FPÖ weist Kirchenkritik am Gottesbezug zurück

24. Oktober 2016, 11:21
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"So wahr mir Gott helfe" sei in "unserer Leitkultur" verankert, sagt FPÖ-General Kickl. Bei Hofer komme der Satz aus dem Herzen

Wien – Die FPÖ weist die Kritik der Evangelischen Kirchen am Gottesbezug in der Wahlkampagne von FPÖ-Bundespräsidentschaftskandidat Norbert Hofer zurück. "Die Verwendung des Zusatzes zur Gelöbnisformel des Amtseids 'So wahr mir Gott helfe' auch auf dem Plakat ist alles andere als ein Missbrauch des Begriffs Gottes", erklärte FPÖ-Generalsekretär und Hofer-Wahlkampfleiter Herbert Kickl in einer Aussendung.

Der Begriff Gott werde hier genauso wenig missbraucht , wie wenn man jemanden mit den Worten "Grüß Gott" begrüße, wenn jemand sich mit "Gott sei Dank" bedanke oder jemand die Worte "Um Gottes Willen" ausspreche, so Kickl. Der Begriff Gott sei tief "in unserer Tradition und im Wertegefüge unserer Leitkultur" verankert. Vorwürfe einer unpassenden oder unangebrachten Verwendung gingen daher ins Leere, so Kickl.

Hofer verwende diesen Zusatz bewusst und aus innerster Überzeugung. "Das ist nicht irgendein Spruch, den man so locker dahersagt, sondern das kommt aus der innersten Überzeugung eines Menschen, das kommt aus dem Herzen, und das kann diesem Menschen auch niemand nehmen", meinte der FPÖ-Generalsekretär.

Protest evangelischer Bischöfe

"Gott lässt sich nicht für eigene Absichten oder politische Zwecke instrumentalisieren", hieß es zuvor in einer Stellungnahme von Bischof Michael Bünker (Evangelische Kirche nach Augsburger Bekenntnis), Landessuperintendent Thomas Hennefeld (Evangelische Kirche nach Helvetischem Bekenntnis) und Superintendent Stefan Schröckenfuchs (Evangelisch-methodistische Kirche). Selbstverständlich sei es "gutes Recht eines jeden Christenmenschen", sich öffentlich zum Glauben zu bekennen und sich mit der Bitte um Hilfe an Gott zu wenden. "Wir lehnen es jedoch ab, Gott für Wahlkampagnen zu bemühen", so die Repräsentanten der Evangelischen.

Bünker, Hennefeld und Schröckenfuchs wenden sich gegen eine Instrumentalisierung Gottes für eigene Absichten oder politische Zwecke. Dies sei gemeint, wenn es im Zweiten Gebot der Bibel heißt: "Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen, denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht." Gleichzeitig erinnerten die Kirchenvertreter daran, "dass Gott nach christlichem Verständnis jener Gott ist, wie er sich in der Bibel offenbart".

Der Gott der Bibel sei kein "christlich-abendländischer", sondern ein universaler Gott, der Partei ergreife für schwache, arme und notleidende Menschen. Aus diesem Gottesverständnis resultierten der Einsatz und eine besondere Verantwortung auch für alle Schwachen in der heutigen Gesellschaft. Dazu zählen, so die Evangelischen Kirchen, "heute ganz besonders auch Flüchtlinge und Fremde".

"Auf eigene Gefahr"

"Gott für die eigenen politischen Interessen einzuspannen und ihn in Verbindung mit dem Hinweis auf das christliche Abendland zumindest indirekt als Kampfansage gegen andere Religionen und Kulturen einzusetzen, erachten wir als Missbrauch seines Namens und der Religion", hieß es in der Stellungnahme weiter.

Die Katholische Kirche hielt sich bisher mit Reaktionen zur Hofer-Kampagne zurück. Hofer trat 2009 wegen einer seiner Meinung nach von höchsten katholischen Kreisen initiierten Kampagne und "Hexenjagd gegen die FPÖ und ihre Mitglieder" aus der katholischen Kirche aus und später in die Evangelische Kirche ein.

Michael Prüller, Kommunikationschef der Erzdiözese Wien, meinte am Wochenende in einem Gastkommentar in der "Presse", dass "Gott" kein Begriff sei, auf den Katholiken oder Christen ein Copyright hätten. Auch Prüller führte das Zweite Gebot ins Treffen. "Es steht der Kirche nicht zu, über die Motive Norbert Hofers zu spekulieren. Aber wenn er Gott ins Spiel bringt, tut er das auf eigene Gefahr", so der Sprecher von Kardinal Christoph Schönborn.

Der Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ), Ibrahim Olgun, wiederum kritisiert den Gottes-Bezug auf den Plakaten: "Jegliche Art der Instrumentalisierung religiöser Inhalte ist für unsere Gesellschaft nicht tragbar", sagte er am Montag. (APA, 24.10.2016)

  • Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (FPÖ) hatte vergangene Woche seine neuen Wahlkampfplakate präsentiert.
    foto: apa/helmut fohringer

    Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer (FPÖ) hatte vergangene Woche seine neuen Wahlkampfplakate präsentiert.

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