Noch immer kein Lebenszeichen vom Marslander Schiaparelli

20. Oktober 2016, 10:33
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Das Landemodul habe sich nicht erwartungsgemäß verhalten, hieß es bei der Esa-Pressekonferenz am Donnerstagvormittag. Man müsse weitere Daten analysieren

Keine guten Nachrichten aus Darmstadt, was den Status des Landemoduls Schiaparelli betrifft: Der Marslander hat noch immer kein Lebenszeichen von sich gegeben. Die Daten, die über Nacht von den Relais-Orbitern auf die Erde gelangten, zeichnen vorläufig dieses Bild: Der Lander ist am Mittwoch um 16.42 Uhr wie geplant in die Marsatmosphäre eingetreten und hat drei Minuten später seinen Fallschirm geöffnet.

Der anschließende Abwurf der Hitzeschilde und des Fallschirms dürfte aber früher als vorgesehen stattgefunden haben. Dann zündeten die Bremsraketen, ersten Informationen zufolge aber deutlich kürzer als geplant. Ob überhaupt alle neun Raketen brannten, ist noch unklar. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Lander aus mehr als zwei Metern Höhe auf den Mars stürzte. Für diesen Aufprall könnte die Knautschzone auf seiner Unterseite nicht ausgereicht haben.

Doch die kritischsten Momente liegen noch im Dunkeln. Vom Touchdown selbst und der Zeit danach liegen nach wie vor keine Daten vor: Sowohl das Giant Metrewave Radio Telescope (GMRT) im indischen Pune als auch der Esa-Orbiter Mars Express verloren kurz vor dem erwarteten Auftreffen auf die Marsoberfläche das Signal.

Erfolgreich im Orbit

Im Raumflugkontrollzentrum (Esoc) der Europäischen Weltraumbehörde in Darmstadt war man bemüht zu betonen, dass der Mittwoch in jedem Fall ein erfolgreicher Tag für die Mission gewesen sei. Das Manöver des Trace Gas Orbiter verlief genau wie geplant: Er befindet sich in der vorgesehenen Umlaufbahn um den Mars und hat die Arbeit als Datensammler aufgenommen. Bald soll auch seine wissenschaftliche Phase beginnen.

Wie Esas Head of Planetary Missions, Andrea Accomazzo, sagte, weiß man zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht, ob der Roboter die Landung in einem Stück überstanden hat. Er zweifle aber nicht daran, dass sich Schiaparellis Schicksal früher oder später restlos aufklären werde. "Die wichtigste Funktionen von TGO laufen, er hat Daten vom Lander gesammelt und geschickt, die wir im Augenblick analysieren."

Esoc-Chef: Keine Zweifel an Rover-Landung 2020

Was die Zukunft der Mission ExoMars angeht, zeigt sich Rolf Densing, Leiter des Raumflugkontrollzentrums in Darmstadt, gegenüber dem STANDARD optimistisch: Er sehe den Plan für eine Rover-Landung auf dem Mars 2020 nicht in Gefahr. "Schiaparelli war von Anfang an ein Testmodul, und wir wussten, dass es schwer wird, auf dem Mars zu landen. Wir haben viele Daten und können jetzt in Ruhe rekonstruieren, was genau passiert ist."

Daraus sollten sich die notwendigen Korrekturen für die nächste Landung ergeben, so Densing. Für ein weiteres Versuchsmodul reiche die Zeit aber nicht. (David Rennert aus Darmstadt, 20.10.2016)

  • Darstellung der Atmosphärenbremsung von Schiaparelli.
    illustr.: esa/atg medialab

    Darstellung der Atmosphärenbremsung von Schiaparelli.

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