Mehr wissenschaftliche Exzellenz mit Perspektive

21. Oktober 2016, 14:20
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Das Programm "Vienna Research Groups" holt seit sechs Jahren Jungwissenschafter nach Wien, um Themen und Standort zu fördern

Wien – Politiker und Forschungsförderer reden ja recht gern davon: Gute Wissenschaft, sagen sie, kann nur dann entstehen, wenn man jungen, klugen Köpfen die Möglichkeit gibt, mit einem Team ihre Ideen zu entfalten. Wenn sie die Mittel für ihre Projekte erhalten und das Umfeld passt. Was das bedeutet? Nichts weniger, als an ihrer Wirkungsstätte eine Karrierechance zu bekommen.

Die Stadt Wien versucht ebendiese Idealvorstellungen seit mittlerweile sechs Jahren strukturiert umzusetzen – mit dem Programm Vienna Research Groups for Young Investigators des Wiener Wissenschaftsfonds WWTF. Der Bedarf wurde davor in der Wiener Forschungs- und Innovationsstrategie festgeschrieben.

Seit 2010 gab es jedes Jahr eine Ausschreibung mit ein bis maximal drei Berufungen. Insgesamt waren es bisher 13, die gemeinsam fast 20 Mio. Euro erhielten. Die maximale Förderung beträgt 1,6 Mio. Euro für eine sechs- bis achtjährige Periode. Die strenge Auswahl übernahm jeweils eine internationale Jury nach einem Hearing. Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen auf Bereichen, die in der Bundeshauptstadt schon mit exzellenten Gruppen vertreten sind. Life-Sciences waren zweimal Ausschreibungsthema (2010, 2014). Einmal waren es Mathematik und die Möglichkeit, diese Wissenschaftssprache mit anderen Disziplinen zu verknüpfen (2012). Weitere Themen waren Informations- und Kommunikationstechnologien (2011), Kognitionswissenschaften (2013) sowie Computational Biosciences (2015), womit Bioinformatiker geholt wurden.

Unter den jungen Gruppenleitern, die ihrerseits wieder insgesamt 80 Personen, vom Dissertanten bis zum Postdoc, beschäftigen, sind: die aus der Schweiz stammende Genetikerin Claudine Kraft an den Max F. Perutz Labs von Uni und Med-Uni Wien, der Mathematiker Stefan Hetzl an der TU Wien, aber auch der Bioinformatiker Jörg Menche am Center for Molecular Medicine (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

Tenure-Track-System

Die Institutionen, an denen die Wissenschafter und Wissenschafterinnen arbeiten, sind dazu verpflichtet, nach einer positiven Evaluierung auch weiterhin offene Arme zu zeigen. Kurz: Sie müssen den so nach Wien Geholten eine "long-term perspective" bieten, also die Chance auf eine Lebensanstellung (Tenure-Track). Uni-Wien-Rektor Heinz Engl und Sabine Seidler, Rektorin der TU Wien, zeigten sich angetan und schwärmten vom "Fundament für eine erfolgreiche wissenschaftliche Karriere" und von einem Programm, "das die Forschungen an der TU weit über die Grenzen der Stadt hinaus sichtbar macht". In der jüngsten Impact-Evaluierung des WWTF von 2013/2014 konstatierte die Jury rund um den deutschen Mathematiker Martin Grötschel, dass langfristige positive Effekte des Programms auf die Karriere der Young Research Group Leader aufgrund der bisher kurzen Laufzeit des Programms noch nicht ablesbar sind. Die Jury schrieb aber auch von signifikant positiven Impacts, die man jetzt schon sehen könne. Es würde gelingen, Forschungsthemen in Wien zu stärken.

Der diesjährige Call des Programms widmete sich der Complexity-Science, die Einreichungen sind derzeit in der Begutachtungsphase. Wieder soll eine Position mit maximal 1,6 Millionen für sechs bis acht Jahre finanziert werden.

Die Komplexitätsforschung lag als Thema eigentlich auf der Hand: In Wien arbeiten schon seit längerem Wissenschafter daran, große anonymisierte Datenmengen zu analysieren und damit Vorhersagen zu treffen. Im Frühjahr wurde zudem unter Leitung von Stefan Thurner von der Med-Uni Wien der Complexity Science Hub gegründet – beteiligt sind die TU Wien, die Med-Uni Wien, die WU Wien, die TU Graz, das Austrian Institute of Technology (AIT) und das Institut für angewandte Systemanalytik (IIASA). So gibt es mehrere Anknüpfungspunkte an diesen boomenden Forschungsbereich. (red, 21.10.2016)

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