Ärztestreit: Verwirrung um Zahlen

20. Oktober 2016, 17:38
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Nachtdienste werden zunächst reduziert, dann überprüft

Wien – Es hat Seltenheitswert, wenn die Wiener Ärztekammer für ihren Dauerstreitpartner Krankenanstaltenverbund (KAV) lobende Worte findet. Denn vor einem Monat machten die Ärzte noch mit einem Warnstreik auf sich aufmerksam, der sie zurück an den Verhandlungstisch mit dem Spitalsträger beförderte.

Streitpunkt sind die Umstrukturierungen in den Spitälern, wo unter anderem Nachtdienste gekürzt werden sollen.

Erstes Zwischenergebnis

Ein erstes Zwischenergebnis der Verhandlungen liegt nun dem STANDARD vor. Demnach wurden laut KAV in 17 Abteilungen Gespräche geführt. Ergebnis: Von elf geplanten Reduktionen von Nachtdiensten im Oktober werden neun umgesetzt – aber mit Zusatzvereinbarungen: So werden etwa sechs Reduktionen nur befristet bis zu vier Monate durchgeführt, und danach evaluiert.

Zwei Nachtdiensträder fallen nur von Mitte April bis Mitte November weg – mit dem Zusatz, dass im Winter ein zusätzlicher Nachtdienst in Kinderambulanzen möglich ist. Das weitere Vorgehen zur Nachtpräsenz der Chirurgie im Krankenhaus Floridsdorf wird "aufgrund vakanter Dienstposten", wie es vom KAV heißt, erst später gelöst.

Seit Juli 2016 wurden laut KAV – exklusive Oktober-Dienstplan – sieben Nachtdienste gestrichen, womit insgesamt 16 Räder reduziert wurden. Für November sind laut KAV keine Streichungen von Nachtdiensten mehr vorgesehen.

Ursprünglich hätten laut Aussagen der Ärztekammer ab September 40 Nachtdienste gestrichen werden sollen. Diese Zahl will der KAV jetzt nicht mehr kommentieren. Er verweist darauf, dass alle Reduktionen nur noch in Absprache stattfinden. Für Verwirrung sorgt aber, dass vor zwei Wochen der STANDARD vom KAV erfuhr, dass 85 Prozent der Reduktionen bereits umgesetzt wurden. Die Standesvertretung ist vorerst zufrieden, dass Ärzte und Kammer in die Gespräche eingebunden seien. Als Erfolg betrachtet die Kammer, dass sie zwei Nachtdienststreichungen gänzlich rückgängig machen konnte. (krud, mte, 20.10.2016)

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