Mindestens 16 Tote bei Selbstmordanschlag auf Kraftwerk im Irak

21. Oktober 2016, 14:58
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Außerdem Kämpfe mit Islamisten in den Straßen von Kirkuk

Kirkuk – Bei einem Angriff der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) auf die nordirakische Ölstadt Kirkuk und ein Kraftwerk in der Nähe sind zahlreiche Menschen ums Leben gekommen. Mit dem Überfall reagierten die Extremisten offenbar auf den Beginn einer Offensive auf ihre Hochburg Mossul Anfang der Woche.

IS-Schläferzellen hätten in der Früh in Kirkuk mehrere Stationen von Sicherheitskräften und andere Gebäude gestürmt, erklärten Provinzgouverneur Najim al-Din Karim und die Polizei am Freitag. Es gab heftige Gefechte. Bei dem Angriff auf ein im Bau befindliches Kraftwerk in Dibis nordwestlich von Kirkuk wurden weiters 16 Mitarbeiter und drei Angreifer getötet.

16 Tote bei Angriff auf Kraftwerk

In Dibis hätten drei Selbstmordattentäter das Kraftwerk gestürmt und zwölf irakische sowie vier iranische Mitarbeiter getötet, erklärte Bürgermeister Abdullah Nur al-Din. Bei anschließenden Gefechten mit Sicherheitskräften sei ein Angreifer getötet worden, die beiden anderen hätten sich selbst in die Luft gesprengt. Die IS-Miliz bekannte sich unterdessen über ihr Sprachrohr, den Online-Nachrichtendienst Amaq, zu den Selbstmordanschlägen. Amaq meldete außerdem, IS-Kämpfer hätten Dibis unter ihre Kontrolle gebracht. Dafür gab es aber keine unabhängige Bestätigung.

Bereits in der Nacht hatten mit Gewehren bewaffnete Selbstmordattentäter in Kirkuk mehrere öffentliche Gebäude angegriffen. Nach Angaben eines kurdischen Geheimdienstvertreters attackierten allein vier Attentäter das örtliche Polizeihauptquartier. Einer der Männer wurde getötet, die drei anderen sprengten sich in die Luft. Die nächtlichen Angriffe galten auch Kontrollpunkten und Sicherheitspatrouillen in der Stadt, die 240 Kilometer nördlich der Hauptstadt Bagdad liegt.

Kämpfe mit Jihadisten

Ein Polizeioffizier sagte, Sicherheitskräfte hätten die IS-Kämpfer in zahlreichen Gebäuden und Straßen in Kirkuk umstellt. Die Kämpfe gingen weiter. Neun Extremisten seien bisher getötet worden. Anrainer berichteten, in der Stadt seien Explosionen und Schüsse zu hören gewesen.

Fernsehbilder zeigten Rauch über der Stadt. Der kurdische Fernsehsender Rudaw meldete unter Berufung auf den Polizeichef Kirkuks, die Extremisten hätten unter anderem eine ehemalige Polizeistation unter Kontrolle gebracht, bevor Anti-Terroreinheiten sie vertrieben hätten.

Armee, kurdische Peschmerga-Kämpfer und lokale sunnitische Milizen hatten nach dem Beginn der Offensive auf Mosul am vergangenen Montag zahlreiche Orte im Umland der Metropole erobert. Sie rückten bis auf etwa 20 Kilometer an die Millionenstadt heran. Mosul ist die letzte irakische IS-Bastion. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Kirkuk und das Umland werden von den Kurden kontrolliert. Bekannt ist die Region vor allem wegen ihrer großen Ölvorkommen. Die kurdische Autonomieregierung im Nordirak und die Zentralregierung in Bagdad streiten sich seit langem darüber, wer die Hoheit über die Region erhält. Kurdische Peschmerga-Kämpfer rückten im Zuge des Kampfes gegen den IS in die Stadt ein und brachten sie unter Kontrolle. (APA, 21.10.2016)

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