Telekomriese AT&T kauft Time Warner für 85 Milliarden Dollar

23. Oktober 2016, 08:27
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Regulierungsbehörden müssen noch zustimmen – Telekomkonzerne drängen ins Mediengeschäft

In den USA bahnt sich eine Megafusion in der Medienbranche an: Für 85,4 Milliarden Dollar (78,45 Mrd. Euro) kauft der Telekomriese AT&T den Konzern Time Warner, zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros gehören. Die Führungsgremien beider Unternehmen hätten das Geschäft einstimmig gebilligt, teilte AT&T am Samstagabend mit.

Der Zusammenschluss soll bis Ende 2017 abgeschlossen werden, die US-Behörden und Time-Warner-Aktionäre müssen noch zustimmen. Bei dem Deal handelt es sich um die bisher größte Unternehmensübernahme im Jahr 2016 – noch vor dem 66 Milliarden Dollar teuren Kauf des US-Gentechnikkonzerns Monsanto durch den deutschen Pharmariesen Bayer. AT&T will den Kaufpreis zur Hälfte in bar und zur Hälfte in eigenen Aktien bezahlen.

Börsenwert des Medienkonzerns liegt bei rund 68 Milliarden Dollar

In Finanzkreisen war schon länger spekuliert worden, dass Time-Warner-Chef Jeff Bewkes sein Medienunternehmen zum Verkauf stellen könnte. US-Medien wie der Finanzdienst Bloomberg und das Wirtschaftsblatt "Wall Street Journal" hatten bereits vor dem Wochenende unter Berufung auf Insider über Gespräche zwischen AT&T und Time Warner berichtet. Bevor die ersten Spekulationen aufkamen, lag der Börsenwert des Medienkonzerns bei rund 68 Milliarden Dollar, während AT&T es auf etwa 233 Milliarden brachte.

Mit der Übernahme wagt sich der größte US-Telekommunikationskonzern weit ins Geschäft mit TV- und Filminhalten vor. Damit folgt AT&T einem Branchentrend – die Telekom-Konzerne suchen nach neuen stabilen Geldquellen und exklusiven Inhalten für ihre Netze, weil die Erlöse im klassischen Kerngeschäft unter Druck stehen.

"Huffington Post"

So kaufte in den USA der Kabel-Anbieter Comcast 2011 NBCUniversal mit der gleichnamigen NBC-Senderkette und dem Universal-Filmstudio. Der größte AT&T-Rivale Verizon, zu dem bereits AOL mit Online-Medien wie der "Huffington Post" gehört, will sich den Internet-Pionier Yahoo einverleiben. Allerdings könnte dieser Deal nach Bekanntwerden der massiven Hacker-Attacke auf Yahoo mit mindestens einer halben Milliarde betroffener Nutzer ins Wanken geraten.

Die Übernahme von Time Warner bedeute das Zusammengehen zweier Unternehmen, die sich perfekt ergänzen, erklärte AT&T-Chef Randall Stephenson. "Ein großes Ärgernis für Kunden ist, dass sie einmal für Inhalte zahlen und dann nicht überall und auf jedem Gerät Zugriff darauf haben", so Stephenson. "Unser Ziel ist es, das zu ändern." Time-Warner-Chef Bewkes sprach von einem "großartigen Tag für TimeWarner und seine Aktionäre". Beide Konzerne hätten die moderne Medien- und Kommunikationslandschaft geprägt.

"Es wird kein Wettbewerber vom Markt verdrängt"

Stephenson zeigte sich zudem zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. "Es wird kein Wettbewerber vom Markt verdrängt, es gibt keine Wettbewerbsbeschränkungen, die durch die Fusion dieser beiden Unternehmen entstehen", sagte er vor Journalisten. Schon vor der Verkündung des Deals hatten US-Verbraucherschützer die Kartellbehörden aufgefordert, die Auswirkungen der Fusion genau zu prüfen.

US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump kündigte am Samstag in einer Rede in Gettysburg (Pennsylvania) an, der geplanten Übernahme im Fall eines Wahlsieges nicht zuzustimmen. Der Deal würde eine zu große Machtfülle in zu wenigen Händen bedeuten und stehe exemplarisch für "jene Machtstrukturen, die ich bekämpfe". Ohnehin würden die Medien schon heute "von zu wenigen kontrolliert", sagte der Republikaner.

