Wiens Handelsobmann Trefelik beharrt auf Sonntagsöffnung

20. Oktober 2016, 16:53
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Rainer Trefelik startet einen neuen Vorstoß, die Sonntagsöffnung in Österreich zu erlauben

Wien – Rainer Trefelik wird ungeduldig. "Es gibt nach wie vor Gespräche rund um die Sonntagsöffnung in Wien, es dauert mir aber zu lange." Mehr als ein Jahr ist es her, dass der Obmann der Sparte Handel in der Wiener Wirtschaftskammer die stets hitzig geführte Debatte rund um eine Tourismuszone und damit verbundene längere Öffnungszeiten in der Innenstadt frisch entfachte. Was folgte, war die übliche harte Abfuhr der Gewerkschaft, dann kehrte wieder Ruhe in die Causa ein.

Mittlerweile habe sich aber die Meinung durchgesetzt, dass daran kein Weg vorbeiführt, ist Trefelik überzeugt – wenn auch der Weg dorthin kein kurzer sei. Denn der Einzelhandel brauche angesichts der Konkurrenz durch internationale Onlineanbieter, die rund um die Uhr verfügbar seien, Impulskäufe. Und diese würden durchaus zusätzlichen Umsatz bringen.

Kaufkräftige Touristen

"Wir müssen eben akzeptieren, dass sich die Welt rundum geändert hat." Auch Wien werde sich den Luxus geschlossener Geschäfte an Sonntagen auf Dauer nicht mehr leisten können. Zumal sehr kaufkräftige Touristen fernblieben und auch andere Nationalitäten die Lücke nicht schließen. Trefelik verwehrt sich gegen jeden Zwang, sieben Tage in der Woche aufsperren zu müssen. "Es muss jedoch zumindest die Möglichkeit dazu bestehen."

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl hob erst jüngst die Bedeutung der österreichischen Sonn- und Feiertagskultur hervor. Er versicherte, dass die Wirtschaft den freien Sonntag mittrage. Trefelik interpretiert das so, dass es beim Offenhalten klare geografische Grenzen geben müsse: Bei allem Verständnis für Einkaufscenter außerhalb der Innenstadt – es gelte über einzelbetriebliche Interessen hinwegzusehen, meint er in Richtung der Lugner-City.

Kein Betteln in Einkaufsstraßen

Ein weiteres sensibles Thema, bei dem Trefelik "mehr Mut" zu politischer, aber nicht ideologisch geführter Diskussion fordert: Betteln in den Einkaufsstraßen. Kein Händler wolle Menschen in Notlage, die Hilfe erbitten, aus dem öffentlichen Raum verbannen, sagt er. Für zweifelsfrei im großen Stil organisiertes gewerbliches Betteln brauche es aber Spielregeln, vergleichbar etwa mit jenen für öffentliches Musizieren.

Es gehe nicht um die Frage, ob Betteln verboten gehöre oder ein Menschenrecht sei. "Es muss in Wien aber möglich sein, jemanden, der sich vor ein Geschäftslokal setzt, zu ersuchen, wegzugehen." Die Polizei wird aus seiner Sicht finanziell ausgehungert. Sie brauche mehr Rückendeckung – auch, um an Hintermänner gewerblichen Bettelns zu kommen. (Verena Kainrath, 20.10.2016)

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