Hitlergruß bei FPÖ-Wahlkundgebung: 18 Monate bedingt

24. Oktober 2016, 12:47
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"Betrunkener Prolet" nahm Strafe sofort an

Wien – Weil er im Mai bei der FPÖ-Abschlusskundgebung zur Präsidentenwahl am Viktor-Adler-Markt mehrmals den Hitlergruß gezeigt sowie "Heil Hitler" und "Sieg Heil" gerufen hatte, ist ein 49-Jähriger am Montag am Straflandesgericht zu 18 Monaten bedingt verurteilt worden. Der "betrunkene Prolet", wie ihn sein Pflichtverteidiger titulierte, nahm die Strafe an, die bereits rechtskräftig ist.

Laut der Vorsitzenden des Geschworenengerichts, Sonja Weis, sei das Geständnis mildernd zu werten gewesen, obwohl wegen des Videos hier auch wenig zu leugnen gewesen wäre. Erschwerend wären hingegen die mehrfachen Wiederholungen gewesen. Die bisherigen Vorstrafen seien nicht einschlägig und die zur Gänze auf drei Jahre Bewährung ausgesetzten 18 Monate bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren gerade noch angemessen.

Weit über zehn Spritzer hätten den Angeklagten derart "enthemmt", dass er im Mai bei der FPÖ-Abschlusskundgebung zur Präsidentenwahl auf dem Viktor-Adler-Markt mehrmals den Hitlergruß gezeigt sowie "Heil Hitler" und "Sieg Heil" gerufen hat. Am Montag fand sich der Mann wegen Wiederbetätigung am Straflandesgericht auf der Anklagebank wieder und verantwortete sich mit einem alkoholbedingten Blackout.

Politik? "Mir is des egal"

"Alkohol löst die Zunge und lässt jemanden Dinge sagen, die in uns schlummern", meinte die Staatsanwältin. Doch die Vorsitzende des Geschworenengerichts, Sonja Weis, bemühte sich vergeblich, herauszufinden, welche Einstellung in dem Rauchfangkehrergehilfen schlummert: "Ich kann auch aufstehen und Lalala schreien. Die wenigsten würden 'Heil Hitler' rufen."

Aber mehr als "mir is des egal" war nicht über die politische Haltung des Mannes zu erfahren. Er würde auch SPÖ-Wahlveranstaltungen besuchen, sagte der 49-Jährige und wollte den Eindruck erwecken, es wäre ihm mehr um das Spektakel und den Alkohol als um Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer oder FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gegangen.

Das sah jener Journalist anders, der den Angeklagten und seine Freundesrunde gefilmt hatte. Mehrmals wurden die Nazi-Parolen gegrölt, auch von einem weiteren Freund des Rauchfangkehrers. Dieser wird sich übrigens in einem eigenen Verfahren verantworten müssen. Rund zehn Polizisten, die nur wenige Meter dahinter standen, griffen übrigens erst ein, als sie von dem Zeugen auf das Treiben aufmerksam gemacht wurden.

"Nie interessiert, was der Hitler gemacht hat"

"War der Angeklagte alkoholisiert?", wollte die Richterin wissen. "Wenn er nicht auch sonst unter Gleichgewichtsstörungen leidet, schon", meinte der Journalist. Gelallt habe er bei seinen Äußerungen aber nicht. Dieser hingegen will sich an kaum etwas erinnern können, an die Vorwürfe schon gar nicht, diese habe er erst auf dem Video gesehen und sei entsetzt gewesen: "Ich hab mir gedacht, 'um Gottes Willen'. Es war ein riesengroßer Fehler und es tut mir sehr leid."

Politik sei ihm "wurscht", und danach gefragt, hat für ihn der Zweite Weltkrieg bereits 1944 geendet. Er finde nicht, dass die damalige Zeit "gut war". "Aber mi hat des nie interessiert, was der Hitler gemacht hat", sagte der 49-Jährige, der bisher nie durch rechtsextreme Handlungen aufgefallen ist. Auch mit Ausländern habe er kein Problem. (APA, 24.10.2016)

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