Rapid mit klarem Plan gegen Sassuolo und die Krise

19. Oktober 2016, 16:39
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Wiener sind seit vier Pflichtspielen ohne Sieg und wollen doch Mut zeigen – Kapitän Schwab erwartet offensiven Gegner

Wien – Rapid will am Donnerstag in der Europa League aus einem hartnäckigen Zwischentief herausfinden. Mit dem Europacup-Debütanten Sassuolo Calcio wartet im Allianz Stadion allerdings eine unangenehme Hürde auf dem Weg zum ersten Erfolg nach vier sieglosen Pflichtspielen. Punkte brauchen beide Teams, ist doch in der Gruppe F mit je drei Zählern alles ausgeglichen.

"Wir wissen, dass es in der Gruppe wohl bis zum letzten Spieltag spannend sein wird. Mit einem Sieg würden wir uns in eine gute Ausgangsposition bringen, mit einem Punkt wäre nicht alles verloren", sagte Rapid-Trainer Mike Büskens zur Ausgangslage. Vor eigenem Publikum hatten die Hütteldorfer vor der 0:1-Niederlage in Bilbao bereits Genk 3:2 besiegt.

In den letzten Wochen ist der Rapid-Motor aber ins Stottern gekommen. Der letzte Sieg gelang vor fast genau einem Monat im ÖFB-Cup gegen Leobendorf (1:0) am 22. September. In der Liga waren dann St. Pölten (1:1), Ried (2:4) und zuletzt Altach (1:1) nicht zu bezwingen.

Büskens: "Alles investieren"

"Wir sehnen uns alle nach dem Erfolg und sind bereit, alles dafür zu investieren", sagte Büskens, der aufgrund des Negativlaufs zuletzt vermehrt auch als Psychologe gefragt war. Fehler wie zuletzt von Mario Pavelic dürfen gegen den Tabellenneunten der Serie A nicht passieren. "Wir müssen schauen, unsere Fehler zu minimieren, dürfen Sassuolo nicht, wie am Wochenende Altach, in die Karten spielen", sprach der Deutsche Klartext.

Er vertraut seiner Mannschaft und hat einen klaren Matchplan im Kopf. "Wir müssen schon im Aufbau mutig sein, durch ein klares Passspiel in die nächste Zone kommen und ganz vorne die nötige Konsequenz an den Tag legen", fasste Büskens zusammen.

Sassuolos Generalprobe glückte mit einem 2:1 gegen Schlusslicht Crotone, Stefano Sensi (83.) und Pietro Iemmello (86.), die beide in Wien fehlen, sorgten spät für die Wende. "Sie haben einen nicht so großen Namen im internationalen Fußball, aber in den letzten Jahren hervorragend gearbeitet", meinte Büskens. Und Kapitän Stefan Schwab ergänzte: "Sassuolo ist keine typische italienische Mannschaft. Sie haben in der Defensive Routine und sind vorne jung und dynamisch. Sie wollen offensiv spielen, viele Tore erzielen."

Beide rechneten in einem Spiel zweier ähnlich ausgerichteter Teams mit einer offenen Partie und damit, dass Nuancen entscheidend sein werden. "Sie sind kompakt, diszipliniert, werden uns nicht leicht Räume geben", sagte Büskens. In der Offensive der Gäste sind ihm mit Gregoire Defrel und Matteo Politano zwei Spieler besonders aufgefallen.

Di Francesco: "Räume nützen"

Büskens Gegenüber, Eusebio di Francesco, sieht Sassuolo nach dem 3:0-Sieg gegen Bilbao zum Auftakt der Gruppenphase nicht unbedingt in der Favoritenrolle: "Rapid hat eine junge Mannschaft mit hoher Qualität und ist ähnlich wie Genk. Sie sind offensiv ausgerichtet, im 1:1 und bei Schüssen gut. Sie können uns gefährlich werden." Im Auswärtsspiel gegen Genk musste Sassuolo übrigens eine 3:1-Niederlage einstecken.

