Forscher nehmen die Sorgenfalten von Pferden unter die Lupe

23. Oktober 2016, 11:00
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Falten über dem Augapfel galten bereits als Indikator für Schmerz, doch scheinen sie auch Aussagen über das allgemeine Wohlbefinden der Tiere zu ermöglichen

Bern – Gute Zeiten für Pferdeliebhaber: Vor kurzem erst entwickelten norwegische Forscher ein einfach erlernbares System, über das Pferde ihren Besitzern in einem gewissen Rahmen ihre Bedürfnisse mitteilen können ("Pferde können über Symbole kommunizieren"). Ein anderes Forscherteam hat sich nun mit einer Art der Mitteilung auseinandergesetzt, die Pferde längst anwenden, wie die Universität Bern berichtet: Sie wollten die Hautfalten oberhalb des Augapfels besser interpretieren können, die Pferdekenner als "Sorgenfalten" bezeichnen.

Die Falten über dem Augapfel werden durch Kontraktion des inneren Augenbrauenhebers hervorgerufen. Bei Menschen sind Angst und Traurigkeit mit einer Kontraktion dieses Muskels verbunden. Von Pferden war bisher einzig bekannt, dass Schmerzen die Ausprägung der Augenfalten verstärken. Das ist aber offenbar eine zu eingeschränkte Auslegung, berichten die Forscher in "Plos One".

Die Untersuchung

Ein Team aus der Abteilung Tierschutz der Universität Bern untersuchte zusammen mit Kollegen vom Schweizer Nationalgestüt (Agroscope) sowie Partnern aus Großbritannien und den USA, ob sich aus den Augenfalten Rückschlüsse auf das Wohlbefinden der Tiere ziehen lassen. In einem ersten Schritt wurde anhand von Bildern der Augenpartie von Pferden eine Skala entwickelt, mit deren Hilfe unterschiedliche Aspekte der Augenfalten (Anzahl, Ausprägung, Winkel, etc.) objektiv und zuverlässig bewertet werden können.

In einem zweiten Schritt wurden Pferde im Abstand von Tagen in zufälliger Reihenfolge mit zwei emotional positiven Situationen (Erwartung einer Futterbelohnung respektive Kraulen an Hals und Schulter) und zwei emotional negativen Situationen (Fütterung des Nachbarpferdes und Erschrecken durch Schwenken einer Plastiktüte) konfrontiert. Anschließend wurden Bilder der Augenpartie im Vergleich mit Bildern der gleichen Tiere in neutralen Kontrollsituationen auf Veränderungen in der Ausprägung der Augenfalten untersucht.

Dabei zeigte sich, dass insbesondere der Winkel zwischen der obersten Falte und einer Horizontalen durch den Augapfel unabhängig von der konkreten Situation in angenehmen Situationen abnahm, in unangenehmen Situationen dagegen zunahm. Auch wenn laut Sara Hintze von der Uni Bern weitere Untersuchungen diese Ergebnisse noch validieren müssen, könnte sich daraus eine zuverlässige Methode entwickeln lassen, das Wohlbefinden von Pferden festzustellen. (red, 23. 10. 2016)

  • Links ein Pferd mit ausgeprägten Sorgenfalten – zum Vergleich rechts ein unbeschwertes.
    foto: universität bern, sara hintze

    Links ein Pferd mit ausgeprägten Sorgenfalten – zum Vergleich rechts ein unbeschwertes.

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