Irakische Armee rückt weiter auf Mossul vor

22. Oktober 2016, 16:34
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Kampf um Stadt Karakosh – Opferzahl nach IS-Angriff in Kirkuk gestiegen

Mossul – Die irakische Armee ist bei der Offensive gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) weiter in Richtung Mossul vorgerückt. Nach Angaben des Staatsfernsehens haben die Truppen am Samstag einen groß angelegten Angriff gestartet, um die früher vor allem von Christen bewohnte Stadt Karakosh zurückzuerobern. Kämpfer hätten im Stadtzentrum die irakische Flagge gehisst.

Die Armee hatte die Stadt, die rund 20 Kilometer süd-östlich von Mossul liegt, bereits am Donnerstag für befreit erklärt, musste sich aber nach Beschuss durch Heckenschützen wieder zurückziehen.

Durchsuchungen in Kirkuk

In der nordirakischen Stadt Kirkuk durchkämmten irakische Regierungstruppen zusammen mit kurdischen Kämpfern mehrere Viertel auf der Suche nach IS-Terroristen. Am Freitag hatten Schläferzellen der Terrormiliz mehrere Angriffe in der Stadt ausgeführt und Gebäude eingenommen. Nach heftigen Gefechten konnte die Armee Gebäude zurückerobern.

Die Operation richte sich gegen IS-Kämpfer, die sich noch in der Stadt befänden, hieß es aus Sicherheitskreisen. Einige Kämpfer hätten sich in die Luft gesprengt, als sie von Sicherheitskräften umzingelt worden seien. "Die Situation in Kirkuk stabilisiert sich immer mehr", sagte ein Polizeisprecher. Bei den Kämpfen waren am Freitag mindestens 47 irakische Soldaten und 39 Terroristen gestorben.

Kurdische Peschmerga-Kämpfer hatten Kirkuk 2014 eingenommen, nachdem die irakische Armee vor dem IS aus der ölreichen Region geflohen war. Der IS finanzierte sich lange Zeit vor allem über das Ölgeschäft. Durch die Gebietsverluste schmelzen diese Einnahmen aber immer mehr zusammen. Die IS-Miliz bekannte sich über ihr Sprachrohr Amaq zu den Selbstmordanschlägen in Kirkuk sowie auf das Kraftwerk im 40 Kilometer nordwestlich gelegenen Dibis.

Pentagonchef im Irak

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR begann unterdessen mit der Versorgung von Familien, die vor den Kämpfen geflohen sind. 144 Flüchtlinge, vor allem Frauen und Kinder, seien in einem neu eingerichteten Lager nördlich von Mossul angekommen, teilte das UNHCR mit. Die Menschen seien zwei Tage lang in ihren Häusern gefangen gewesen, als sich kurdische Peschmerga-Kämpfer Gefechte mit der Terrormiliz lieferten.

Am Samstag reiste überraschend US-Verteidigungsminister Ashton Carter nach Bagdad, um sich über den Fortgang der Offensive zu informieren. Dabei sollte es auch um irakische Vorbehalte gegen eine Beteiligung der Türkei an der Offensive zur Rückeroberung Mossuls von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gehen.

Auf Carters Programm in Bagdad standen unter anderem Gespräche mit dem irakischen Ministerpräsidenten Haider al-Abadi und dem Chef der Anti-IS-Militärkoalition, US-General Stephen Townsend. Den ihn begleitenden Journalisten sagte Carter, nach der Einnahme Mossuls gehe es darum, die Stadt "wiederaufzubauen und zu stabilisieren".

"Grundsätzliche Einigung"

Bei einem Besuch in Ankara hatte sich Carter am Freitag zuversichtlich gezeigt, dass die Türkei in die Militäroffensive gegen Mossul eingebunden werden könne. Dafür gebe es eine "grundsätzliche Einigung", jetzt müssten noch die "praktischen Einzelheiten" erörtert werden.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beharrt auf einer Beteiligung der Armee seines Landes an der Rückeroberung Mossuls vom IS, dem die Stadt 2014 in die Hände gefallen war. Bagdad lehnt dies jedoch ab und verlangt, dass Ankara Hunderte Soldaten von einem Militärstützpunkt in der Stadt Bashika bei Mossul abzieht.

Letzte Bastion

Die türkische Regierung befürchtet, dass das mehrheitlich von Sunniten bewohnte Mossul nach der Einnahme durch die von den USA geführte Anti-IS-Koalition und die kurdischen Peschmerga unter die Herrschaft von Kurden und schiitischen Muslimen geraten könnte.

Mossul ist die letzte Bastion der Terrormiliz im Irak. Die Millionenstadt steht seit Juni 2014 unter Kontrolle der Extremisten. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt. Im Nachbarland Syrien beherrscht die sunnitische Terrormiliz allerdings noch immer große Gebiete. (APA, 22.10.2016)

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