Hunderte Methanquellen vor Westküste der USA entdeckt

23. Oktober 2016, 16:59
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Meeresforscher: "Es scheint, dass die gesamte Küste vor Washington, Oregon und Kalifornien eine gigantische Methanquelle ist"

New York – Tiefsee-Forscher haben vor der US-Westküste 500 sprudelnde Methanquellen im Meeresboden entdeckt. "Es scheint, dass die gesamte Küste vor Washington, Oregon und Kalifornien eine gigantische Methanquelle ist", sagte der Meeresforscher Robert Ballard im Vorfeld einer Tiefsee-Fachkonferenz in New York.

foto: schmidt ocean institute
Über drei Tonnen wiegt der autonome Unterwasser-Erkunder "Subastian", der mit Greifarmen, Kameras und äußerst leistungsfähigen Scheinwerfern für den Einsatz in tiefsten Tiefen gerüstet ist.

Das Team um Ballard, der durch die Entdeckung des Titanic-Wracks bekannt wurde, hatte den Fund im Sommer vom Forschungsschiff Nautilus aus mit Hilfe zweier ferngesteuerter Unterwasser-Roboter gemacht. 2014 hatten Forscher vor der Ostküste entlang des Kontinentalsockels bereits über 500 solcher Quellen entdeckt.

Durch die neuen Funde habe sich Zahl der bekannten Methanquellen entlang der Kontinentalgrenzen der USA auf etwa 1.000 verdoppelt, hieß es. Wie viel des starken Treibhausgases jedoch in die Atmosphäre gelangt, ist noch unklar. "Das ist ein Gebiet, das nun reif ist, erforscht zu werden", betonte Nicole Raineault, Wissenschaftsdirektorin an Ballards renommiertem "Ocean Exploration Trust".

foto: noaa
So elegant kann eine Seegurke sein.

Auf der zweitägigen Tiefsee-Konferenz "Beyond the Ships" trafen 100 Experten an der Rockefeller University zusammen, um neue Unterwasser-Projekte zu planen. Schon jetzt zeichnet sich ab: Tauchroboter werden dabei eine entscheidende Rolle spielen. "Mit ihnen helfen wir, den Meeresgrund auch für Menschen Wirklichkeit werden zu lassen, die niemals ans Meer kommen werden", so Wendy Schmidt vom Schmidt Ocean Institut.

Neben Gasquellen brachte der Einsatz solcher Geräte zuletzt auch eine ungeahnte Vielzahl mariner Tierarten ans Tageslicht: Meeresforscher der US-Klima- und Umweltbehörde NOAA präsentieren auf der Konferenz spektakuläre Bilder von tanzenden, purpurfarbenen Seegurken und knallrosa Schlammwürmern aus den Tiefen des Marianengrabens vor Guam. Die Aufnahmen von einer NOAA-Forschungsreise im Sommer wurden ebenfalls mit Hilfe sogenannter "Roboats" (Robot Boats) gemacht.

foto: ocean exploration trust
Dieses mit einer "Discokugel" verglichene Tier hatte bei seiner Entdeckung vor der kalifornischen Küste für Schlagzeilen gesorgt. Zuordnung unbekannt – es könnte sich aber um eine Schnecke handeln.

Auch drei neue Heißwasser-Quellen sowie ein ganzes Feld sogenannter "Schwarzer Raucher" – ein Terrain mit bis zu 30 Meter hohen Schloten, aus denen Partikel-angereichertes heißes Wasser wie dunkler Rauch aufsteigt – entdeckten die NOAA-Forscher in dem bis zu elf Kilometer tiefen Graben.

Echtzeitübertragungen zu Forschungsschiffen, aber auch in Schulen und Hörsäle machten diese Funde für ein großes Publikum und zugleich wesentlich schneller und kostengünstiger als früher verfügbar, betonen die Forscher. Andere Ingenieure arbeiten bereits an selbst lernenden, batteriebetriebenen "Roboats", die den Meeresgrund über Monate hinweg systematisch abfahren und kartieren sollen. (APA, red, 23. 10. 2016)

foto: ocean exploration trust
Auch dieser faszinierende Tiefseebewohner wurde von einem Tauchroboter erspäht: der Vampirtintenfisch (Vampyroteuthis infernalis).
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