Wiener Industrie 4.0-Pilotfabrik nimmt Gestalt an

20. Oktober 2016, 15:35
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Demonstrations-Werk soll in zwei bis drei Monaten in Wien-Aspern zu besichtigen sein

Es kommt Bewegung in die offiziell vor mehr als einem Jahr auf dem Papier eröffnete erste Pilotfabrik für Industrie 4.0: Vor vier Wochen wurde mit dem tatsächlichen Aufbau begonnen, in zwei bis drei Monaten dürfte es in der Demonstrationsfabrik in Wien-Aspern dann auch wirklich etwas zu besichtigen geben, hieß es am Donnerstag im Rahmen des dritten Industrie 4.0-Fachkongresses in Wien.

Mit der Digitalisierung habe die europäische Industrie die Chance, ihre globale Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. "Wir können das Produkt oder den Prozess verbessern – und es muss eine Verbesserung sein, für die der Kunde bereit ist zu zahlen", erklärte Wilfried Sihn, Geschäftsführer von Fraunhofer Austria und Vorstand des Instituts für Managementwissenschaften an der Technischen Universität (TU) Wien, der federführend am Aufbau der Pilotfabrik beteiligt ist, die Ausgangslage.

"Ich habe da etwas gelesen"

"Ich habe da etwas über Digitalisierung gelesen – aber wie kann ich das in meinem Industrieunternehmen nutzen?" – sei die häufigste Frage, mit der er konfrontiert werde. Hier komme die Pilotfabrik ins Spiel. Sie solle Kunden ermöglichen, ihre individuellen Anwendungsmöglichkeiten, welche durch die digitale Vernetzung entstehen, auszuloten, Roboterassistenz- und Varianzsysteme oder auch echtzeitfähige Montagesteuerung kennenzulernen. "Wir zeigen etwa intelligente Transportbehälter – sie melden sich sozusagen, wenn sie leer sind – und eine sich selbst steuernde Materialversorgung bzw. -entsorgung", führte er aus. Aufgebaut werden auch drei Konzepte für fahrerlose Transportsysteme.

Ein wesentliches Thema sei die Veränderung des Arbeitens und der Arbeitsplätze. Einerseits würden die Mitarbeiter aufgrund der permanent steigenden Lebenserwartung älter, was Auswirkungen auf die erforderliche Ergonomie bzw. die Ansprüche an altersgerechtes Arbeiten habe.

"Der Roboter ist mit dem Werkstück vernetzt und weiß von selber, wann er kommen muss"

Andererseits sei kollaboratives und kooperatives Arbeiten mit Robotern im Kommen. Roboter werden zum Kollegen und eilen zu Hilfe, wenn ein bestimmtes Werkstück aufgenommen wird. "Der Roboter ist mit dem Werkstück vernetzt und weiß von selber, wann er kommen muss. Er 'spricht' sich mit den anderen Robotern ab und sie 'klären', wer gerade in der Nähe ist oder Zeit hat", so das offenbar gar nicht futuristische Szenario. Massiv Einzug halten werden Sihn zufolge Tablets, die mit den Maschinen kommunizieren, und mit deren Hilfe Mitarbeiter jederzeit alle relevanten Infos zur Hand haben.

Gerade bezüglich der Mensch-Maschine-Interaktion herrsche jedoch eine unsichere Normenlage und es gebe viele offene Fragen zur Sicherheit. Deshalb haben Fraunhofer Austria und das Zertifizierungsunternehmen TÜV Austria im Rahmen der Pilotfabrik ein Forschungsprojekt gestartet, das noch eineinhalb bis zwei Jahre laufen soll, wie TÜV Austria-Innovationsmanager Christoph Schwald erläuterte.

Mensch und Maschine

Weil das hochkomplexe Miteinander von Mensch und Maschine neu ist, ist erst zu definieren, was und wie geprüft werden muss, um ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten. Besonders herausfordernd sei es, wenn die Steuerung über Assistenzsysteme erfolge, etwa über eine Virtual-Reality-Brille. "Wie lässt es sich vermeiden, mit dem Roboter zusammenzustoßen? Man muss hier alles systemisch betrachten", betonte Schwald. Ziel des Projekts sei es, einen Leitfaden herauszugeben, erklärte er. Laufend begleitet werde das Projekt durch eine "White Paper"-Reihe.

Die Pilotfabrik wurde vom Infrastrukturministerium (BMVIT) initiiert und von der TU Wien entwickelt. In der ersten Phase sind zwanzig Industrieunternehmen beteiligt. (APA, 20.10. 2016)

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