Farbenprächtige Endoskopie zur Früherkennung

31. Oktober 2016, 06:58
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Die Hyperspektrale Bildgebung soll Untersuchungen des Magen-Darm-Trakts genauer machen – Noch ist das Verfahren für die standardmäßige Anwendung ungeeignet

Wien – Eine neue Bildgebungstechnik soll frühzeitig krebsartige Veränderungen im Magen-Darm-Trakt erleichtern. Es handelt sich dabei um ein Verfahren, das eine bessere farbliche Auflösung der Endoskopie-Untersuchungen erlaubt.

Die Methode ist eine Kamera-Technologie, die ein neues Farbfiltersystem verwendet, was zur Erhöhung der Anzahl der Farben führt, die sichtbar gemacht werden können. Damit sollen abnorme Zellen in der Darmschleimhaut leichter erkennbar werden.

Sarah Bohndiek von der Universität Cambridge in Großbritannien sagt über die neue Technik: "Bei der traditionellen Endoskopie verwenden wir weißes Licht und Detektoren, die unsere Augen nachahmen, also Licht in roten, grünen und blauen Farbkanälen ausmachen. Wir entwickeln gerade einen Ansatz, die 'Hyperspektrale Bildgebung', der die Anzahl an visualisierbaren Farbkanälen von drei auf über 50 erhöht."

Sichtbar machen

Da Zellveränderungen bei der Entwicklung von Tumoren zu Farbveränderungen im Gewebe führen, könnte mit dem Verfahren die Genauigkeit der Untersuchungen vergrößert werden. Die Hyperspektrale Bildgebung (Hyperspectral Imaging, HSI) sammelt und verarbeitet Informationen aus dem elektromagnetischen Spektrum. Es spaltet das aufgenommene Farbspektrum in viele weitere Farbbänder auf und kann über das sichtbare Lichtspektrum hinaus erweitert werden. Die durch HSI erhaltenen Bilder können Informationen zur Physiologie und chemischen Zusammensetzung humaner Gewebe bieten und in der bildgeleiteten Chirurgie Verwendung finden.

"Die Hyperspektrale Bildgebung ist ein leistungsstarkes Werkzeug, das die chemische Zusammensetzung humaner Gewebe aufzeigen und zusammen mit verschiedenen fluoreszierenden Farben eine Reihe biologischer Prozesse identifizieren kann", so Sarah Bohndiek. "Die Technik hat viele potenzielle Anwendungen innerhalb der Krebsdiagnostik. Erstaunliche Fortschritte wurden bereits bei der Diagnose des sogenannten Barrett-Ösophagus berichtet, einer Krebsvorstufe (für Speiseröhrenkrebs; Anm.)."

Derzeit sind die Geräte allerdings noch kompliziert, sperrig und teuer. Die Entwickler hoffen, das Verfahren schnell in die standardmäßigen Endoskope für die "Darmspiegelung" integrieren zu können. Damit würde es breit anwendbar.

Kampf dem Reizdarm

Doch nicht alle gastroenterologischen Beschwerden sind durch die Feststellung von Gewebeveränderungen fassbar. Viele Menschen leiden unter funktionalen gastrointestinalen Störungen. "Diese funktionalen Störungen sind 'Krankheiten zweiter Klasse'. Man kann keine organischen Veränderungen erkennen. Deshalb wird häufig eine psychiatrische Erkrankung vermutet, die die Patienten zu ihren Symptomen auch oft noch stigmatisiert", berichtet der US-Experte Douglas Drossman. Die Fachleute haben im Rahmen der "Rome Foundation" unter anderem eine Klassifikation für diese sehr unterschiedlichen Syndrome erstellt, die den Ärzte die Diagnostik erleichtern und auch bessere wissenschaftliche Studien ermöglichen soll.

Eine solche Störung ist das Reizdarm-Syndrom (IBS), das zehn Prozent der Menschen mit Schmerzzuständen, Durchfällen, Blähungen etc. plagt. Alkohol, Snacks, Stress, Angst und Antibiotika können solche Beschwerden auslösen. Eine sogenannte FODMAP-arme Ernährung ist die bewährte Behandlung für Menschen mit Reizdarmsyndrom. Bei dieser Ernährungsform wird die Aufnahme von Nahrungsmitteln mit leicht fermentierbaren Zuckern reduziert. Das verlangt eine Einschränkung bestimmter Kohlenhydrate, einschließlich Weizen, Gerste, Zwiebeln und Gemüse, Lebensmittel mit einem hohen Anteil freier Fruchtzucker (einschließlich vieler Obstsorten) sowie mit Süßstoff versetzter Produkte.

Allerdings sprechen nur rund 50 Prozent der Patienten auf diese oft schwer einzuhaltende Diät an. Sean Bennet von der Universität Göteborg in Schweden und seine Mitarbeiter haben einen Test auf das Darmbakterien-Spektrum entwickelt. Es erlaubt offenbar vorherzusagen, welche Erkrankten auf diese Therapie ansprechen werden und welche nicht. Das erhöht die Treffgenauigkeit und erspart unnötige Diät. (APA, 31.10.2016)

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