Empfehlung: Anders impfen bei Immunschwäche

20. Oktober 2016, 12:10
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Die Frage nach dem Impfschutz stellt sich besonders bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem – eine Empfehlung will Klarheit schaffen

Wien – Weltweit gibt es kaum gesichertes Wissen zu Impfungen bei immungeschwächten Menschen. Österreichische Experten vom Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien sowie der Österreichischen Gesellschaft für Vakizinologie haben nun dazu eine Empfehlung mit dem Titel "Impfungen bei Immundefekten/Immunsupression" veröffentlicht.

"Es gibt immer mehr Menschen, die therapiebedingt ein geschwächtes Immunsystem aufweisen. Das sind zum Beispiel Patienten, die mit sogenannten Biologika wie monoklonale Antikörper oder anderen immunsuppressiven Medikamenten gegen chronische Polyarthritis, Multiple Sklerose oder chronischen Hauterkrankungen (schwere Psoriasis; Anm.) behandelt werden", sagt Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin.

Es sind nicht mehr ausschließlich Patienten nach Organtransplantationen oder während bzw. nach einer Chemotherapie bei denen sich Fragen rund um den Impfschutz stellen. Viele Menschen und auch manche Ärzte fürchten allfällige Komplikationen durch Impfungen bei "Immungeschwächten". Teilweise wird die Gefährdung zu hoch eingeschätzt und auf wirksamen Infektionsschutz verzichtet.

Drei Stadien einer Immunschwäche

Den Experten zufolge kommt es jeweils auf eine maßgeschneiderte Vorgangsweise an: Weil Menschen unter einer immunsuppressiven Therapie von sich aus durch Infektionen mehr gefährdet sind, sollten sie auf einen möglichst guten Impfschutz achten. "Umso wichtiger ist es, wie man bei den Impfungen vorgeht", so Wiedermann-Schmidt. Andererseits können die Impfungen auch schlechter wirken, auch das müsse berücksichtigt werden.

Grundsätzlich gilt, dass alle Impfungen, die im Österreichischen Impfplan empfohlen werden, vor dem geplanten Start einer immunsuppressiven Therapie und bei chronischen Erkrankungen überhaupt so früh wie möglich durchgeführt werden sollten. Das von rund 20 Experten erstellte Statement unterscheidet zwischen drei Stadien einer Abwehrschwäche. Keine oder eine für Impfungen nicht relevante Immunsuppression liegt zum Beispiel bei einer kurzzeitigen Kortisontherapie oder bei Verwendung von inhalierbaren Kortisonpräparaten vor, ebenso nicht bei einem gut eingestellten Diabetes mellitus.

In die Patienten-Gruppe mit leichter bis mittelgradiger Immunschwäche fallen Personen mit niedrig dosierten Immunsuppressiva (z.B. Methotrexat bei rheumatischen Erkrankungen). Schwere hämatologische Erkrankungen, der Zustand nach Transplantation oder zum Beispiel die Behandlung mit den in der Rheuma- oder Psoriasistherapie eingesetzten Biologika bedeutet eine starke Immunsuppression.

Unterschiede je nach Impfstoff

Wiedermann-Schmidt stellt grundsätzlich fest: "Insgesamt geht es bei den Impfungen am ehesten um die Lebendimpfstoffe" – Vor allem Masern, Mumps und Röteln sowie Varicellen. So kann es notwendig sein, einen Abstand zwischen der immunschwächenden Therapie und einer neuen Impfung einzuhalten. Das ist von der jeweils durchgeführten Therapie abhängig. In vielen Fällen – zum Beispiel bei einer Rheumatherapie mit Biologika – kann bei Bedarf eventuell vorübergehend die Dauerbehandlung auch ausgesetzt werden, um eine Immunisierung zu ermöglichen. Bei schwerer Immunsuppression sollten Lebendimpfstoffe nicht verabreicht werden. Es gebe aber auch Ausnahmen.

Anders ist das bei Totimpfstoffen wie Keuchhusten, Pneumokokken, Hepatitis, Polio-Impfung zum Injizieren und die meisten Vakzine gegen Influenza. Bei solchen Impfungen können Laboruntersuchungen wichtig werden, um festzustellen, ob sich der gewünschte und erforderliche Schutz durch die Bildung von ausreichend Antikörpern eingestellt hat. (APA, 20.10.2016)

  • Immer mehr Menschen haben therapiebedingt ein geschwächtes Immunsystem, betont Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien.
    foto: apa/dpa/karl-josef hildenbrand

    Immer mehr Menschen haben therapiebedingt ein geschwächtes Immunsystem, betont Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Instituts für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin der MedUni Wien.

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