Karibische Seescheide gegen Rippenfellkrebs

24. Oktober 2016, 10:55
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Forscher der Medizinischen Universität Wien untersuchen, inwiefern ein neuer Wirkstoff beim malignen Pleuramesotheliom eingesetzt werden kann.

Rippenfellkrebs zählt mit rund 90 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich zu den selteneren Krebserkrankungen. Die Tendenz ist allerdings steigend. Rippenfellkrebs gilt als eine sehr aggressive Krebserkrankung, die mit Asbest in Zusammenhang gebracht und standardmäßig mit einer Kombination aus Chemotherapie, Chirurgie und Strahlentherapie behandelt wird. Da die Tumorart häufig Resistenzen gegen Chemo- und Strahlentherapie entwickelt, ist die Prognose sehr schlecht.

ForscherInnen am Comprehensive Cancer Center der MedUni Wien und des AKH Wien haben eine neue Therapieoption für Rippenfellkrebs (malignes Pleuramesotheliom) entdeckt. In einer präklinischen Studie konnte weltweit zum ersten Mal sowohl in der Zellkultur als auch im Tiermodell gezeigt werden, dass Trabectedin, ein Chemotherapeutikum, auch beim Rippenfellkrebs wirkt.

Der Wirkstoff kommt ursprünglich in der karibischen Seescheide, einem im Meer lebenden Manteltier, vor. Zu Therapiezwecken wird er synthetisch hergestellt und ist in der Klinik unter anderem bereits erfolgreich bei bösartigen Tumoren des Weichteilgewebes und bei Eierstockkrebs im Einsatz.

Gegen Tumorzellen

Die ForscherInnen rund um Walter Berger, stellvertretender Leiter der Instituts für Krebsforschung der MedUni Wien, und Alireza Hoda, Klinische Abteilung für Thoraxchirurgie der Universitätsklinik für Chirurgie der MedUni Wien/AKH Wien, konnten bereits in früheren Arbeiten nachweisen, dass Trabectedin sehr gut gegen Tumorzellen wirkt, gesunde Zellen des Rippenfells aber nur wenig beeinflusst.

Des Weiteren konnten sie deutliche Synergien mit Cisplatin, einem Standardtherapeutikum, nachweisen. Um mögliche weitere Kombinationstherapien mit Trabectedin zu entwickeln, wurden Genom-Signaturen von Zellen, die empfindlich auf die Gabe von Trabectedin reagierten mit Zelllinien verglichen, die weniger sensitiv waren. Berger: "Wir konnten mit bioinformatischen Mitteln zeigen, dass die vermehrte Bildung des Proteins bcl-2, das den Zelltod verhindert, die Wirksamkeit von Trabectedin vermindert."

Biomolekulare Wirkung

Folglich behandelten die WissenschafterInnen die bösartigen Zellen mit einer Kombination aus Trabectedin und den bcl-2 Hemmstoffen Obatoclax und Venetoclax. Hoda. "Wird Trabectedin mit diesen bcl-2 Hemmern kombiniert, zeigt sich eine deutliche Verbesserung bei der Vernichtung der bösartigen Rippenfellkrebs-Zellen.

Trabectedin scheint daher eine neue, wirksame und sichere Therapieoption bei dieser Erkrankung zu sein." Diese präklinischen Ergebnisse wurden soeben von ersten positiven Zwischenergebnissen einer klinischen Studie in Italien bestätigt.

Berger: "Auch in der Welt der Betroffenen trifft die Studie auf großes Interesse. Das sieht man daran, dass die Publikation des Comprehensive Cancer Centers bereits in mehreren wichtigen internationalen Asbest- und Mesotheliom-Foren gepostet und diskutiert wurde. (red, 24.10.2016)

Originalpublikation:

Trabectedin is active against malignant pleural mesothelioma cell and xenograft models and synergizes with chemotherapy and bcl-2 inhibition in vitro

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