Wie Daten für die Stadtentwicklung genutzt werden können

22. Oktober 2016, 14:00
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Internationales Forschungsprojekt an der Donau-Universität Krems widmet sich der "SmartGovernance"

Krems – Wie kann man die Bewohner einer Stadt in Entscheidungsprozesse besser einbinden? Wie kann ihre Kreativität für die Weiterentwicklung in Richtung "Smart City" genutzt werden? Und wie können Daten in politische und administrative Projekte integriert werden? Diese Überlegungen sind der Hintergrund bei der E-Governance-Forschung und für ein internationales Forschungsprojekt maßgeblich, bei dem die Donau-Universität Krems eine tragende Rolle spielt. Bei "SmartGov – Advanced decision support for SmartGovernance" geht es um die Erarbeitung von Software, mit deren Hilfe verschiedene Szenarien für die zukünftige Entwicklung einer Stadt durchgespielt werden können.

Das fächerübergreifende Projekt, an dem Universitäten und Unternehmen beteiligt sind, wird von Malgorzata Goraczek vom Department für E-Governance koordiniert. Im Detail sollen "Fuzzy Cognitive Maps" erstellt werden. Fuzzylogik ist die Theorie der unscharfen Mengen, kommt also dann zum Einsatz, wenn es keine klaren Verhältnisse wie wahr oder falsch gibt – die entsprechenden Modelle dienen als Beschreibung und Handhabung von Unschärfen verschiedener Art.

Eine Fuzzy Cognitive Map ist eine Darstellung des Wissens beziehungsweise der Wahrnehmung in einem bestimmten System. "Unsere Fuzzy Cognitive Maps sollen die Stadt so abbilden, wie sie wirklich ist", sagt Goraczek. Wichtig ist in diesem Zusammenhang eine Visualisierung, um auf übersichtliche Weise darstellen zu können, wie die Kennzahlen aussehen. "Im Modell soll erkannt werden, welche Auswirkungen bestimmte politische Entscheidungen haben." Transparenz ist also ein wichtiges Kriterium. "Den Bürgern und der Wirtschaft Informationen zu liefern, ist Teil des Projekts", so Goraczek.

Entscheidungen mit Folgen

In welchen Fällen könnte ein solches Modell konkret zum Einsatz kommen? Ein Beispiel ist die Verkehrsplanung: Aufgrund von Faktoren wie Umwelt und Sicherheit kann man sich ansehen, welche Folgen bestimmte Entscheidungen haben: Wenn in jenem Stadtviertel eine neue Buslinie zum Einsatz kommt, wie könnte sich das auf die Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder von Autos auswirken? Wie wird sich der Verkehr insgesamt entwickeln? Die Erkenntnisse können zu entsprechenden Maßnahmen führen. "In diesem Zusammenhang müssen wir konkrete Indikatoren finden, was Sicherheit bedeutet", sagt Goraczek.

Die Daten für die Landkarten des Wissens kommen aus mehreren Quellen: Zum einen werden Interviews mit Experten und vorhandene Erkenntnisse aus der Forschung verwendet. Den zweiten Block bilden offene Daten, die in den Städten bereits verfügbar sind – von demografischen Daten über Energieverbrauch und Verkehrsstatistiken bis zu Budgetdaten. Schließlich werden auch Daten aus den Sozialen Medien verwendet – über diesen Hebel sollen die Bürger verstärkt eingebunden werden. Birgt das nicht die Gefahr, dass stets nur bestimmte Personengruppen berücksichtigt werden, etwa wegen technischer Hürden? "In einem solchen Projekt muss stets darauf geachtet werden, dass es Gruppen gibt, die beispielsweise den persönlichen Austausch bevorzugen", sagt Peter Parycek, Leiter des Departements E-Governance der Donau-Universität. Es müsse auf unterschiedliche Weise der Kontakt zu den Bürgern gefunden werden. Facebook und Twitter alleine werden also nicht ausreichen.

Mit dem SmartGov-Projekt soll auch die Zugangsweise umgekehrt werden: Üblicherweise werden vorhandene Daten verwendet, um daraus Schlüsse zu ziehen. Nun soll zunächst das Anliegen formuliert werden, um dann nach passenden Daten zu suchen. Damit taucht eine Reihe von Fragen auf: Wie kann auf die Daten zugegriffen werden? Welche Schnittstellen sind erforderlich? In der Praxis können solche Fragen in zwei Städten bereits untersucht werden: Limassol auf Zypern und die spanische Stadt Quart de Poblet in der Nähe von Valencia sind die Versuchsobjekte für das Projekt, das heuer im April gestartet wurde und bis 2019 läuft.

In Limassol soll ausprobiert werden, wie das Feedback der Bürger eingefangen werden kann – etwa über interaktive Landkarten. Als unterstützende Städte sind Amsterdam und Wien dabei, diese stehen dann auch für eine Evaluierung zur Verfügung. An der Donau-Universität wird seit 15 Jahren E-Governance-Forschung betrieben. "Spannend ist dabei die Verbindung zwischen den Emotionen der Menschen und den emotionslosen Daten", sagt Parycek. Die Fülle an Daten, die erst zum Teil bereits genutzt werden, spielt dabei eine Rolle.

In Zukunft werde es neben der automatischen Mustererkennung aber auch aufwendigere Verfahren geben. "Es findet ein Paradigmenwechsel statt: Die Mischung unterschiedlicher Daten ergibt Modelle, die sehr dynamisch sind." Der Faktor Zeit spielt dabei ebenfalls mit: Über mehr und mehr Sensoren können Datenströme in Echtzeit geschaffen werden. (Robert Prazak, 22.10.2016)

  • Wie große Mengen von Daten etwa für die Verkehrsplanung eingesetzt werden können, wird an der Donau-Uni Krems erforscht.
    foto: apa/epa/justin lane

    Wie große Mengen von Daten etwa für die Verkehrsplanung eingesetzt werden können, wird an der Donau-Uni Krems erforscht.

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