Patienten in Pflegeheim gequält: Schönborn "erschüttert"

20. Oktober 2016, 12:55
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Initiative gegen Kirchenprivilegien verweist auf "katholische Einrichtung"

St. Pölten/Wien – Im Fall des angeblichen Quälens von Patienten in einem privaten Pflegeheim im Bezirk St. Pölten hat sich am Donnerstag die Initiative gegen Kirchenprivilegien zu Wort gemeldet. Sprecher Christian Fiala wies in einer Aussendung darauf hin, "dass es sich um eine katholische Einrichtung handelt". Er forderte ebenfalls "lückenlose Aufklärung". Die aufgedeckten Vorkommnisse seien schockierend.

Die Trägerorganisation des Heimes "untersteht dem Erzbischof von Wien", betonte Fiala. "Es ist beklemmend, wie kirchliche Einrichtungen mit Schutzbefohlenen und Hilfsbedürftigen umgehen."

Zu wenig Personal

Die SPÖ Wiener Neustadt warf indes der seit fast zwei Jahren regierenden "bunten" Stadtführung vor, das Stadtheim "genau an jenen Träger, der dieses Pflegeheim in Niederösterreich betreibt", verkauft zu haben. Pflegemissstände würden immer dann passieren, "wenn zu wenig oder zu wenig qualifiziertes Personal für schwer pflegebedürftige Menschen eingesetzt ist", stellte Klubobfrau Margarete Sitz in einer Aussendung fest. Nun seien die Ergebnisse der Untersuchungen in dem in dieser Woche bekannt gewordenen Fall im Bezirk St. Pölten abzuwarten. Bei einem Mitverschulden des Trägers müsse der Verkauf des Stadtheims unverzüglich rückgängig gemacht werden, forderte die SPÖ Wiener Neustadt.

"Tief erschpttert"

Kardinal Christoph Schönborn ist laut seinem Sprecher Michael Prüller tief erschüttert über die angeblichen Missbrauchsfälle, berichtete "Kathpress". Der jeweilige Erzbischof von Wien sei "aus historischen Gründen" Schirmherr der Trägerschaft der Einrichtung.

Freilich habe Schönborn dabei keinerlei Einflussmöglichkeiten auf die operativen Tätigkeiten in den einzelnen Heimen, betonte Prüller. Ganz im Sinne des Kardinals habe die Leitung der Einrichtung in Niederösterreich jedoch rasch gehandelt und eine lückenlose Aufklärung eingeleitet. Man müsse alles tun, "um solche Untaten von vornherein zu verhindern", sagte Prüller. "Dieser Aufgabe wissen sich alle Träger der Altenpflege verpflichtet, auch und gerade die Kirche."

Ex-Mitarbeiterin wehrt sich

Eine inzwischen ehemalige Mitarbeiterin des Pflegeheims hat sich in der Tageszeitung "Heute" zur Wehr gesetzt. "Das ist alles eine Intrige", wurde sie zitiert. Die Trägerorganisation der Einrichtung kommentiere den Bericht nicht, sagte Sprecher Christian Zwittnig.

Im Heim würden "nur Neid und Eifersucht" herrschen, sagte die Ex-Pflegehelferin. "Wir sind permanent unterbesetzt. Es gibt große Missstände." (APA, 20.10.2016)

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