Koch Abo GmbH ist pleite

19. Oktober 2016, 16:57
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Start-up-Gründung in Konkurs – Deutsche Marley Spoon will operatives Geschäft umbenennen und weiterführen

Wien – Die 2012 als Start-up-Essensauslieferer ins Leben gerufene Koch Abo GmbH ist pleite. Am Handelsgericht Wien wurde der Konkurs eröffnet. Gläubigerzahl und aushaftendes Gesamtobligo sind nach Angaben des Alpenländischen Kreditorenverbands (AKV) noch unbekannt. Das operative Geschäft ist mittlerweile bei der deutschen MarleySpoon gelandet und soll unter diesem Namen weitergeführt werden.

Koch Abo – lange geleitet von Geschäftsführer Michael Ströck, Sohn der gleichnamigen Wiener Bäckerfamilie – war als Lieferant von Essenszutaten in diversen Boxen samt Rezepten bis an die Haustür gegründet worden. Wie erst im Herbst 2015 medial bekannt wurde, ist der Kochboxen-Lieferant vom Berliner Konkurrenten Marley Spoon aufgekauft worden – nämlich konkret das operative Geschäft, das schon 2012 in die Koch Abo Betriebs GmbH eingebracht worden war.

Die Koch Abo Betriebs GmbH hat laut Elektronischem Telefonbuch ihre Firmenadresse von der Strobachgasse in 1050 Wien nach Böheimkirchen in Niederösterreich verlegt. Diese Koch Abo Betriebs GmbH gehört zu 100 Prozent der Marley Spoon GmbH, Sitz Berlin. Dort erklärte man der APA am Mittwochnachmittag, die Koch Abo Betriebs GmbH solle in Marley Spoon umbenannt und fortgeführt werden. Als Geschäftsführer in Österreich fungieren diesen Angaben zufolge Fabian Siegel und Till Neatby. Ruft man in der Strobachgasse in Wien an, wo laut "Firmen Compass" unter derselben Telefonnummer auch die in Konkurs befindliche Koch Abo GmbH erreichbar sein sollte, wird das Gespräch automatisch nach Berlin zu Marley Spoon umgeleitet.

Gegründet worden war die Koch Abo GmbH mit Hilfe des Incubators i5invest GmbH, in zwei Finanzierungsrunden hatte man sich einen niedrigen siebenstelligen Euro-Betrag geholt. Zuletzt war die Cielo Privatstiftung bei der operativen Gesellschaft größter Einzeleigentümer mit 25,47 Prozent, die Stiftung ist 100-Prozent-Eigner der i5invest GmbH. Insgesamt zählte Koch Abo 15 Eigentümer, darunter auch Ex-Rewe-Vorstand Werner Wutscher mit einem Mini-Anteil.

2014 zählte die Koch Abo GmbH laut "Firmen Compass" sechs Beschäftigte – damals berichtete das Unternehmen selbst zu Jahresanfang von wöchentlich 70.000 Euro Umsatz, was pro Jahr 3,6 Millionen Euro entsprochen hätte. Pro Woche hielt man 15.000 Bestellungen für möglich. Der Bilanzverlust lag 2014 bei 2,54 Millionen Euro nach 1,16 Millionen im Jahr davor. Die Bilanzsumme der Koch Abo GmbH sank von 2013 auf 2014 von 1,79 auf 1,37 Millionen Euro.

Bei der Marley-Spoon-Tochter Koch Abo Betriebs GmbH sind für 2014 rund 1,62 Millionen Euro Bilanzverlust genannt, samt 1,01 Millionen Euro Verlustvortrag. 2015 wurden umfangreiche Sanierungsmaßnahmen eingeleitet, dabei wurde mit den Lieferanten ein Schuldenschnitt vereinbart.

Forderungen zum Konkurs der Koch Abo GmbH können Gläubiger bis 9. Dezember anmelden. Die allgemeine Prüfungs- und Berichtstagsatzung ist für 22. Dezember am Handelsgericht Wien anberaumt. (APA, 19.10.2016)

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