Bei Diabetikern fehlen oft die typischen Herzinfarkt-Warnsymptome

20. Oktober 2016, 10:04
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Besonders Diabetiker sollten ihr Risiko für Herzinfarkt regelmäßig überprüfen lassen, empfiehlt Diethelm Tschöpe von der Deutschen Herzstiftung

Von Diabetes mellitus sind in Österreich etwa 600.000 Menschen betroffen. Tendenz steigend, besonders bei Typ 2. Mediziner warnen nun: Bei Diabetikern, die einen Herzinfarkt erleiden, fehlen meist die infarkttypischen heftigen Brustschmerzen und damit das entscheidende Warnzeichen für ihre lebensbedrohliche Situation.

"Gerade langjährige Diabetiker haben häufig ein sehr schwaches Schmerzempfinden für typische Herzinfarkt-Warnsymptome wie Brustschmerzen, so dass für diese Patienten der Herzinfarkt oft das erste Symptom einer schon lange bestehenden Verkalkung der Herzkranzgefäße ist", sagt Diethelm Tschöpe vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Bei Diabetikern führt die lang bestehende Überzuckerung zur Störung des Nervensystems, so dass sie die typischen Brustschmerzen als Folge der Durchblutungsstörung des Herzmuskels nicht spüren. Ein chronisch hoher Blutzucker begünstigt wiederum Arteriosklerose, die das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich steigert.

Erhöhtes Erkrankungsrisiko

Bei männlichen Diabetes-Patienten ist das Herzinfarktrisiko um das Zwei- bis Vierfache, bei Frauen um etwa das Sechsfache erhöht. Klagt etwa ein Diabetespatient über häufige Atemnot, kann das ein Anzeichen einer Herzschwäche als Folge einer nicht behandelten koronaren Herzkrankheit (KHK) und eines nicht erkannten Bluthochdrucks sein.

Auf der anderen Seite liegt bei Patienten mit einer KHK oder einer anderen Herzkrankheit die Wahrscheinlichkeit einer Diabeteserkrankung bei über 60 Prozent. "Herzpatienten mit KHK, Herzschwäche oder Vorhofflimmern sollten deshalb bei ihrem Arzt in regelmäßigen Abständen auch ihren Nüchternblutzucker messen lassen und auf diese Blutuntersuchung bestehen", rät Tschöpe.

Einfacher Blutzuckertest

Diabetes kann relativ einfach diagnostiziert werden. Wenn etwa zwei unterschiedliche Blutzuckermessungen aus Blutproben – etwa durch einen Stich in die Fingerkuppe – Werte über 126 Milligramm pro Deziliter anzeigen, spricht das für die Diagnose Diabetes. Alternativ kann auch einen standardisierter Blutzuckerbelastungstest durchgeführt werden: Wenn zwei Stunden nach Einnahme von Glukose (Traubenzucker; Anm.) der Wert bei über 200 Milligramm pro Deziliter liegt, hat der Patient Diabetes.

Wichtig sei eine sofortige konsequente Behandlung zur Normalisierung der Blutzuckerwerte, damit die Blutgefäße durch den hohen Blutzucker nicht beschädigt und damit die Sauerstoffversorgung des Herzens und des ganzen Organismus nicht beeinträchtigt werden, betont Diethelm Tschöpe. (red, 20.10.2016)

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