Ausschreitungen im Flüchtlingslager von Calais

23. Oktober 2016, 13:30
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Polizisten vor geplanter Räumung des "Dschungels" mit Steinen beworfen – Polizei setzte Tränengas ein

Calais – Vor der Räumung des Flüchtlingslagers im nordfranzösischen Calais ist es zu Krawallen gekommen. Aus einer Gruppe von mehreren Dutzend Menschen flogen in der Nacht zum Sonntag Steine auf Polizisten, die dann Tränengas einsetzten, berichtete der Nachrichtensender BFMTV.

Die französische Regierung will das umstrittene Lager, in dem nach offiziellen Angaben etwa 6500 Menschen leben, von diesem Montag an auflösen. Die Menschen sollen mit Bussen in Aufnahmezentren im ganzen Land gebracht werden. Die Behörden schätzen, dass sich im "Dschungel von Calais" bis zu 200 Aktivisten der "No-Border-"Bewegung aufhalten, die für eine Welt ohne Grenzen eintreten.

Minderjährige reisten nach England

Knapp 40 Minderjährige haben am Sonntag das Lager verlassen. Wie eine französische Hilfsorganisation mitteilte, reisten 39 junge Flüchtlinge in Richtung Großbritannien. Dort sollen sie bei Verwandten unterkommen. Am Samstag hatten laut der Hilfsorganisation France Terre d'asile bereits etwa hundert minderjährige Flüchtlinge das Lager verlassen. Über die Woche verteilt seien es insgesamt 194 gewesen.

Helfer gehen davon aus, dass insgesamt rund 1.300 unbegleitete Minderjährige im "Dschungel" leben. Insgesamt halten sich dort nach jüngsten offiziellen Schätzungen etwa 6.400 Menschen mit Ziel Großbritannien auf, Hilfsorganisationen gehen sogar von mehr als 8.100 Bewohnern aus.

Die eigentliche Räumung des Lagers soll Montagfrüh beginnen. Ab dann sollen die meisten Menschen mit Bussen in Aufnahmezentren im ganzen Land gebracht werden. Dort sollen sie einen Asylantrag stellen können. Die Räumung soll nach Angaben der Präfektur eine Woche dauern. Die französischen Behörden wollen das Lager schon seit geraumer Zeit auflösen. Hilfsorganisationen versuchten dies mit juristischen Mitteln zu verhindern, doch ein Verwaltungsgericht gab am Dienstag grünes Licht für die Räumung. (APA, 23.10.2016)

  • Artikelbild
    foto: ap photo / emilio morenatti
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