Firma Kärcher will nicht für "Reinigung der Banlieues" stehen

19. Oktober 2016, 14:33
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Deutscher Hersteller von Hochdruckreinigern schickte Mahnbrief an Präsidentschaftsanwärter

Die deutsche Firma Kärcher macht Druck im französischen Präsidentschaftswahlkampf: Der Hersteller des gleichnamigen Hochdruck-Reinigers sandte einen Mahnbrief an die Kandidaten aller Lager, der am Mittwoch in Paris bekannt wurde. Darin warnt die Firma aus dem baden-württembergischen Winnenden vor "einer Zweckentfremdung der Marke" Kärcher und dem Gebrauch von Wortschöpfungen wie "kärcherisieren".

Stein des Anstoßes sind Äußerungen des früheren Staatschefs und konservativen Präsidentschaftsanwärters Nicolas Sarkozy. Im Jahr 2005 hatte der damalige Innenminister nach schweren Unruhen in mehreren sozialen Brennpunkten Frankreichs angekündigt, er werde die Vorstädte "mit dem Kärcher reinigen" und damit kriminelle Jugendliche beseitigen. Seitdem wird der Name als Synonym für ein restriktives Vorgehen gegen die Gewalt in Vorstädten gebraucht. Sarkozy selbst wiederholte seine Äußerung in einem Interview Anfang der Woche.

Erfolglose Proteste

In dem Brief von Kärcher heißt es: "Dieser Gebrauch verfälscht unsere Marke und fügt unserem Unternehmen und seinem Image Schaden zu." Das Schreiben machte ein Mitarbeiter des konservativen Präsidentschaftsanwärters Alain Juppé öffentlich, der den Brief ebenfalls erhielt. Dessen rechte Hand Gilles Boyer antwortete Kärcher auf Twitter: "Ich verstehe ihre Sorge, aber ich glaube, es gibt einen Fehler beim Adressaten :)". Juppé gilt als wichtigster Konkurrent Sarkozys und vertritt eine gemäßigte Linie.

Die Firma Kärcher hatte bereits im französischen Präsidentschaftswahlkampf 2007 sowie später im Jahr 2010 nach entsprechenden Aussagen der damaligen Staatssekretärin für Städtebau, Fadela Amara, erfolglos bei der französischen Regierung gegen den Gebrauch ihres Namens für politische Zwecke protestiert. Damals antwortete Amara, sie verstehe die Aufregung nicht: "Das ist Gratis-Werbung, und außerdem heißt das, dass ihre Produkte effizient und von guter Qualität sind." (APA, 19.10.2016)

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