Ein finanzielles Wagnis

Für AT&T stellt der Zukauf durchaus ein finanzielles Wagnis dar. Der Konzern ist bereits mit 120 Milliarden Dollar verschuldet und muss sich bei dem Deal weitere Time-Warner-Schulden von mehr als 20 Milliarden Dollar aufbürden. Aktionäre hatten nach den ersten Medienberichten über eine mögliche Übernahme skeptisch reagiert und die AT&T-Aktie fallen lassen. Das Unternehmen hatte 2015 bereits für fast 50 Milliarden Dollar den Satelliten-TV-Anbieter DirecTV gekauft.

Warner-Chef Bewkes hatte 2015 noch ein Offert von Rupert Murdochs Mediengruppe Twenty-First Century Fox über 80 Milliarden Dollar zurückgewiesen. Laut "Wall Street Journal" nahm vor einigen Monaten Apple Kontakt mit Time Warner auf, um einen Zusammenschluss zu diskutieren. AT&T-Rivale Verizon verabredete zuletzt den Kauf des Internetgeschäfts von Yahoo für 4,8 Milliarden Dollar, nachdem er bereits 2015 den Online-Veteranen AOL unter seine Fittiche genommen hatte. Im Jahr 2000 war TimeWarner mit AOL zusammengegangen, was mittlerweile als einer der größten Fehlschläge bei Firmenzusammenschlüssen überhaupt gilt.

Zudem hält das Unternehmen eine zehnprozentige Beteiligung am Netflix-Konkurrenten Hulu

AT&T verkauft von Hause aus Mobilfunk- und Breitbanddienste, hat aber bereits mehrere Standbeine im Mediengeschäft. Außer DirecTV unterhält der Konzern eine Gemeinschaftsfirma, die in der Branche investiert und einen Videostreaming-Dienst aus der Taufe gehoben hat. Time Warner beherbergt neben HBO und CNN auch die Sendergruppen TBS und TNT. Zudem hält das Unternehmen eine zehnprozentige Beteiligung am Netflix-Konkurrenten Hulu. Das Warner-Filmstudio hat die Rechte an Kassenschlagern wie "Batman" und "Harry Potter".

Mobilfunkunternehmen setzen große Hoffnungen auf die nächste Generation der Übertragungstechnik (5G), die auch neue Medienangebote ermöglichen soll. "Wir glauben, dass 5G ein ganz wichtiger Impulsgeber ist", sagte Analyst Rich Tullo vom Wall-Street-Haus Albert Fried & Company. Damit könnten die Telekomanbieter den Bezahlfernsehsendern gehörig in die Quere kommen. Andere Experten kritisierten allerdings, dass AT&T viel Geld für den Kauf der Inhalte-Produktion ausgibt statt zu deutlich günstigeren Preisen lediglich Verwertungsrechte zu erwerben. Es sei unklar, welche Einsparungen die Zusammenlegung von Vertriebsinfrastruktur und Inhalten bringen könnte, sagte Doug Creutz von der Investmentbank Cowen and Co. "Das wurde schon probiert und funktioniert niemals." Die Kartellbehörden dürften der Fusion nach Einschätzung von Fachleuten nicht im Wege stehen. Die Partner müssten voraussichtlich nur bestimmte Auflagen erfüllen.

AT&T zahlt 107,50 Dollar je Time-Warner-Aktie. Der Preis liegt damit deutlich über dem jüngsten Kurs, der im außerbörslichen Handel auf 92,50 Dollar nach oben schoss.

Senat will prüfen

Der US-Senat will die geplante Übernahme sorgfältig prüfen. Das Vorhaben könnte schwerwiegende Wettbewerbsbedenken hervorrufen, sagte der Vorsitzende des zuständigen Ausschusses der Kongress-Kammer am Sonntag.

Der Telekomriese AT&T hatte am Samstagabend angekündigt, den Konzern Time Warner, zu dem die Sender HBO und CNN sowie das Filmstudio Warner Bros gehören, kaufen zu wollen. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen.

Sollte der Deal zustande kommen, wäre er der größte weltweit in diesem Jahr. AT&T-Chef Randall Stephenson zeigte sich zuversichtlich, mögliche Bedenken der Regulierungsbehörden auszuräumen. Der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump hatte bereits zuvor angekündigt, im Falle seiner Wahl würde er es AT&T nicht gestatten, Time Warner und damit CNN zu kaufen. (APA, 23.10. 2016)

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    foto: apa
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