Warum Leute im Internet Bewertungen schreiben

20. Oktober 2016, 13:07
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Ein Bewertungsportal hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der gefragt wurde, warum Internetnutzer Bewertungen schreiben. Dabei kristallisierten sich drei Bewerter-Typen heraus

Folgt man der Studie "Psychologie des Bewertens", die vom Bewertungsportal HolidayCheck in Auftrag gegeben wurde, verfasst ein Drittel aller Befragten vor allem Bewertungen im Netz, um anderen Lesern von Online-Urteilen zu helfen. Zur Kategorie "Der Hilfsbereite" gehören bei fast ausgeglichenem Geschlechterverhältnis minimal mehr Frauen (34 Prozent) als Männer an (32 Prozent). Mit 39 Prozent der Teilnehmer in der Altersgruppe sind verhältnismäßig viele Befragte zwischen 26 und 35 Jahren vertreten – im Vergleich zu knapp 30 Prozent der über 55-Jährigen. Der Helfer-Typ hat andere Konsumenten im Sinn und ist demensprechend altruistisch motiviert. Für ihn fühlt es sich gut an, andere in ihren Entscheidungen zu unterstützen und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Dem Typ "Optimierer", der sich mit 27 Prozent der Antworten auf Platz 2 befindet, liegt es weniger daran, anderen Orientierung zu geben – er richtet sich stattdessen an den Anbieter eines Produkts oder einer Dienstleistung und findet, dieser "sollte die Möglichkeit haben, sich zu verbessern, bzw. seine gute Arbeit beizubehalten". Zum Optimierer gehören 29 Prozent der befragten Männer und 24 Prozent der befragten Frauen.

Optimieren im Aufwind

Verglichen mit Umfragedaten aus 2014 verzeichnet "Der Optimierer" einen Zuwachs von neun Prozent. Zwar ist es weiterhin Ziel der meisten Bewertenden, anderen Konsumenten Orientierung zu geben – die an den Bewerteten gerichtete Kommunikation nimmt jedoch zu. Dies mag Dr. Appel zufolge unter anderem daran liegen, dass in Zeiten der Sharing Economy immer häufiger Einzelpersonen bewertet werden können.

foto: holidaycheck.de

Platz 3 hat "Der Emotionale" inne, der sich "bei dem Bewerteten bedanken oder sich Luft machen will" (23 Prozent). Mit 23 Prozent männlichen und 22 Prozent weiblichen Umfrageteilnehmern ist das Geschlechterverhältnis hier so gut wie ausgewogen. Ähnlich wie der "Optimierer" richtet sich auch "der Emotionale" an den Anbieter eines Produktes oder einer Dienstleistung.

Selbstdarsteller in der Minderheit

Für nur vier Prozent der Umfrageteilnehmer zählt der Wunsch, "dass andere sehen, dass ich das Produkt oder die Dienstleistung in Anspruch genommen habe". "Die im Internet an sich gängige Selbst-Präsentation und die Absicht, über die eigene Person zu berichten, steht für die Befragten nicht im Vordergrund", kommentiert Markus Appel, Diplom Psychologe und Professor für Medienpsychologie an der Universität Koblenz-Landau.

Warum Menschen sich gegenseitig positiv bewerten

Appel führt einen zusätzlichen Beweggrund speziell für positive Bewertungen an: "Ein Faktor, der in der Wissenschaft im Hinblick auf Online-Bewertungen beschrieben wird, ist die Reziprozität: Wenn mir eine Person etwas Gutes tut, dann neige ich dazu, ihr auch etwas Gutes zu tun. Gerade im Bereich von Sharing-Plattformen wie Airbnb, Mamikreisel und BlaBlaCar darf vermutet werden, dass eine Motivation für positive Online-Bewertungen darin besteht, im Gegenzug selbst eine positive Bewertung vom Empfänger zu bekommen." (red, 19.10.2016)

Über die Studie:

Im Rahmen der repräsentativen Studie "Psychologie des Bewertens" hat HolidayCheck im August 2016 1.821 Internetnutzer in Deutschland zum Thema Online-Bewertungen befragt. Neben der Rolle von Bewertungen im Alltag und den am häufigsten bewerteten Themengebieten wurden auch die Aspekte Motivation der Verfasser und Vertrauen in Internet-Meinungen beleuchtet.

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    foto: getty images/istockphoto/nirodesign
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