Bildungsreform: Wenn du mich fragst, ein Hammer!

Kolumne19. Oktober 2016, 09:00
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"Neue Konzepte" bringen in der Bildungspolitik meist nur bürokratische Mehrarbeit. Doch das aktuelle hat es in sich

Mail eines werten Kollegen, Baustelle Berufsschule: "Wenn zu lesen ist, dass die x-te Ministerin das x-te Papier zur Neuorganisation der Schule präsentiert, läuten bei mir schon die Alarmglocken. Das 'neue Konzept' ist nämlich in der Regel ausschließlich unnötige bürokratische Mehrarbeit. Stunden, nein, komplette SCHILF-Tage (schulinterne LehrerInnenfortbildung, Anm.) verbrachten wir in der Vergangenheit mit der Bearbeitung, Neufassung, Umformulierung der immer selben Inhalte. Nach eineinhalb Jahrzehnten Berufspraxis stelle ich fest, dass weder Schüler noch (schon gar nicht) Lehrer im Mittelpunkt unserer Bildungspolitik stehen, sondern die Administration."

Da hat der Kollege natürlich recht, ist ja überall so. Um es mit Egyd Gstättner zu sagen: Vor lauter Evaluieren und Dokumentieren kommen die Pflegerinnen und Pfleger nicht mehr zum Pflegen, die Lehrer nicht mehr zum Lehren, die Ärzte nicht mehr zum Behandeln, die Katholiken nicht mehr zur Nächstenliebe, die Sozialisten nicht mehr zum Sozialsein. (...)

Aber genau deswegen hat es das "neue Konzept", das Ministerin Sonja Hammerschmid jetzt präsentiert hat, in sich. Und nicht nur punkto Autonomie.

Wenn nämlich, wie geplant, künftig, sagen wir, drei Volksschulen mit zwei NMS und einem Kindergarten zu einer Cluster-Schule unter einer administrativen Leitung (samt Sekretariat) zusammengehen, dann heißt das, dass mindestens vier bisherige Schuldirektorinnen danach endlich wieder zum Leiten kommen – und wir Lehrerinnen zum Unterrichten. Keine üble Aussicht, wenn du mich fragst.

Und das Beste: Kinder flutschen in einem quasi geschlossenen Verbund gemeinsam von der Krabbelstube bis ... Nun, jedenfalls bis zum Ende der Schulpflicht.

Weil: Das ist der nächste Streich. Sonja Hammerschmid plant, noch heuer ein neues Konzept punkto gemeinsame Schule vorzulegen.

Und wenn stimmt, was ich höre, dann ist es gelungen, ein Modell zu entwickeln, das – hurra! – ohne jede Deckelung auskommt und trotzdem so angelegt ist, dass keine einzige AHS ihre Tore wird schließen müssen ...

Die Quadratur des Kreises? So wie ich das sehe, fast. (Niki Glattauer, 19.10.2016)

  • Das Reformpaket von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) könnte ein echter Hammer sein.
    foto: reuters/yuri gripas

    Das Reformpaket von Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) könnte ein echter Hammer sein.

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