Ertragsarme Traditionen stehen hoch im Kurs

21. Oktober 2016, 09:00
78 Postings

Warum an zinsarmen Liebkindern wie Sparbuch oder Bausparer festgehalten wird und wie viel überhaupt noch gespart werden kann

Wien – Spare in der Zeit, dann hast du in der Not. Dieses alte Sprichwort mag zwar sinnvoll sein – das mit dem Sparen ist heute aber gar nicht mehr so leicht. Wer sein Geld auf dem Sparbuch deponiert, akzeptiert nämlich schon seit geraumer Zeit eine schleichende Wertminderung. Denn das Zinsniveau liegt unterhalb der Inflationsrate (0,9 Prozent im September) und inklusive des Abzugs der Kapitalertragsteuer von 25 Prozent verliert das angesparte Geld regelmäßig an Kaufkraft. Diese Wertminderung in Zahlen ausgedrückt: 2,5 Milliarden Euro pro Jahr lassen sich die Sparefrohs der Nation jährlich wegknabbern, und das schon seit vielen Jahren.

Dennoch zeigen Studien anlässlich des bevorstehenden Weltspartags am 30. Oktober, dass das Sparbuch in Österreich noch immer der ungeschlagene Favorit ist, wenn es darum geht, Geld auf die hohe Kante zu legen. Experten begründen das damit, dass das Sparbuch immer noch als sicher gilt und auf das Geld im Falle des Falles rasch und einfach zugegriffen werden kann.

Festhalten am Bekannten

Ebenso ertragsarm und dennoch beliebt: der Bausparer. Die staatliche Prämie wurde vor vier Jahren gekürzt und beträgt nur noch 18 Euro pro Person. Die Branche verzeichnete zuletzt zwar einen Rückgang bei den Neuabschlüssen, die Bauspareinlagen sind jedoch nur marginal um 0,9 Prozent gesunken, wie der letzte Jahresbericht der vier Bausparkassen – Raiffeisen, S-Bausparkasse, Wüstenrot und Start:Bausparkasse – zeigt. 20,5 Milliarden Euro liegen demnach auf den heimischen Bausparkonten. Wie lässt sich das erklären? Inhaber eines bestehenden Vertrages besparen diesen weiter bzw. verlängern ihn nach dem Auslaufen.

Eine oft gewählte Variante beim Bausparen ist jene, dass das Geld monatlich vom Konto per Abbuchungsauftrag direkt auf das Bausparkonto fließt. Diese automatische Ansparvariante überzeugt viele noch immer von dieser Sparform, weil man dabei nicht selber laufend darüber nachdenken muss, ob und wie viel man monatlich beiseitelegen kann oder will.

Futter fürs Sparschwein

Bleibt den Menschen aber überhaupt Geld übrig, um dieses zu sparen? Waren werden – zwar nicht real, aber zumindest gefühlt – immer teurer, aber wichtige Positionen im Warenkorb – etwa die Miete – haben sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht und schlagen auf das Haushaltsbudget durch. Auf Sicht der vergangenen Jahre ist das Lohnniveau zudem eher in Stagnation – das spricht gegen eine Kaufkraftstärkung bzw. gegen die Möglichkeit, sein Sparschwein regelmäßig zu füttern. Erst die Steuerreform im Vorjahr hat das Börserl der Österreicher ein wenig entlastet.

Dem allgemeinen Tenor folgend, kann der Österreicher jedenfalls zweimal im Jahr etwas sparen: dann, wenn es Urlaubs- und Weihnachtsgeld gibt. Dieses wird zwar oft widmungsgemäß in Reisen investiert, gefolgt von Shoppen und Sparen, danach werden mit dem Mehr im Börserl aber schon Schulden und Rechnungen beglichen. Das geht aus dem Handelsverband-Consumer-Check hervor, der vor dem Sommer veröffentlicht wurde.

In diesem Spannungsfeld überrascht jedenfalls ein Faktum, das die Erste Bank in der Vorwoche präsentiert hat. Der "Sparstudie 2016" zufolge steigt der Betrag, den jeder Österreicher im Schnitt auf die hohe Kante legt, stetig an. Vor zehn Jahren waren es noch 132 Euro, im Vorjahr 201 Euro, und aktuell werden trotz des schwierigen Umfelds 216 Euro monatlich beiseitegelegt. Wie erklärt sich das? In diesem Betrag ist alles enthalten, was Leute im Schnitt pro Monat sparen können – und dieser Betrag muss nicht vom freien Einkommen sein, sondern kann ein Taschengeld von der Oma genauso beinhalten wie etwa Mieteinnahmen. Zudem ist es ein Durchschnittswert – reingerechnet sind dabei also ganz kleine bis ganz große Sparbeträge. (Bettina Pfluger, 21.10.2016)

  • Mit einem Sparbuch kann man angesichts der Zinsflaute zumeist nicht einmal den Kaufkraftverlust durch die Inflation von zuletzt 0,9 Prozent auf Jahressicht kompensieren.
    foto: apa/barbara gindl

    Mit einem Sparbuch kann man angesichts der Zinsflaute zumeist nicht einmal den Kaufkraftverlust durch die Inflation von zuletzt 0,9 Prozent auf Jahressicht kompensieren.

Share if you care.