Blattsalat: Läuse im Pelz

22. Oktober 2016, 12:00
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Peter Westenthaler interviewt Norbert Hofer und Heinz-Christian Strache ist "mein kleines Monster"

Beruhigend, dass es noch Menschen gibt, die sich Sorgen um das Zusammenleben in Österreich machen und dafür auch die nötige Qualifikation aufbringen. Robert Lugar ist so einer, und dass er in bester FPÖ-Gesellschaft, wie sie in Alles Roger, das Querformat für Querdenker, gefeiert wird, auftreten darf, ist ein schönes Zeichen dafür, dass ein Querkopf in diesem Land nicht vereinsamen muss.

Das Blatt steht im Oktober ganz im Zeichen einer objektiven Berichterstattung in der Causa Van der Bellen contra Hofer. Was bedeutet, dass ein gewisser Peter Westenthaler ein Exklusivinterview von Norbert H. entgegennimmt, zum Beweis völkischer Verbundenheit unter Anwendung des Du-Wortes. Ein gemeinsames Foto der beiden soll dem Text einen seriösen Anstrich verleihen. Beide sehen darauf leidlich gesund aus, die Gesprächsstimmung ist bestens und durch keine neue Politfantasie Hofers verdorben.

Wer für den Bankrott verantwortlich ist

Um das wieder gutzumachen, bastelt Westenthaler eine erklärende Kolumne, in der er behauptet, die Verschiebung der Wahlwiederholung ist eine Bankrotterklärung des amtierenden politischen Systems. Wer für den Bankrott verantwortlich ist, lässt er ebenso offen wie seinerzeit die Verantwortlichkeit für den Hypo-Bankrott. Das mit dem bankrotten System ist ihm noch aus der Zeit als Haider-Anhängsel im Kopf geblieben, und das kriegt einer wie er einfach nicht mehr raus. Enttäuschend ist das Resümee seiner Systemkritik. Nach dem Motto "Fürchtet euch nicht" ist heute schon klar: Egal wer die Wahl gewinnt, die Republik wird am Morgen danach noch immer dieselbe sein.

Da hat uns Hofer etwas ganz anderes versprochen, zumindest Wunder. Dass die Republik am Morgen danach doch nicht dieselbe sein werde, soll laut dem Querformat für Querdenker Van der Bellen garantieren. Er wurde nicht von Westenthaler interviewt, was schade ist, vielmehr bringt das Blatt Fakten über den Mann, der mit rot-weiß-roter Fahne und "Heimat" wirbt, aber Politik für NATO, EU sowie Massenzuwanderung macht – und der mehr spaltet als wahrscheinlich jeder andere Politiker Österreichs. Von all den diabolischen Ideen, die Van der Bellen da zugeschrieben wurden, blieb auch die nicht vergessen, im Jahr 2000 ein Gegner der schwarz-blauen Koalition gewesen zu sein. Westenthaler lebt eben fortdauernd in der Zeit, als er noch nicht so oft vor Gericht stehen musste, also verständlich.

Robert Lugar hat sich eine Pistole gekauft

Aber zurück zu Robert Lugar. Der nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Er spricht ganz offen über die Flüchtlingskrise, islamistische Allmachtsfantasien und dass er sich jetzt eine Pistole gekauft hat. Das deutet auf ein ängstliches Gemüt, was durch andere Aussagen bestätigt wird. Nur wenn Zuwanderung der Wirtschaft nützt, ist sie okay, humanitäre Überlegungen plagen ihn nicht. Und nicht unwesentliche Teile dieser Leute, die zuwandern wollen, ohne der Wirtschaft zu nützen, wollen sich Europa von den Christen und Juden zurückholen. Möglicherweise haben wir hier eine Laus im Pelz, gegen die eine Pistole sicher helfen kann.

Auf die Frage Fühlen Sie sich in Österreich sicher? antwortet der arme Kerl: Ja, allerdings mit Bauchweh. Mein persönliches Sicherheitsempfinden ist jedoch in der letzten Zeit schlechter geworden, was vor allem mit dem Rückzug von Onkel Frank zu tun haben dürfte. Da sich Frank zurückzieht, will er verständlicherweise seinen Namen zurück, vor allem aber sein Geld, und den Samen, den er gesät hat, sollen andere pflegen. Es sei denn, den will er auch zurück. Wer weiß, was dem noch alles einfällt!

Strache, "mein kleines Monster"

Der Samenpfleger ist jedenfalls schwer besorgt. Ich habe mir vor Kurzem eine Glock gekauft und besitze einen Waffenschein. Ich wurde selber Opfer eines Einbrechers, der mich niederschlug und auch meine Frau verletzte. Schon wieder so eine Laus im Pelz. Aber der nächste Einbrecher wird erschossen, bevor er noch "Guten Abend" sagen kann. Eines soll auf keinen Fall passieren: dass meine neunjährige Tochter einmal verschleiert herumlaufen muss. Da sei die Glock vor, und mit einer solchen macht man auch in der FPÖ gute Figur.

Eine Woche nach ihrer Traumhochzeit gewährte Frau Strache "Österreich" erstmals tiefe Einblicke in ihr Leben an der Seite des blauen Pistolenbesitzers. Sie nennt ihn "mein kleines Monster", ihm fällt nicht mehr ein als "meine Königin". Ohne den Kickl geht's einfach nicht. Auf Seite 1 brachte das Blatt Fotos von der Monster- und der Mörtelgattin. Wenn die Leser jetzt nur nicht die glücklichen Gatten verwechseln! (Günther Traxler, 22.12.2016)

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