Nationalpark Donau-Auen wächst zum Jubiläum

20. Oktober 2016, 18:14
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20 Jahre nach seiner Gründung wird das Schutzgebiet um 277 Hektar erweitert – von möglichem Lobautunnel nicht betroffen

Wien – "Vor 32 Jahren", erzählte Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP) am Donnerstag, "habe ich selbst als Student gegen eine Verbauung in der Hainburger Au gekämpft." Damals gingen die Proteste vor allem gegen das geplante Kraftwerk: Die Bewegung zum Schutz der Flusslandschaft führte einige Jahre später am 27. Oktober 1996 zur Gründung des Nationalparks Donau-Auen. Zum 20-Jahr-Jubiläum verkündeten Rupprechter, Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) sowie Wiens Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ), dass das Schutzgebiet erstmals seit seiner Gründung um 277 Hektar erweitert wird. Der Nationalpark wies bisher eine Größe von rund 9.300 Hektar auf.

260 Hektar in der Petroneller Au

Konkret kommen von niederösterreichischer Seite Gebiete in der Petroneller Au zum Nationalpark dazu: Durch einen Vertrag wird der private Großgrundbesitzer Abensperg-Traun für 260 Hektar entschädigt, diese werden der Nationalparkverwaltung unterstellt. Die Stadt Wien steuert 17 Hektar in Fischamend bei, das Areal nahe dem Revier Mannswörth wurde bisher von der MA 49 (Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb) verwaltet. Für weitere 140 Hektar in Niederösterreich wurde ein sogenannter Kooperationsvertrag für eine forstliche Außernutzungsstellung vereinbart.

"Wir haben im Osten Österreichs etwas geschaffen, auf das unsere Kinder stolz sein werden", sagte Häupl. Er hatte vor 20 Jahren mit Pröll und dem damaligen Umweltminister Martin Bartenstein (ÖVP) den Staatsvertrag zur Errichtung und Erhaltung des Nationalparks unterschrieben.

Zwischen Wien und Bratislava

Pröll bezeichnete das Gebiet zwischen Wien und Bratislava, in dem der Nationalpark liegt, als Region, die wirtschaftlich sehr dynamisch wachsen wird. "Es wird eine Vielzahl an Zielkonflikten geben", sprach Pröll auch den Nutzungsdruck verschiedenster Interessengruppen auf Kosten von Naturflächen an. Umso wichtiger sei es, den Nationalpark zu erhalten und zu stärken.

Das etwa 36 Kilometer lange Schutzgebiet entlang der Donau, einer von sechs Nationalparks in Österreich, besteht zu 65 Prozent aus Auwäldern. 15 Prozent sind Wiesenflächen, etwa 20 Prozent machen Wasserflächen aus.

Lobautunnel "verkehrspolitische Frage"

Der mögliche Bau des umstrittenen Lobautunnels würde den Nationalpark nicht betreffen, sagte Nationalparkdirektor Carl Manzano dem STANDARD. "Das ist eine verkehrspolitische Frage", sagte er. Er verwies auf die geplante Tiefe der Röhren. "Und die Abgase würden in Wohngebieten herauskommen."

Hinterfragenswürdig aber sei, "ob eine derart hohe Verkehrsinvestition sinnvoll und vertretbar ist". Aktuell wird das Projekt in zweiter Instanz vom Bundesverwaltungsgericht geprüft. Die Wiener Grünen wollen noch im Herbst Alternativen zum Tunnelbau präsentieren. Ein Termin steht noch nicht fest. (David Krutzler, 20.10.2016)

  • Erwin Pröll (links) und Michael Häupl (rechts) wurden mit Fotos gerne daran erinnert, dass sie zu den Gründervätern des Nationalparks vor 20 Jahren zählten. Andrä Rupprechter erzählte von seinem Protest als Student gegen die Verbauung der Hainburger Au.
    foto: christian fischer

    Erwin Pröll (links) und Michael Häupl (rechts) wurden mit Fotos gerne daran erinnert, dass sie zu den Gründervätern des Nationalparks vor 20 Jahren zählten. Andrä Rupprechter erzählte von seinem Protest als Student gegen die Verbauung der Hainburger Au.

  • Der Nationalpark Donau-Auen, einer von sechs in Österreich, ist etwa 36 Kilometer lang.
    foto: apa / helmut fohringer

    Der Nationalpark Donau-Auen, einer von sechs in Österreich, ist etwa 36 Kilometer lang.

  • Das Schutzgebiet besteht zu 65 Prozent aus Auwäldern. 15 Prozent sind Wiesenflächen, etwa 20 Prozent machen Wasserflächen aus.
    foto: apa / harald schneider

    Das Schutzgebiet besteht zu 65 Prozent aus Auwäldern. 15 Prozent sind Wiesenflächen, etwa 20 Prozent machen Wasserflächen aus.

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