Rapid nach kuriosem Schrammel-Eigentor 1:1

20. Oktober 2016, 23:18
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Die Hütteldorfer bestimmten gegen Sassuolo über weite Strecken das Spiel, müssen sich aber nach einem Blackout von Verteidiger Schrammel mit einem Punkt begnügen

Wien – Mike Büskens ist kein Feigling, die "Sehnsucht nach dem Erfolg" führte dazu, dass Rapids Trainer eine sehr offensive Mannschaft ins Spiel gegen US Sassuolo Calcio geschickt hat. Ivan Mocinic und Kapitän Stefan Schwab im zentralen Mittelfeld, Thomas Murg machte den Zehner, an den Seiten werkten der Isländer Arnor Traustason und Louis Schaub, sie sollten Sturmspitze Joelinton mit Flankenbällen füttern.

Das Allianz Stadion, das in der Europa League auf den Namen Weststadion hört, war am Donnerstagabend natürlich ausverkauft (Gästesektor und VIP-Bereich ausgenommen), die Rapid-Fans haben gelernt, zu leiden. "Gemma Burschen, zu zwölft gibt’s für uns kan Gegner", stand auf einem Transparent geschrieben. Sassuolo, genannt Neroverdi (die Schwarz-Grünen), ist in Europa sehr unerfahren, für die seit 1922 bestehenden Italiener war es erst die siebente internationale Partie, darüber kann Rapid nur schmunzeln.

Stark begonnen

Büskens hatte einen Matchplan: "Schon im Aufbau mutig sein, durch ein klares Passspiel in die nächste Zone kommen und ganz vorne die nötige Konsequenz an den Tag legen." Und sie legten. Bereits nach 36 Sekunden prüfte Joelinton Goalie Andrea Consigli mit einem Distanzschuss, der Druck wuchs, das war richtiger Fußball mit schnellen und präzisen Kombinationen. 7. Minute: Nach einem Corner und einem darauffolgenden Getümmel staubt Schaub zum 1:0 ab.

Es wurden weitere Chancen kreiert, Sassuolo wankte. Bis zu 16. Minute, in dieser verfehlte Antonino Ragusa ganz knapp das Ziel. Rapid blieb bis zur Pause aber dominant, Höhepunkt einer tadellosen Vorstellung war ein Fallrückzieher von Joelinton an die Oberkante der Latte (42.).

Abgebaut

Der verletzte Innenverteidiger Christopher Dibon (Muskelbeschwerden im Gesäßbereich) musste durch Maximilian Hofmann ersetzt werden, die Italiener näherten sich in der zweiten Halbzeit einer Gleichwertigkeit an. Rapid konnte das hohe Tempo nicht durchhalten, baute ab, geriet phasenweise in Bedrängnis.

Büskens brachte für den guten Murg den defensiveren Srdjan Grahovac (63.). 66. Minute, der Tiefschlag: Thomas Schrammel köpfelt eine Flanke aus elf Metern ohne Not aber dafür sehr platziert zum 1:1 ins eigene Tor. Rapid konnte zumindest für eine Stunde die angebliche (vielleicht auch tatsächliche) Krise überwinden oder unterbrechen, am Sonntag wird die Austria zum ausverkauften Derby begrüßt. Danach weiß man mehr. Und am 3. November bestreitet Sassuolo im Mapei-Stadion in Reggio Emilia die achte internationale Partie, die zweite gegen Rapid. (hac, 20.10.2016)

Europa League, Gruppe F, 3. Runde, Donnerstag

SK Rapid Wien – US Sassuolo Calcio 1:1 (1:0)
Allianz-Stadion, 22.200 Zuschauer, SR Hugo Miguel (POR)

Torfolge:
1:0 (7.) Schaub
1:1 (66.) Schrammel (Eigentor)

Rapid: Strebinger – Pavelic, Schößwendter , Dibon (46. M. Hofmann), Schrammel – Mocinic, Schwab – Schaub, Murg (64. Grahovac), Traustason (73. Jelic) – Joelinton

Sassuolo: Consigli – Lirola, Antei, Acerbi, Peluso – Mazzitelli, Magnanelli, Pellegrini – Politano (87. Adjapong), Matri (78. Ricci), Ragusa (58. Defrel)

Gelbe Karte: Murg bzw. keine

  • Stimmen:

Mike Büskens (Rapid-Trainer): "Das Eigentor hat sehr wehgetan. So etwas passiert, es war eine dumme Aktion, die leider immer wieder vorkommt. Sassuolo hatte in der ersten Hälfte zwei große Chancen und in der zweiten Hälfte eine Feldüberlegenheit, aber keine großen Möglichkeiten mehr. Die erste Hälfte war von uns überragend, da hätten wir vier Tore machen müssen. In der zweiten Hälfte haben wir dem Aufwand ein bisschen Tribut zollen müssen. Nach der Verletzung von Schößwendter, als nicht mehr wechseln konnten, ging nur noch darum, das Ergebnis zu verteidigen, obwohl wir auch noch Chancen hatten. Die Jungs haben wahnsinnig viel investiert, konnten sich aber leider nicht belohnen."

Stefan Schwab (Rapid-Kapitän): "Es war ein Schritt in die richtige Richtung, wir haben wieder Chancen kreiert. Das Eigentor von Schrammel ist bitter, aber das kann jedem passieren."

Thomas Schrammel (Rapid-Eigentorschütze): "Das Eigentor belastet mich nicht, ich bin ein positiver Mensch. Ich wollte ins Out klären, aber der Ball ist mir über die Schädeldecke gerutscht. Der Ball ist ein bisschen hoch aufgesprungen, es war sehr unglücklich."

Eusebio di Francesco (Sassuolo-Trainer): "Man hat gesehen, dass Rapid vorne sehr stark ist, sie haben sehr aggressiv gespielt und die Fans waren außergewöhnlich gut, so etwas habe ich noch selten erlebt. Wir haben Fehler im technischen Bereich gemacht, in der Mitte teilweise zu offen gespielt.

Zur Pause habe ich einige kleine Korrekturen vorgenommen. In der zweiten Hälfte haben wir starkes Pressing gemacht, gefährliche Chancen kreiert und verdient den Ausgleich erzielt. Generell bin ich mit der Leistung der Mannschaft zufrieden, das Resultat ist alles in allem sehr positiv. Die ganze Gruppe ist stark, das sieht man auch am Sieg von Genk gegen Bilbao, und ziemlich ausgeglichen. Es ist noch alles sehr offen, wir haben den Vorteil, noch zwei Heimspiele zu haben."

  • Rapid verpasst den Sieg.
    foto: reuters/foeger

    Rapid verpasst den Sieg.

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