Neue Einheitswerte: Grüne sehen Kleinbauern benachteiligt

19. Oktober 2016, 16:12
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Das neue System soll ab dem Jahr 2017 gelten

Wien – Die neuen Einheitswerte, die künftig die Grundlage für Abgaben und Steuern in der Landwirtschaft darstellen, führen zu einer massiven Benachteiligung der Kleinbauern, meint man bei den Grünen. Dies vor allem deshalb, weil dann Teile der Agrarförderungen zum Einkommen dazugerechnet werden, sodass es zu einer höheren Bemessungsgrundlage bei Sozialversicherung, Grundsteuer, zum Familienlastenausgleich, bei Einkommenssteuer und Landwirtschaftskammerumlage kommen wird. Das neue System soll ab 2017 gelten.

Auch aufgrund einer neuen Formel für landwirtschaftlichen Grund und Boden selbst wird es zu einer Mehrbelastung eher bei kleinen Höfen kommen, sagt der Grüne Landwirtschaftssprecher Wolfgang Pirklhuber. Bei Großbetrieben fiele dies nicht so ins Gewicht, weil große Landwirte schon in der Höchstbemessung sind.

Wer wie stark betroffen ist

Michael Johann, Obmann der Grünen Bauern, hat beispielhaft durchgerechnet, wen es besonders stark trifft. Demnach zahlen Betriebe mit einem derzeitigen Einheitswert von 5000 Euro künftig im Jahr um 788 Euro mehr an Steuern und Abgaben. Ein Großbetrieb mit 130.000 Euro Einheitswert aber nur 19 Euro mehr. "Künftig wird jeder vierte Förder-Euro bei kleinen Betriebsgrößen durch Abgabenerhöhung abgeschöpft."

Das System der Einheitswerte, das mit einer Neubewertung seit 2014, der sogenannten Hauptfeststellung, moderner und zielgenauer werden sollte, werde in ein "irrsinnig kompliziertes" System münden, meint Pirklhuber. Schließlich ändern sich Förderungen jährlich, wodurch wiederum auch die Abgaben- und Steuerlast jedes Jahr neu berechnet werden muss.

Rufe nach Reform

Die Grünen plädieren für eine grundlegende Verbesserung der Einheitswerte. Diese sollten von Professoren der Boku wissenschaftlich neu aufgesetzt werden. Oder aber bei den Bauern hält auch eine verpflichtende Einnahmen-Ausgabenrechnung Einzug, sodass sich die Steuerlast an den erzielten Preisen bzw. am Gewinn orientiert. So wie die neuen Einheitswerte derzeit dastehen, seien sie eine "tickende Zeitbombe". Die grundsätzlich angespannte finanzielle Lage bei vielen Höfen, etwa wegen der niedrigen Preise, könne zu einer Welle von Betriebsaufgaben führen. (ruz, 19.10.2016)

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    foto: apa
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