Rapid belohnt sich nicht: "Es tut weh"

21. Oktober 2016, 11:28
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Wiener trotz "überragenden" Auftritts vor der Pause nur 1:1 gegen Sassuolo – Büskens macht Schrammel für Eigentor "keinen Vorwurf"

Wien – Rapid hat am Donnerstag eine Reaktion nach den zuletzt schwächeren Vorstellungen gezeigt. Die mangelnde Chancenauswertung in einer fulminanten ersten Hälfte und ein kurioses Eigentor verhinderten beim 1:1 gegen Sassuolo in der Europa League aber einen Erfolg. Die sieglose Pflichtspielserie wuchs vor dem Derby am Sonntag auf fünf Partien.

"Es ist echt schade, dass wir uns für unseren großen Aufwand nicht belohnen können. Wir haben nicht nur am Samstag ein Gegentor kassiert, das vermeidbar war. Heute haben wir dem Gegner wieder ein Tor geschenkt. Das tut weh", sagte Trainer Mike Büskens. Thomas Schrammel beförderte den vor ihm aufspringenden Ball nach einer Peluso-Hereingabe bei einem Klärungsversuch per Kopf ins eigene Netz, ließ Goalie Richard Strebinger keine Chance (66.). Die Wiener machten sich das Tor anders als beim 1:1 gegen Altach am Samstag also ganz selbst.

"Wir kassieren zu einfache Gegentore, es ist sehr bitter. Ich mache 'Schremser' aber keinen Vorwurf", sagte Büskens. Trotz des Blackouts des Außenverteidigers hätten die Wiener die drei Punkte holen können und auch müssen. In einem Angriffsfurioso zu Beginn fehlte mit Ausnahme des Führungstreffers von Louis Schaub (7.), der über seinen 16. Treffer im 27. Spiel jubelte, die nötige Kaltschnäuzigkeit. Zu allem Überdruss traf kurz vor der Pause Joelinton mit einem herrlichen Seitfallzieher nur die Oberkante der Latte (41.).

Rapids Auftritt war da mit jenen in St. Pölten (1:1), Ried (2:4) und gegen Altach nicht vergleichbar. "Nach den letzten Ergebnissen wollten wir einen wirklich guten Auftritt zeigen. Das ist in der ersten Hälfte gut gelungen, nur haben wir uns für unseren Aufwand nicht richtig belohnt", analysierte Schaub. Das sah auch Kapitän Stefan Schwab so: "Die erste Hälfte war gute Werbung für den österreichischen Fußball, da war richtig viel Tempo drinnen." Laut Richard Strebinger ist es gelungen, den Gegner zu überraschen: "Sassuolo hat nicht mit der Wucht gerechnet, mit der wir gestartet sind."

Vor der Pause "überragend"

Büskens bezeichnete den Auftritt vor der Pause als "überragend". "Wir haben den Gegner sehr früh und fast permanent unter Druck gesetzt. Wir haben es nur verpasst, das zweite, dritte und vielleicht vierte Tor nachzulegen", analysierte Rapids Coach. Der Serie-A-Klub, der da durch Antonino Ragusa (16.) auch eine Topchance vorfand, wirkte überrascht vom vor allem in der Anfangsviertelstunde extrem starken Auftritt der Hausherren. Durch Rapids Abschlussschwäche blieben die Italiener aber im Spiel.

Nach dem Seitenwechsel schwanden bei den Wienern sichtlich die Kräfte. "Wenn du das Tempo so hochgefahren hast, ist es schwer, auch in der zweiten Hälfte so weiterzumachen. Da haben wir Tribut gezollt", meinte Büskens. Rapid kam nach der Pause nicht mehr so in die Zweikämpfe, Sassuolo war deutlich überlegen, im entscheidenden Bereich aber kaum gefährlich. "Deshalb ist es sehr schade, dass wir nicht gewonnen haben", so Büskens.

Alles in allem wurde das Remis von vielen Seiten als gerecht empfunden. "Ein 1:1 gegen diese Mannschaft ist absolut okay", sagte Schwab. Schaub ergänzte: "Es war nicht irgendein Gegner, wir müssen den Kopf nicht in den Sand stecken."

Rapid (4) ist damit zur Halbzeit der Gruppe F als Dritter außerhalb der Aufstiegsränge. Überraschend ist Favorit Athletic Bilbao (3) Letzter und Genk (6) vor Sassuolo (4) an der Spitze. "Wenn du mit sechs Punkten dasitzen würdest, wäre es sehr gut, aber wir können auch mit dem einen Punkt leben. Wir haben noch alle Möglichkeiten", sagte Büskens. Am 3. November tritt Rapid in Italien an, "da wollen wir auch was holen".

Schösswendter und Dibon verletzt

Das zweite Duell mit den Italienern ist aber nach Spielschluss sofort in den Hintergrund gerückt, wartet doch am Sonntag im Allianz-Stadion das Derby gegen die Austria. Da nach etwas mehr als einem Monat ohne Erfolg auf die Siegerstraße zurückzukehren wäre ein passender Moment und vielleicht eine Initialzündung für das Herbstfinish.

"Das Ergebnis gibt uns nicht viel Auftrieb, aber die Leistung gibt uns was. Wir haben gezeigt, dass wir es können, das war wichtig. Wir werden jetzt am Sonntag alles daran setzen, dass die drei Punkte in Hütteldorf bleiben", versicherte Schwab. Das allerdings wohl mit einer völlig neuformierten Innenverteidigung, da sich sowohl der zur Pause ausgewechselte Christopher Dibon als auch Christoph Schösswendter, der trotz Knöchelblessur durchbiss, verletzten. (APA, 21.10.2016)

  • Trost für Christoph Schösswendter von Louis Schaub.
    foto: apa/oczeret

    Trost für Christoph Schösswendter von Louis Schaub.

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