Rot-schwarze Wahlkampf-Unterstützung für Hofer in Tirol

19. Oktober 2016, 15:58
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Die Bürgermeisterinnen von Hall und Wörgl empfingen den blauen Kandidaten, er sei aber nur als Dritter Nationalratspräsident begrüßt worden

Innsbruck – Es war die vierte Wahlkampftour des FPÖ-Präsidentschaftskandidaten Norbert Hofer in Tirol. Nach einer Pressekonferenz am Dienstagvormittag in Innsbruck besuchte er das Rathaus in Hall, wo er von ÖVP-Bürgermeisterin Eva Posch empfangen und durch die historischen Räume geführt wurde. "Hofer hat seinen Besuch als Dritter Nationalratspräsident angekündigt, ich habe ihn als hohen Funktionsträger der Republik im Rathaus begrüßt", sagt Posch, darauf angesprochen. Dass der Besuch von der FPÖ bereits vorab öffentlich als Wahlkampftour beworben worden war und die Bilder davon nun auf Hofers Facebook-Seite zu sehen sind, ist für Posch einerlei: "Mag sein, dass er es dafür nutzt." Ob sie selbst Hofers Wahlkampf unterstütze, will sie nicht kommentieren: "Dazu äußere ich mich nicht, die Wahl ist Privatsache."

Wörgler Stadtoberhaupt für alle

Abends sprach Hofer dann vor rund 700 Fans in Wörgl im Unterinntal. Auch dort wurde er von der SPÖ-Bürgermeisterin Hedwig Wechner empfangen, inklusive Musikkapelle. "Ich kenne Norbert Hofer aus dem Nationalrat und erachte ihn als sehr sympathischen Menschen", erklärt die Bürgermeisterin ihre Aufwartung. Sie habe sich sehr gefreut, Hofer wiederzusehen, und sei nicht bereit, sich dafür zu rechtfertigen. Ob sie seinen Wahlkampf unterstütze, "sei dahingestellt". Auch Wechner beharrt darauf, Hofer in seiner Funktion als Dritter Nationalratspräsident begrüßt zu haben: "Und es war mir eine echte Freude. Ich hätte jeden anderen ebenso willkommen geheißen." Als Wörgler Stadtoberhaupt sei sie allen Bürgern verpflichtet, auch den Freiheitlichen. Ähnlich wie die ÖVP in Hall arbeitet Wechner in Wörgl mit der FPÖ auf kommunaler Ebene zusammen.

Der SPÖ-Landesparteichef Ingo Mayr wollte den Besuch Hofers in Wörgl nicht kommentieren: "Das ist Sache der Bürgermeisterin, ich spreche ihr da nicht drein." Mayrs Nachfolgerin an der Parteispitze, die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik, hat Hofer bei seinem letzten Wahlkampfbesuch in Tirol, der ihn nach Lienz führte, nicht empfangen.

FPÖ freut sich über Offenheit

Der Landesparteichef der Freiheitlichen, Markus Abwerzger, ist ob der Empfänge seines Präsidentschaftskandidaten in Hall und Wörgl erfreut: "Das war jetzt der vierte Wahlkampfbesuch in Tirol, und jeder war ein voller Erfolg." Die FPÖ habe noch nie jemanden ausgegrenzt. Umso positiver sei es zu bewerten, dass Posch und Wechner das offenbar auch nicht täten. Ob die beiden Bürgermeisterinnen Hofer aktiv unterstützen, sei ihm nicht bekannt: "Darüber haben wir nicht gesprochen."

Neben den genannten Terminen stand auch ein Firmenbesuch beim Bauunternehmen Fröschl in Hall auf dem Programm. Fröschl gilt als ÖVP-nahe, allerdings ist das Verhältnis zur Volkspartei abgekühlt, seit das Land Tirol den Brückenschlag – den Zusammenschluss der Skigebiete Axamer Lizum auf Innsbrucker Seite mit der Schlick 2000 auf Stubaitaler Seite – ad acta gelegt hat. Fröschl ist Betreiber der Anlagen in der Axamer Lizum und hatte die Verbindung mit Nachdruck gefordert.

Stillschweigen über Firmenbesuch

Seitens des Unternehmens heißt es zur Firmenbesichtigung Hofers in einer Stellungnahme gegenüber dem STANDARD: "Bei dem Besuch bei uns handelte es sich um keine Wahlveranstaltung, wir haben Herrn Hofer unser Bürogebäude, welches wir am 8. September 2014 bezogen haben und welches in Massivbauweise mit sehr angenehmem Raumklima und durch seinen sehr niedrigen Energieverbrauch sowie durch seine CO2-Neutralität in sehr umweltfreundlicher Bauweise errichtet worden ist, vorgestellt." FPÖ-Chef Abwerzger wollte den Fröschl-Besuch nicht kommentieren. Dazu habe man öffentliches Stillschweigen vereinbart. (Steffen Arora, 19.10.2016)

  • Norbert Hofer ist wieder auf Tour: Am Mittwoch stattete er Tirol einen Besuch ab.
    foto: apa / hannes draxler

    Norbert Hofer ist wieder auf Tour: Am Mittwoch stattete er Tirol einen Besuch ab.

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