geschäftsführertrickbetrug hat den oberösterreichischen Luftfahrtzulieferer FACC viel Geld und Nerven gekostet. Im ersten Halbjahr blieb unterm Strich dennoch ein kleiner Gewinn. Beim Umsatz will das Unternehmen in chinesischer Hand heuer zweistellig wachsen, sagte CEO Robert Machtlinger. Auftragsbücher und Auftragsbücher seien voll. Die Aufarbeitung des Betrugs zieht sich.

Der Betrugsfall schlug sich in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2016/17 mit 1,4 Mio. Euro in der Bilanz nieder, was das Betriebsergebnis (Ebit) des Konzerns von 6 Mio. auf knapp 4,6 Mio. Euro drückte. Das Ergebnis nach Steuern sackte von 3,5 Mio. auf 389.000 Mio. Euro ab.

Hohe Personalkosten

"Das war auch dem Wachstum geschuldet. Wir hatten relativ hohe Personalkosten", sagte der interimistische FACC-Chef Machtlinger am Montag im Gespräch mit der APA.

Die FACC ist auf Wachstumskurs. 2020 will der Konzern mit derzeit 3.441 Mitarbeitern weltweit eine Milliarde Euro umsetzen. "Das Positive an unserer Branche ist die Langfristigkeit. Wir sind relativ stark auf neuen Plattformen investiert." Bei den großen Flugzeugbauern Boeing und Airbus sei man gut vertreten, so liefern die Oberösterreicher zum Beispiel Teile für den Airbus A350. "Der hat im heurigen Jahr die Auslieferungsraten mehr als verdoppelt", sagte der derzeitige FACC-Chef.

Kleine Anpassungen

In den kommenden Monaten und Jahren sollen die Abläufe verbessert und dadurch die Ertragskraft gesteigert werden. "Wir haben derzeit ein sehr junges Portfolio. Mit dem Wiederholen der Tätigkeit wird das Personal schneller", so Machtlinger.

Am Beginn einer Serienphase sind in der Luftfahrtindustrie üblicherweise sehr viele kleine Anpassungen nötig, die Produktion läuft daher noch nicht automatisch. Zuerst werden einmal die Teile in den Flugtest geschickt und auf Herz und Nieren getestet, so Machtlinger. In dieser Phase "würden Sie sich nie einen Roboter hinstellen, der Sie ein paar Millionen Euro kostet." Erst, wenn die Prozesse optimiert sind, wird die Produktion automatisiert. "Beim Airbus A350 sind wir jetzt genau in der Übergangsphase."

Suche nach Millionen

Für den A350 baut FACC beispielsweise sogenannte Winglets (aerodynamischen Flügelspitzen, die 380 Kilogramm pro Flugzeug wiegen), Schubumkehrer (die letzten zwei Meter des Triebwerks) und Gepäckablagefächer.

Was die Suche nach den verlorenen Millionen angeht, ist Machtlinger optimistisch, 10,8 Mio. der insgesamt 52 Mio. abhandengekommenen Euro wiederzubekommen. Die 10,8 Mio. Euro liegen auf Bankkonten in China, Hongkong und Taiwan und sind eingefroren. "Wir haben eine Verfügung erwirkt, diese Gelder nicht weiterzutransferieren." In "absehbarer Zeit" soll das Geld zu FACC zurückfließen.

Keine Rechtshilfeabkommen

Da es mit den betreffenden Ländern keine Rechtshilfeabkommen gibt, ist die FACC auf diplomatisches Geschick angewiesen. "Wir arbeiten intensiv mit Ministerien, Banken und Behörden zusammen", so Machtlinger. Sogar das Außenministerium sei involviert. In China machten die chinesischen Eigentümer von FACC Druck, täglich gebe es Gespräche. "Momentan funktioniert das ganz gut."

42 Mio. Euro hat das Unternehmen bereits abgeschrieben, bemüht sich aber dennoch, davon noch etwas zurückzubekommen. "Es gibt Arbeitsgruppen von Rechtsanwaltskanzleien, die sich des Falls angenommen haben." Vor allem versucht man es bei den Versicherungen derzeitiger und früherer FACC-Organe.

Umbau

Die FACC ist Anfang des Jahres auf einen in der Industrie nicht so selten vorkommenden Trick hereingefallen: Der vermeintliche Firmenchef hat via Mail verlangt, Geld für ein Geschäft zu überweisen.

Infolgedessen mussten die chinesische Finanzchefin Minfen Gu sowie später auch Firmengründer Walter Stephan ihre Sessel räumen. Die Wiener Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ermittelt in dem Fall nach wie vor.

Welche Konsequenzen die FACC sonst aus dem Fall gezogen hat? "Wir haben unsere Systeme signifikant nachgeschärft", so Machtlinger. Der wesentlichste Punkt sei aber die Awareness, also das Bewusstsein der Mitarbeiter. Es gab entsprechende Schulungen.

Entscheidung über neuen Chef

Machtlinger ist bereits seit den späten 1980er Jahren bei FACC und hat sich auch um den Chefposten beworben – das Unternehmen will bis Jahresende eine Entscheidung über den neuen CEO treffen. Machtligner hat mit dem Rauswurf von Stephan neben seiner Funktion als COO interimistisch auch den Posten des CEO übernommen.

Stephan indes hat gegen seine Entlassung eine Klage eingebracht. Dass er, wie er verlangt, wiedereingestellt wird, hält Machtlinger für "fast nicht umsetzbar". Was die Gehaltsnachforderungen betrifft – Stephans Vertrag läuft bis Mitte 2019 -, seien die Anwälte der Streitparteien in laufendem Kontakt. "Die Forderung, die er gestellt hat, gilt es zu bewerten", so der momentane FACC-Chef.

Den Aktionären macht Machtlinger Hoffnung auf eine Dividende. Im Vorjahr gab es wegen des Verlusts keine Ausschüttung, ob es heuer etwas geben wird, hänge vom endgültigen Ergebnis ab. Es gelte aber: "Wir stehen für Dividendenpolitik".

Die FACC-Aktie hat nach Ansicht des Konzernchefs "sicherlich Luft nach oben". Am Montag zu Mittag notierte das Papier an der Wiener Börse bei 5,83 Euro, ein Plus von 2,7 Prozent. Zum Vergleich: Beim Börsengang im Jahr 2014 startete die Aktie bei 9,50 Euro. (APA, 24.10.2016)

  • Die Auftragsbücher sind bei FACC gut gefüllt.
    foto: facc

    Die Auftragsbücher sind bei FACC gut gefüllt.

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