Demo gegen Salzamt-Schließung in Linz

19. Oktober 2016, 11:18
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Mehrheit aus SPÖ und FPÖ will die Sparpläne der Stadt auf das Künstlerhaus ausdehnen. Gegner machen ihrem Ärger nun Luft

Linz – Viele Linzer werden wohl heute Abend den Weg zum Salzamt einschlagen. Nein, nicht jene fiktive Behörde, die für Beschwerden zuständig ist, für die sonst keiner zuständig ist. Vielmehr ist das Ziel der aufgebrachten Menge das Atelierhaus Salzamt nahe der Donau im Zentrum von Linz. Nach gut sieben Jahren steht das Künstlerhaus nun vor dem Aus. Die Stadtpolitik muss notgedrungen den Sparstift in die Hand nehmen – und wird auch den Kulturbereich nicht verschonen. Mit einem Protestmarsch – Start ist heute um 17.00 vor dem Neuen Rathaus – plant man einen Tag vor der politischen Entscheidung noch ein lautes Zeichen für den Erhalt der Kultureinrichtung zu setzen.

Sparen im Kleinen

In der Gemeinderatsitzung am Donnerstag soll nämlich ein Sparpaket in der Höhe von 20 Millionen Euro verabschiedet werden. Dreht man im Salzamt tatsächlich das Licht ab, würden jährlich 171.000 Euro in der Stadtkasse bleiben. "Der Betrag ist im Vergleich zum gesamten Sparvolumen fast lächerlich. Das kosten zwei Politiker in einem Jahr. Es geht bei der Salzamt-Schließung wohl nicht ums Geld. Vielmehr will die FPÖ ein Statement setzen", ist die Demo-Organisatorin Elisa Andeßner im "Standard"-Gespräch überzeugt. Überhaupt sieht die Linzer Künstlerin einen kulturellen Wandel auf Linz zukommen: "Bislang war es für Kulturschaffende echt lässig. Doch es kommt einer rauer Wind auf – es naht das Ende der kulturellen Gemütlichkeit."

An einen Weiterbestand des Kunsttreffs an der Donau glaubt Andeßner trotz Demo-Wille aber eigentlich nicht mehr: "Die Salzamt-Schließung wird sich nur schwer verhindern lassen. Aber es ist enorm wichtig, Widerstand zu zeigen und politische Willkür nicht einfach still hinzunehmen."

Künstler-Austausch

Die Stadt Linz hat 2009 für den Ankauf sowie die Renovierung und Adaptierung des Atelierhauses einen Betrag von etwa vier Millionen Euro investiert. Je vier internationalen Stipendiaten konnte bislang jeweils eine kleine Wohneinheit und ein eigenes Atelier für einen Zeitraum von drei bis maximal sechs Monaten unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Zusätzlich wurden die geladenen Künstler mit einem monatlichen Stipendium ausgestattet. Im Gegenzug konnten Linzer Künstler ebenfalls für einen Zeitraum von bis zu sechs Monaten in den Salzamt-Partnerstädten Ateliers und Stipendien zur Verfügung gestellt werden.

Städtischer Rückschritt

"Mit dem Atelierhaus Salzamt wurde 2009 ein internationales Aushängeschild geschaffen, ein Ort, der heimischen Künstlern ermöglichte, internationale Kontakte zu knüpfen und internationale Inputs nach Linz brachte, eine Schließung würde die Stadt kulturpolitisch etliche Jahre zurückwerfen", warnt Wiltrud Hackl, Geschäftsführerin der "Oberösterreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik" im "Standard"-Gespräch.

Im Linzer Rathaus versteht man an verantwortlicher Stelle zwar die Aufregung, Kulturstadtrat und Vizebürgermeister Bernhard Baier sieht sich aber als Opfer politischer Mehrheitsverhältnisse: "Ich bedaure sehr, dass mit Stimmen von SPÖ und FPÖ die Schließung des Salzamtes besiegelt worden ist. Das Salzamt hat sich seit seiner Einrichtung im Kulturhauptstadtjahr 2009 positiv entwickelt und als Präsentationsplattform für junge Künstler gut etabliert. Leider kann ich dieses Vorgehen von SPÖ und FPÖ nicht verhindern und als Demokrat muss ich daher diese Mehrheit zur Kenntnis nehmen." (Markus Rohrhofer, 19. 10. 2016)

  • Die Ateliers im Linzer Salzamt standen bislang für kunstbegabte Gäste offen.
    rosa m hessling

    Die Ateliers im Linzer Salzamt standen bislang für kunstbegabte Gäste offen.

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