Forscher lösen Rätsel um den mysteriösen "Higgs-Bison"

18. Oktober 2016, 19:16
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Paläontologen suchten nach den Vorfahren des heutigen Wisents, stießen auf seltsame DNA und hilfreiche Höhlenmalereien

Adelaide/Wien – Viel hat nicht gefehlt, und der Wisent oder Europäische Bison wäre im Laufe des 20. Jahrhunderts ausgestorben. Die mehr als 2000 heute noch existierenden Exemplare, die vor allem im polnischen Bialowieza-Nationalpark leben, stammen von zwölf in Zoos gehaltenen Wisenten aus den 1920er-Jahren ab.

Umstritten ist der Stammbaum der Tiere, die sich problemlos mit dem Amerikanischen Bison kreuzen lassen, obwohl sie genetisch sehr stark voneinander abweichen. Woher stammt die seltene und seltsame Wildrinderart? Dieser Frage ging ein australisches Forscherteam um Alan Cooper (Uni Adelaide) nach, das die DNA von 64 uralten Bisons untersuchte, deren Knochen in europäischen Höhlen gefunden wurden.

Rätselhafte DNA in alten Knochen

Die Analysen überraschten die Forscher, denn sie fanden in der uralten Erbsubstanz DNA-Signaturen, die sich in heute lebenden Wisenten und nordamerikanischen Bisons nicht finden. Es muss also früher einmal eine Wisent-Art gegeben haben, die sich auch vom Steppenbison unterschied, der in der Nacheiszeit vor gut 10.000 Jahren ausstarb.

Die australischen Forscher gaben dem mysteriösen Ahn des Wisents den Namen "Higgs-Bison", um damit auf das gleichnamige Teilchen anzuspielen, dessen Existenz erst fast 50 Jahre nach der theoretischen Vermutung von Peter Higgs entdeckt wurde. Die Forscher fanden zudem heraus, dass diese Art vor 120.000 Jahren durch Hybridisierung von Steppenbison und Auerochse entstanden ist, wie sie im Fachblatt "Nature Communications" schreiben.

Höhlenzeichnungen helfen weiter

Bei ihrer Suche nach dem Tier wurden die Forscher dank der Hilfe französischer Höhlenforscher fündig: Sie verwiesen die Genetiker auf Höhlenmalereien, die zwei verschiedene Bisonarten zeigten. Zeichnungen, die älter als 18.000 Jahre alt sind, bilden Kreaturen mit langen Hörnen und wuchtigem Vorderkörper ab – ähnlich dem Amerikanischen Bison.

Im Gegensatz zu diesen Steppenbisons zeigen die jüngeren Zeichnungen Tiere mit kürzeren Hörnern: Vorläufer des Wisents, das im Gegensatz zu den Steppenbisons überlebte. Das war also der Vorläufer der heute noch lebenden Wisente, deren DNA deshalb so verschieden ist von den "Higgs-Bisons", weil sie um 1920 den genetischen Flaschenhals von zwölf Tieren durchlebten. (tasch, 18.10.2016)

  • Höhlenbild von einem Wisent, das aus Hybridisierung von Auerochs und Steppenbison entstanden ist.
    carole fritz

    Höhlenbild von einem Wisent, das aus Hybridisierung von Auerochs und Steppenbison entstanden ist.

  • Zwei Exemplare der heute im Bialowieza-Nationalpark lebenden Wisente.
    rafal kowalczyk

    Zwei Exemplare der heute im Bialowieza-Nationalpark lebenden Wisente.

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