SUV-Coupés: Flachmatischer Hochbau

21. Oktober 2016, 11:53
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Gegensätze ziehen sich an? Der SUV wächst bekanntlich in die Höhe, das Coupé duckt sich flach. Im SUV-Coupé vereint, zeigt sich hier inzwischen ein richtiger Trend im Trend. Als Nächstes heißt es dann: weg mit dem Dach. Ein SUV-Cabrio gibt es ja schon

Wien – Kostet ja nix, wenn wir das einmal probieren. Oder fast nix, die Entwicklungskosten sind überschaubar. Wird man sich weiland bei BMW gedacht haben. Dabei haben sie folgende Was-wenn-Überlegung angestellt: Was, wenn wir einem SUV (X5) einen coupéartigen Überbau verpassen? Einen mit hübscher Coupélinie? Weil das Coupé nun mal die ästhetischste Form im Automobilbau ist. Bumms. Fertig war der X6. Machoprügel, hieß es sogleich. Kaum ein Auto, das am (Online-)Stammtisch und in der veröffentlichten Meinung so sehr polarisierte wie der. Und hastdunichtgesehen, war das ein Riesenerfolg.

BMW X2

Nehmen wir zum Beispiel 2015. Weltweit hat BMW da 168.143 X5 verkauft – und 46.305 Stück vom X6. Der sorgt nun schon in zweiter Generation für satte Margen, die Weiß-Blauen hatten wieder das richtige G'spür, sie ziehen das Erfolgskonzept der Coupéisierung konsequent über die gesamte X-Linie, die SUVs also, drüber (und nicht nur da, siehe nächste Seite). Nächstes und vorerst letztes SUV-Coupé wird das auf dem X1 basierende sein, die soeben in Paris vorgestellte Studie legt '18 als X2 los.

Und die Konkurrenz? Schläft nicht. Sie hat das Potenzial erkannt und will das Geschäft nicht BMW allein überlassen. Mercedes war am flottesten. Dem Duo X6 und X4 stellen die Schwaben die Coupés von GLE und GLC gegenüber, auch die sind schon höchst erfolgreich tätig. Die Dinger sehen zwar alle aus wie ein Barockschrank, so mit konvex-konkavem Giebel, doch den Leuten taugt's.

Premium-Phänomen

Es zeigt sich allerdings auch, dass dieser Trend im Trend zunächst hauptsächlich ein Phänomen der Premium-Liga ist. Man darf zum Beispiel damit rechnen, dass auch Audi bald einmal aufspringt – zwischen Q3, Q5 und Q7 sind ja noch gewisse Lücken. Wie man die füllen könnte, davon gab auf der IAA 2015 die Elektro-SUV-Studie e-tron quattro eine erste Ahnung. Von der Größenordnung her könnte daraus ein Q6 werden. Selbst Volvo denkt an ein SUV-Coupé à la X6 oder X4, vor 2020 ist damit aber nicht zu rechnen.

Der andere Weg ist der, den Porsche gegangen ist, die SUVs nämlich von der Silhouette her gleich als Coupés zu konzipieren, siehe Cayenne, vor allem aber Macan. Jaguar (F-Pace), Maserati (Levante), der für 2018 avisierte Lamborghini Urus und vermutlich sogar der 2018/19 kommende kleine Lexus-SUV (in Paris als Studie UX zu sehen) setzen allesamt auf die von Porsche vorgezeichnete Linie.

Tiguan-Coupé

Und was ist mit den Volumensherstellern? Mazda ist schon da. Die bauen mit dem CX-4 einen superlässigen CX-5-Coupé-Bruder – der aber nur in China verkauft wird, denn er läuft vom selben Band wie der CX-5 (und die in USA begehrten großen Gebinde CX-7, CX-9), und das raucht eh schon vor Überlastung. Ergo: Kapazitätsprobleme, null Chance für Europa. Hingegen wollen Gerüchte nicht verstummen über eine Coupé-Version des VW Tiguan.

Der nächste Trend im Trend im Trend zeichnet sich auch schon ab. JLR (Jaguar Land Rover) war so frech und mutig, den Evoque nach oben hin zu öffnen und ein SUV-Cabrio daraus zu machen. Jede Wette, dass das bald Nachahmer findet. Denn wir leben schließlich im Zeitalter der Aufschneider. (Andreas Stockinger, 21.10.2016)

  • Das UX Concept gibt einen ersten Hinweis auf einen kleinen Lexus-SUV.
    foto: lexus

    Das UX Concept gibt einen ersten Hinweis auf einen kleinen Lexus-SUV.

  • Diese BMW-Studie gewährt einen Ausblick auf den X2.
    foto: bmw

    Diese BMW-Studie gewährt einen Ausblick auf den X2.

  • Den Mazda CX-4 gibt's schon – aber nur in China.
    foto: mazda

    Den Mazda CX-4 gibt's schon – aber nur in China.

  • Das Cabrio des Evoque gibt es überall.
    foto: jaguar land rover

    Das Cabrio des Evoque gibt es überall.

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