Xavier Naidoo kündigt Konzert an, erntet tagelangen Shitstorm

19. Oktober 2016, 10:36
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Facebook-User posten Satire über Parkplätze für Reichsflugscheiben, reptiloide Verschwörungen und Chemtrails

Einst gehörte er zu den Stars der deutschen Populärmusik, doch in den letzten Jahren waren es vor allem verschwörungstheoretische Weltansichten, mit denen Xavier Naidoo Schlagzeilen machte. Der "Sohn Mannheims" glaubt unter anderem, dass die Bibel eine Art Bauanleitung für ein Automobil beinhaltet und sympathisiert mit der sogenannten "Reichsbürgerbewegung", die geltende Gesetze nicht anerkennt und Deutschland nach wie vor für von den Alliierten besetzt hält. Anlehnungen an die "Rothschild"-Verschwörung ließen in der Vergangenheit auch schon Antisemitismus-Vorwürfe laut werden.

Seine Statements brachten ihm unter anderen schon Schmäh-Auszeichnungen wie das "Goldene Brett" ein und kosteten ihn die Teilnahme am Eurovision Song Contest 2016 für Deutschland. Nun hat Naidoo ein Konzert in Leipzig über Facebook angekündigt. Die Eventeinträge lockten aber längst nicht nur Fans an, sondern auch zahlreiche Kritiker, die den umstrittenen Sänger seither mit sarkastischen Kommentaren eindecken.

screenshot: facebook

Satireflut

Diese nahmen mit ihren Postings nicht nur Bezug auf Verschwörungen, die Naidoo tatsächlich zu wittern vorgibt, sondern so ziemlich auf alle mehr oder weniger bekannten, seltsamen Ansichten. Gefragt wurde nach Parkplätzen für Reichsflugscheiben, Wortmeldungen aus der "Neuen Weltordnung", Verweise auf die Chemtrail-Theorie ebenso wie die nicht ganz ernst gemeinte Bielefeld-Verschwörung.

Mitunter wurden diese auch kombiniert, so wie in diesen den folgenden Postings.

foto: screenshot/facebook
screenshot: facebook

Auch allerlei esoterische Konzepte wurden aufgegriffen, wie Meedia und Noisey dokumentieren. Gefragt wurde etwa nach dem Preis für Lichtnahrung oder dem Verzicht von Barcodes auf den Eintrittskarten. Mitunter freilich in horrender Rechtschreibung als Anspielung auf die orthografischen Verfehlungen so mancher Verschwörungsanhänger.

Auch Gegenveranstaltungen wie "Teilnehmer des Naidoo-Konzerts auslachen" wurden als Facebook-Event eingerichtet und auf Naidoos Konzertankündigung gepostet.

foto: screenshot/facebook

Ausdauernde Satireflut

Zwei Dinge vermögen mittlerweile zu erstaunen. Beleidigende Wortmeldungen gegenüber Naidoo waren nur selten zu finden. Die meisten Poster referenzieren Esoterik und Verschwörungen, ohne den Sänger zu beschimpfen.

Und auch die Dauer der Satireflut ist beachtlich. Mittlerweile toben sich die Naidoo-Kritiker seit über zwei Tagen auf der Seite des Events aus. Ein Ende scheint auch so schnell nicht in Sicht zu sein.

screenshot: facebook

Unklar ist jedoch, wie die Ereignisse ursprünglich ins Rollen geraten sind, noch ehe Berichte größerer Medien sie zu einem Selbstläufer gemacht haben. Auch bleibt abzuwarten, ob sich die Abläufe auf den ohnehin angeschlagenen Ruf von Naidoo auswirken. Dem Konzerttermin haben sie aber auf alle Fälle zu hoher Bekanntheit verholfen. (gpi, 19.10.2016)

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