"Shadow Warrior 2" im Test: Monstermassen für pubertäre Zerstörungslust

24. Oktober 2016, 11:46
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Der überdrehte Shooter lockt mit hoher Geschwindigkeit, Sammelleidenschaft und schlechten Witzen

Ältere Semester erinnern sich: Im fernen Jahr 1996 regierte der "King" das damals noch junge Genre des First-Person-Shooters. Duke Nukem hieß der trashige C-Movie-Star, der mit absurder Feuerkraft und noch absurderen One-Linern seine ganz spezielle Art Humor unter Beweis stellte. Nur ein Jahr nach dem Auftritt des Dukes brache dessen Entwickler 3D Realms noch einen weiteren Shooter-Protagonisten mit losem Mundwerk und brachialer Beschäftigung auf die Bildschirme: Lo Wang, so der peniswitzige Name des zwischen Albernheit und Professionalität schwankenden Ninjas, folgte der Blaupause des explosiven FPS-Feuerwerks "Duke Nukem 3D" ziemlich exakt, konnte aber nie die Popularität des blonden Action-Superstars erreichen. 2013 wurde der asiatische Held vom polnischen Indie-Studio Flying Wild Hog wiederbelebt, nun ist ein zweiter Teil des kurzweiligen Actionspektakels mit Hochglanzpräsentation erschienen. Und "Shadow Warrior 2" (Windows, 36,99 Euro, Konsolen 2017) verschafft dem alten Helden einen absolut zeitgemäßen Auftritt.

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Video: Launch-Trailer zu "Shadow Warrior 2"

Beweglichkeit und Geschwindigkeit sind Trumpf

Schon die absolut gelungene Neuauflage des Urvaters "DOOM" hat heuer bewiesen, dass im vermeintlich überalteten Simpelgameplay der FPS-Frühzeit noch viel Energie steckt, und auch "Shadow Warrior 2" lehnt sich an dieses Erfolgsrezept an: Hohe Beweglichkeit und Geschwindigkeit sind Trumpf, und der Kampf gegen die knallbunten Gegnermassen findet in großen, abwechslungreich gestalteten offenen Arenen statt. Dass dieser simple Kern aus frenetischer Action in ein von FPS-Rollenspielen wie "Borderlands" inspiriertes Skill-, Loot- und Levelsystem gezwängt wird, fällt angesichts dessen Einfachheit zur Abwechslung kaum negativ ins Gewicht. Auf dem normalen Schwierigkeitsgrad trägt der RPG-Aspekt entschieden zur Abwechslung bei, indem die über 70 (!) verschiedenen, sich zum Teil stark unterscheidenden Nah- und Fernkampfwaffen durch Upgrades teils radikal personalisiert werden können. Wer mag, kann so etwa sein Schwert mit Eismagie aufrüsten, explosive Pfeile verschießen oder sogar seine schweren Waffen zu abstellbaren Geschütztürmen ausbauen; erst bei höherer Schwierigkeit wird dieses Tüfteln am Arsenal mehr als unterhaltsame Option.

"Serious Sam" trifft "Diablo"

Die abgedrehte Story, die von einem Kampf gegen Dämonen und cyberpunkige Konzern-Yakuzas erzählt, kann eigentlich getrost ignoriert werden, obwohl einem der großmäulige, teils dadaistische Humor des Spiels irgendwann gerade wegen demonstrativer Seichtigkeit und dann doch wieder zündenden Gags ans Herz wächst. "Shadow Warrior 2" nimmt sowohl seine Figuren als auch seinen Rollenspielanteil zum Glück weniger ernst als sein stets rasantes Gameplay, das inklusive Nebenmissionen etwa 15 Stunden blendend unterhält. Aus einem zentralen Hub mit Shops und Auftraggebern führen Teleporter zu einzelnen abgeschlossenen Missionsgebieten, die jedes Mal prozedural generiert werden; dass man den riesigen Hightech-Städten, idyllischen Landschaften und asiatischen Kitsch-Dörfchen das nur in einzelnen Details ansieht, ist erfreulich.

Nicht nur in diesem Aspekt erinnert "Shadow Warrior 2" an eine ganz andere Art Action-Rollenspiel: Wie in "Diablo" und Co sorgt Belohnung im Minutentakt dafür, dass man sich auch abseits der von der Minimap vorgegebenen Route durch diese Welten bewegen will. In unzähligen Kisten finden sich Upgrades, Munition und Geld, die zur ebenso unterhaltsamen wie manischen Daueroptimierung des Protagonisten verwendet werden können. In seiner furiosen Rasanz erinnert "Shadow Warrior 2" allerdings weniger an "Borderlands" als an einen weiteren großen Klassiker der explosiv-spaßigen und deshalb großartigen Einfachheit, und zwar "Serious Sam".

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Video: Gameplay-Trailer zu "Shadow Warrior 2"

Fazit

Rasant, anarchisch, vollgepackt, hübsch und vor allem im Koop mit bis zu vier Mitspielern ist "Shadow Warrior 2" ein rundum gelungener Spaß mit riesigem Unterhaltungswert, zu dem man auch nach Abschluss der Story gern zurückkehrt. Neben "DOOM" darf man es getrost zu den gelungensten First-Person-Shootern des Jahres zählen. (Rainer Sigl, 24.10.2016)

"Shadow Warrior 2" ist für Windows-PC erschienen. Versionen für PS4 und XBO folgen 2017. UVP: 36,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Richtlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

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