Gerald Pichowetz wird Intendant der Seefestspiele Mörbisch

19. Oktober 2016, 10:26
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Der Schauspieler tritt mit 2018 die Nachfolge von Dagmar Schellenberger an

Eisenstadt – Gerhard Pichowetz soll ab 2018 bei den Seefestspielen Mörbisch wieder für steigende Besucherzahlen sorgen: Burgenlands Kulturlandesrat Helmut Bieler (SPÖ) präsentierte den Schauspieler am Mittwoch in Eisenstadt als Nachfolger von Dagmar Schellenberger, die bis zum Abschluss der Saison 2017 die Geschicke der Operetten-Hochburg am Neusiedler See lenkt.

Das im Mai gestartete Auswahlverfahren sei von einem externen Berater durchgeführt worden, erklärte Bieler. Die Entscheidung über die neue Intendanz traf eine fünfköpfige Jury unter dem Vorsitz von Peter Zulehner, früher Personalvorstand bei Magna International.

Die Kandidaten wurden nach sieben Kriterien abgeklopft – von künstlerischer Kompetenz im Bereich Operette über bisherige Erfolge bis hin zur Fähigkeit, wieder mehr Besucher in die Operettenhochburg zu locken – erläuterte Zulehner. Die neue Intendanz sei "eindeutig" bei allen fünf Kommissionsmitgliedern als Sieger aus dem Hearing hervorgegangen.

"Tausenprozentiger Einsatz"

Pichowetz, dessen Vertrag von 2018 bis 2023 laufen wird, bedankte sich überwältigt: "Ich bin heute noch richtig übermannt zwischen Freunde und der Demut, diese großartige Aufgabe übernehmen zu dürfen." Er sei "mit der Führung von Theaterunternehmen vertraut" und "am Theater zu Hause", sagte er im Hinblick auf seine Erfahrung im Theater in der Josefstadt, an der Volksoper sowie seit 15 Jahren als Leiter des Gloria-Theaters in Wien.

Mörbisch sei das drittgrößte Festspiel in Österreich und "das größte Operettenfestival überhaupt weltweit". Diese Aufgabe zu schultern, interessiere ihn und fasziniere ihn, so Pichowetz. Er werde dabei auch noch viel lernen müssen, versprach der designierte Intendant "tausendprozentigen Einsatz: Ich brenne richtig dafür, ich kann es eigentlich kaum erwarten."

Was in Zukunft gespielt werde, könne er noch nicht herausschütteln. Man wolle sich beim Unterhaltungstheater innerhalb des Musiktheaters "auf höchstem Niveau" bewegen: "Unter dem Motto trete ich an: Von A wie Applaus bis Z wie Zugabe". Nach seinen Vorstellungen gefragt, antwortete er: "Die eigene Vorstellung ist, dass diese stetig zurückgehenden Zahlen wieder in stetig wachsende Zahlen umzuwandeln sind."

"Operette kein sterbender Zweig"

Er sei nicht wie manche der Meinung, dass die Operette "ein sterbender Zweig" ist. Es komme oft auf die Inszenierung an. "Mörbisch ist jetzt nicht ein Festspiel, das von der Intimität lebt, sondern es lebt von der Opulenz. Und das muss man auch darstellen". Theater könne alles sein – nur interessant müsse es sein.

Er sei auch im Theater immer ein Anhänger des Ensemble-Gedankens gewesen, so Pichowetz. "Die Menschen gehen wegen denen, die auf der Bühne stehen, ins Theater. Das ist nun einmal so." Eine Erweiterung beim Programm über die Operette hinaus sei "durchaus möglich".

Als Intendant werde man ihn "daran messen, wie viel Publikum drinnen sitzen wird ab meiner Spielzeit. Und damit werden die Zahlen für sich sprechen", sagte Pichowetz. Was den Abschied von Dagmar Schellenberger als Intendantin betreffe, glaube er, "dass hier die Würfel gefallen sind. Deswegen halte ich mich auch mit dieser Sache gar nicht auf". Er werde "keinen Kleinkrieg führen oder anfangen, das gibt es nicht."

Er wolle mit allen Gespräche führen, meinte Pichowetz. Und er werde sich "auch mit Herrn (Harald, Anm.) Serafin treffen und mit ihm einen Kaffee trinken gehen", weil er auch von der Erfahrung seiner Kollegen profitieren wolle. (APA, 19.10.2016)

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    regine hendrich
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