Sparer bleiben trotz Tiefzinsen beim klassischen Sparbuch

24. Oktober 2016, 12:57
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Erhebung der Notenbank: Sicherheit geht für die meisten Sparer vor Rendite

Wien – Die rekordverdächtig tiefen Zinsen haben kaum Auswirkungen auf das Finanzverhalten der österreichischen Haushalte. Das geht aus einer Untersuchung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hervor. Täglich fällige Einlagen sind der Renner, obwohl sie im derzeitigen Zinsumfeld Vermögensverlust bedeuten; renditeträchtigere Veranlagungen, etwa in Wertpapiere oder Aktien, werden großteils gar nicht erst in Betracht gezogen. Darin spiegle sich "die traditionelle Risikoaversion der Österreicher" wider, sagte OeNB-Statistikchef Johannes Turner bei der Präsentation des Zahlenmaterials am Montag.

Ende Juni 2016 hielten die österreichischen Haushalte ein Fünftel ihres Vermögens in hochliquiden Anlagen wie Bargeld (22 Milliarden Euro) oder täglich fälligen Einlagen (112 Milliarden Euro). "Finanzmittel sollen einerseits rasch verfügbar bleiben, andererseits bieten die geringen Einlagenzinssätze aller Laufzeiten gar keinen ausreichenden Anreiz, um sich finanziell zu binden", sagte Turner.

Talfahrt der Zinsen

Seit 2010, als die Zinsen infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Talfahrt gingen, ist das Finanzvermögen um 16 Prozent gestiegen. Unter Berücksichtigung von rund elf Prozent Inflation im selben Zeitraum machte die reale Wertsteigerung nur rund fünf Prozent aus.

Das Finanzvermögen der privaten Haushalte summierte sich Ende Juni auf rund 610 Milliarden Euro, was in etwa dem Dreifachen des netto verfügbaren Einkommens entspricht. Das geschätzte Immobilienvermögen der Haushalte belief sich auf 177 Milliarden Euro. Seit 2010 ist dieses damit um 31 Prozent gestiegen, deutlich getrieben durch Preissteigerungen, die bei Immobilien höher ausgefallen sind als auf den Kapitalmärkten. Im Durchschnitt wuchs das verfügbare Einkommen der österreichischen Haushalte um nominell 2,1 Prozent, abzüglich der Inflation gab es gar keinen Zuwachs.

Sparquote etwas niedriger

Die Sparquote, also das verfügbare Einkommen abzüglich der Konsumausgaben – in früheren Zeiten fast durchwegs im Bereich knapp unterhalb der Zehn-Prozent-Marke angesiedelt –, hat sich seit der Krise etwas verringert: Sie liegt aktuell bei 7,8 Prozent. Zum Vergleich: Im Euroraum beträgt die Sparquote im Schnitt 5,6 Prozent, in der EU-28 etwa 3,9 Prozent. Höher als in Österreich ist die Sparquote derzeit beispielsweise in Frankreich (8,9 Prozent) und Deutschland (9,7 Prozent), noch höher in Skandinavien. (Günther Strobl, 24.10.2016)

  • Münzen einwerfen und das Ersparte auf das Sparbuch legen, am liebsten täglich fällig: Trotz Tiefstzinsen bleibt der Großteil der österreichischen Haushalte bei ihrem traditionellen, risikoaversen Finanzverhalten.
    foto: apa/georg hochmuth

    Münzen einwerfen und das Ersparte auf das Sparbuch legen, am liebsten täglich fällig: Trotz Tiefstzinsen bleibt der Großteil der österreichischen Haushalte bei ihrem traditionellen, risikoaversen Finanzverhalten.

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