Alkoholverbot im Irak: Gruß an die Christen

Kommentar23. Oktober 2016, 12:55
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Den Christen, die nach Karakosh zurückkehren wollen, wird gesagt: Eure religiöse Tradition widerspricht unserer Verfassung

Die Zeloten im irakischen Parlament – also die Mehrheit der Abgeordeten – haben am Sonntag ein Gesetz durchgedrückt, das Alkohol im Irak auf allen Ebenen verbietet. Eigentlich eine Fußnote: aber nicht angesichts der Schlacht um Mossul, der Stadt der Kirchen und Klöster, und der ziselierten Reden von irakischen Politikern, die vor Konfessionalismus warnen und die irakische Einheit in der Vielfalt beschwören.

Aus der größten christlichen Stadt des Irak, Karakosh, werden soeben die Horden eines pervertierten Islam vertrieben, und den Christen, die dorthin wieder zurückkehren wollen wo sie lebten, lange bevor der Islam am Horizont erschien, wird gesagt: Eure religiöse Tradition widerspricht unserer Verfassung, wir wollen sie nicht. Wenn ihr sie wollt, dann schleicht euch. Auf der Suche nach dem Bösen sind die gestrengen Sunniten und Schiiten, deren radikale Vertreter einander gerne umbringen, also fündig geworden. Es ist der viele (?) Alkohol im Land.

Natürlich kann man die irakische Verfassung – ein Pfusch, der 2005 in der US-Botschaft in Bagdad zusammengestoppelt wurde – auch so lesen, dass sie die Traditionen religiöser Minderheiten schützt. Aber die hegemoniale Lesart ist eben eine andere. Das Parlament bestätigt, was Kenner des Landes ohnehin wissen: Auch wenn es keinen IS mehr gibt, wird das Leben für konfessionelle Minderheiten im Irak nicht frei sein. (Gudrun Harrer, 23.10.2016)

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