Eröffnung der Frankfurter Buchmesse: Der Versuch, am Lesen zu genesen

20. Oktober 2016, 16:32
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Politik, Meinungsfreiheit, die Welt und alles andere auf der Frankfurter Buchmesse

Während in Leipzig, wo sich die Buchbranche jeweils im Frühjahr trifft, Sachsens Regierungschef "Teflon-Tillich" gelassen durch den politischen Ausnahmezustand nach dem Freitod eines Terrorverdächtigen in Leipziger Untersuchungshaft taumelt und "alles genau untersuchen" will, schickt man sich im herbstlichen Frankfurt an, die Mutter aller Buchmessen zu eröffnen.

Begonnen hat alles Montagabend mit der Kür des Gewinners des Deutschen Buchpreises. Diesmal hat es nach dem Offenbacher Frank Witzel den Wahl-Frankfurter Bodo Kirchhoff getroffen, der allerdings immer wieder an den Gardasee entflieht. Trotzdem hat man in der Stadt der Bankentürme mit dem Preisträger und seinem Buch, das davon erzählt, dass man auch im Alter noch Liebe und, wenn es sein muss, auch das Unglück finden kann, eine rechte Freude.

Um Politik, Meinungsfreiheit, die Welt und alles andere auch ging es in der Pressekonferenz des unverwüstlich optimistischen Buchmessendirektors Juergen Boos. Gern möchte er in Frankfurt einen "Schwarm unterschiedlicher Stimmen" vernehmen und eine "Collage der vielen" zusammenbasteln.

Ein Buch, so hoch wie ein halber Erwachsener

Zu diesem Behufe hat man nach Salman Rushdie im vergangenen Jahr heuer den bekannten britischen Maler und Fotografen David Hockney (79) nach Frankfurt gebeten. Er stellt an der Messe ein Buch vor, das einen Überblick über sein Schaffen in den vergangenen 60 Jahren bietet. Erschienen ist es bei Taschen – und zwar in der Reihe Sumo. Der Name ist Programm, immerhin musste das Werk, aufgestellt ist es so hoch wie ein halber Erwachsener, von zwei Gehilfen zum Meister auf das Podium geschleppt werden.

Hockney verspricht, der Band werde mindestens 100 Jahre halten. Ja, falls man sich nicht bei unsachgemäßer Handhabung selbst damit erschlägt. Solcherlei Späße haben zudem ihren Preis, 4.000 Euro kostet das Buch im gut sortierten Fachhandel. 10.000 vom Künstler signierte Exemplare werden aufgelegt.

Könige unter den Gästen

Apropos Demokratie: Die Buchmesse bietet für fast jeden etwas, auch für Liebhaber der Royals. Zur Eröffnung der Messe reisten Dienstagabend – die Sicherheitsvorkehrungen waren beträchtlich – aus den diesjährigen Gastländern Niederlande und Flandern eigens die Majestäten König Willem-Alexander sowie Philippe, König der Belgier, und seine Königin Mathilde an. Reden hielten der Autor Arno Grünberg und dessen Kollegin Charlotte van den Broeck sowie der Präsident des Europäischen Parlaments Martin Schulz, der einst vor den Brüsseler Zeiten nach der Buchhändlerlehre eine eigene Buchhandlung gründete. (Stefan Gmünder aus Frankfurt, 18.10.2016)

  • David Hockney stellte sein großes Buch vor.
    foto: apa/afp/arne dedert

    David Hockney stellte sein großes Buch vor.

  • Gäste der Buchmesse (von links): Geert Bourgeois, Ministerpräsident der flämischen Regierung, die belgische Königin Mathilde, König Philippe, der niederländische König Willem-Alexander, Europaparlamentspräsident Martin Schulz und die niederländische Kulturministerin Jet Bussemaker vor Beginn der Eröffnungsfeier auf dem roten Teppich.
    foto: apa/dpa/frank rumpenhorst

    Gäste der Buchmesse (von links): Geert Bourgeois, Ministerpräsident der flämischen Regierung, die belgische Königin Mathilde, König Philippe, der niederländische König Willem-Alexander, Europaparlamentspräsident Martin Schulz und die niederländische Kulturministerin Jet Bussemaker vor Beginn der Eröffnungsfeier auf dem roten Teppich.

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