Besonders vor Schwab hat der Trainer der Italiener Respekt: "Er ist ein sehr guter Spieler, nicht nur technisch, sondern auch taktisch. Er dirigiert das Spiel sehr gut." Neben Schwab seien dem 47-jährigen Italiener bei der Analyse des Gegners, den man mit keiner italienischen Mannschaft vergleichen könne, auch Louis Schaub und Joelinton positiv aufgefallen.

Allerdings hat di Francesco auch Schwächen bei Rapid ausgemacht. "Wir haben gesehen, dass die Verteidigung teilweise offen sein kann, weil sie viel für das Offensivspiel machen. Darin liegt unsere Chance. Wir müssen die Räume, die aufgehen, gut nützen", nannte der italienische Ex-Teamspieler das Erfolgsrezept. Und Abwehrspieler Francesco Acerbi gab die Marschroute vor: "Wir haben gegen Bilbao gewonnen und wollen hier wieder zeigen, was wir können und gewinnen."

Italiener ersatzgeschwächt

Doch Sassuolo kann nicht aus dem Vollen schöpfen. Vor allem der Ausfall von Domenico Berardi wiegt schwer. Der 22-Jährige mit einem Marktwert von 20 Millionen Euro ist mit 40 Toren in 92 Serie-A-Spielen Sassuolos Rekordschütze. In der Europa-League-Quali hatte er in vier Spielen fünfmal getroffen, eine Knieverletzung zwingt ihn schon seit Wochen zum Pausieren.

Hoffnung macht den Hütteldorfern auch, dass die Heim- und Auswärtsbilanz der Mannschaft von Eusebio di Francesco nicht unterschiedlicher sein könnte. Nach einem Auftaktsieg bei Palermo (1:0) setzte es gegen Meister Juventus (1:3), Chievo (1:2) und AC Milan (3:4) drei Niederlagen in der Fremde am Stück. Zu Hause konnten dafür zuletzt drei Siege hintereinander eingefahren werden.

In der Europa League war das ähnlich. Bei ihren ersten internationalen Auftritten gab es in der Quali gegen den FC Luzern sowie Roter Stern Belgrad auswärts ein 1:1. Der Aufstieg gelang dank je einem 3:0-Sieg zu Hause. Den gab es auch zum Gruppe-F-Start gegen Bilbao, ehe in Genk eine 1:3-Niederlage folgte. (APA, 19.10. 2016)

Europa League, Gruppe F, 3. Runde, Donnerstag

Rapid Wien – US Sassuolo Calcio
Allianz-Stadion, 21.05 Uhr, live Sky, SR Hugo Miguel (POR)

Mögliche Aufstellungen:

Rapid: Strebinger – Pavelic, Schößwendter, Dibon, Schrammel – Grahovac, Schwab – Schaub, Szanto, Traustason – Joelinton

Ersatz: Novota – M. Hofmann, Auer, Mocinic, Murg, Kvilitaia, Jelic, Arase

Es fehlen: Schobesberger (Knorpelabsplitterung im rechten Knie), S. Hofmann (Muskelbündelriss im Adduktorenbereich), Tomi (angeschlagen)

Sasuolo: Consigli – Lirola, Antei, Acerbi, Peluso – Pellegrini, Magnanelli, Biondini – Ricci, Defrel, Politano

Ersatz: Pomini, Pegolo – Cannavaro, Gazzola, Mazzitelli, Matri, Ragusa, Adjapong

Es fehlen: Duncan (Knöchelverletzung), Berardi (Knieverletzung), Missiroli (Muskelverletzung), Letschert (Schulterblessur), Sensi, Iemmello (beide nicht im Kader)

Parallelspiel: KRC Genk – Athletic Bilbao

  • Bei Rapid war zuletzt auch vor eigenem Publikum der Wurm drin.
    foto: apa/hochmuth

    Bei Rapid war zuletzt auch vor eigenem Publikum der Wurm drin.

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