Wie das Vorarlberger Handwerk kooperiert

24. Oktober 2016, 07:00
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Im Werkraum Bregenzerwald arbeiten 80 Vorarlberger Betriebe zusammen. Schwerpunkt sind Designerstücke in hoher handwerklicher Qualität

Andelsbuch – Landschaft, Kühe, Käse, schöne Bauernhäuser und Trachten. Lange hat man den Bregenzerwald mit Urlaub und Tradition verbunden. Innovative Unternehmen, vereint im Werkraum Bregenzerwald, haben das Image der Vorarlberger Region in den vergangenen beiden Jahrzehnten wesentlich verändert. Der Bregenzerwald wurde zur gefragten Adresse für Design und Qualität.

Mehr als 80 Betriebe aus 30 Branchen, die meisten davon Familienunternehmen, zeigen mit dem Werkraum, dass unternehmerisches Miteinander möglich ist. 1999 wurde die Plattform gegründet, das Ziel war und ist, Wertschätzung für regionales Handwerk zu schaffen. Man erkannte schnell, dass nur weiterkommt, wer über die Talschaft hinausblickt. So fanden Architekten und Designer zur Kooperation, alle drei Jahre gipfelt die Zusammenarbeit im Wettbewerb Handwerk+Form.

"Permanentes Schaufenster"

Seit 2013 hat der Werkraum mit dem Werkraumhaus in Andelsbuch ein permanentes Schaufenster. Der Bau, geplant vom Schweizer Architekten Peter Zumthor, war die große Bewährungsprobe für die Plattform. Die Baubeiträge wurden nach Beispiel der Mitgliedsbeiträge nach Betriebsgröße gestaffelt. Obmann Martin Bereuter, selbst Inhaber einer Tischlerei mit neun Beschäftigten, sieht den Bau als Meilenstein: "Wir haben gesehen, dass man gemeinsam etwas bewegen kann. Und wir haben Gewicht bekommen."

Das Haus ist Vitrine für die Produkte, Anlaufstelle für Menschen, die Qualitätsbetriebe suchen, Veranstaltungs- und Ausstellungsraum. Als neuen Geschäftsführer haben sich die Bregenzerwälder mit Thomas Geisler, früher Designkurator im Wiener Mak, einen Städter geholt. Bereuter: "Uns war es wichtig, jemanden zu finden, der das Haus mit Außenblick sieht, zu einer Kommunikationsplattform macht."

Neues Schulmodell

Mit der Werkraumschau hat Geisler ein neues Ausstellungsformat entwickelt. Mitgliedsbetriebe setzen sich mit Fragen der Gestaltung auseinander, statt Schaufensterpräsentationen wird eine thematisch zusammenhängende Schau geboten. Die erste beschäftigt sich mit dem Thema Farbe. 30 Betriebe zeigen im vom Grafiker Roland Stecher geschaffenen Setting ihre Produkte, stellen sich in Porträts vor. Vorträge, Workshops und eine Lernwerkstatt für Mitglieder ergänzen die Schau.

Mindestens so wichtig wie die Außenwirkung ist für den Werkraum die Arbeit nach innen. Beispielsweise die langfristige Nachwuchsarbeit. Dazu wurde gemeinsam mit den Wirtschaftsschulen Bezau ein fünfjähriges Ausbildungsmodell mit Lehr-, Handelsschulabschluss und Unternehmerprüfung ausgeklügelt.

Im September wurde mit 30 Schülerinnen und Schülern die erste Klasse gestartet. Die Jugendlichen werden über die ganze Ausbildungszeit vom Werkraum betreut, durch Praktikumsphasen erhalten sie Einblick in die Betriebe, können nach der Schule fließend in eine verkürzte Lehre gehen. Bereuter: "Mit unserer Schule möchten wir die Qualität und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Region langfristig absichern." (Jutta Berger, 24.10.2016)

  • Hocker aus Pflaumenholz, Polsterung in Pflaumentönen und viel Lila. Eine Station der Ausstellung "Farb" im Werkraumhaus.

    Hocker aus Pflaumenholz, Polsterung in Pflaumentönen und viel Lila. Eine Station der Ausstellung "Farb" im Werkraumhaus.

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