Mordverdacht: Polizist soll Sohn erst am Tag darauf getötet haben

21. Oktober 2016, 17:30
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Laut Medienberichten, die sich auf ein Einvernahmeprotokoll beziehen, dürfte er eine Geliebte gehabt haben

Wien – Wende im Fall des unter Doppelmordverdacht stehenden Wiener Polizisten: Der Beamte ist diese Woche erneut vernommen worden und hat sein Geständnis erweitert. Demnach hatte er seit Monaten eine Geliebte. Mit ihr soll er auch in einem Vergnügungspark gewesen sein, nachdem er seine Freundin erschossen hatte. Den gemeinsamen Sohn erwürgte er seiner Darstellung zufolge erst am darauffolgenden Tag.

Die Anwältin des Polizisten, Iris Augendoppler, bestätigte der APA, dass das Geschehen anders als bisher medial transportiert abgelaufen sein dürfte und mit der ursprünglichen Verantwortung des 23-Jährigen nicht in Einklang zu bringen ist. Nach seiner Festnahme hatte der Mann behauptet, dass die Frau ihn beschimpft, geschlagen und eingesperrt haben soll. Ein Streit sei eskaliert und er habe schließlich zu seiner Dienstwaffe gegriffen.

Nach den neuen Erkenntnissen tötete der Polizist am 2. Oktober gegen Mittag seine im sechsten Monat schwangere Freundin, "weil sich so viel in ihm aufgestaut hat", sagte Augendoppler. Gleich im Anschluss schrieb er der 29-Jährigen, mit der er seit Monaten ein Verhältnis hatte, ein SMS. "Sorry, hat leider länger gedauert. Wegen Claudia", zitierte die "Kronen Zeitung". Um 15.00 Uhr traf er sich mit der Frau und ihren beiden Kindern in einem Vergnügungspark in Wien-Donaustadt. Auch den 21 Monate alten Sohn hatte er mit.

Am Abend soll er das Bett vom Blut gereinigt und Decken und Polster im Müll entsorgt haben, ehe er den Buben ins Bett brachte. Als dieser am nächsten morgen, dem 3. Oktober, munter wurde, bereitete er ihm Frühstück zu und zog das Kind an, ehe er es erwürgte. "Er spielte gerade. Ich habe beide Hände verwendet", zitierte die "Kronen Zeitung" aus dem Protokoll. "Mein Mandant wollte nicht, dass der Sohn ohne Mutter aufwächst", bestätigte seine Verteidigerin.

Der 23-Jährige habe dann beide Leichen verpackt, heißt es in dem Bericht weiter, sie in den Keller gelegt und die Wohnung gesäubert. Außerdem soll er der Familie seiner toten Freundin mit ihrem Handy noch eine SMS geschrieben haben, dass die Frau Ruhe brauche und den Tag mit ihm und dem Kind verbringe. Am Abend habe er seine Geliebte zu sich in die Wohnung eingeladen. Der Polizist sei wie immer gewesen, "lieb, schüchtern, romantisch", zitierte die Zeitung aus der Einvernahme der Frau. Die 29-Jährige übernachtete beim Polizisten. Dies habe sie mehrmals pro Woche getan, schrieb die "Kronen Zeitung". Der Polizist habe ihr erzählt, dass er seit Monaten von seiner Freundin getrennt sei.

Die 25-Jährige hat laut dem Bericht den Sommer beinahe gänzlich bei ihren Eltern in Kärnten verbracht. Handynachrichten zwischen der Freundin und ihrer Mutter belegen auch, dass die Frau Angst vor ihrem Lebensgefährten gehabt hatte.

Am Tag nach der zweiten Tat, dem 4. Oktober, soll der Polizist Farbe gekauft und den Keller ausgemalt haben, um die Blutspuren zu überdecken. Außerdem soll er die Leichen in das Auto gepackt haben, ehe er bei seinen Kollegen eine Vermisstenanzeige erstattete. In seiner Dienststelle meldete er sich krank, fuhr zu seiner Familie in die Steiermark. Dort wurde er fünf Tage nach der ersten Tat festgenommen. (APA, 21.10.2016)

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