Larven: Schlacht am erdigen Buffet

Kolumne15. November 2016, 16:10
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Rosenkäferlarven im Beet sind an und für sich kein Problem – käme nicht der Dachs, um diese Leibspeise zu ernten, warnt Gregor Fauma

Es gibt Momente, wo die einfache Gier in harsches Missfallen zu kippen droht. So ein Moment sei kurz umrissen. Da hat doch der Gartler sein Hochbeet gebaut, besser noch: gebastelt. Aus alten Komposterbrettern und einigen Schrauben entstand mir nichts, dir nichts ein fesches Hochbeet von einem mal einem mal einem Meter Ausmaß.

Dieser Kubikmeter Erde machte dem Gartler Freude. Im Frühjahr setzte er zwischen die Bretter einige Moossteinbrechpflanzen. Die erfreuten ihn bis in den Spätsommer, stets kräftig blühend. Er setzte Fenchel ein, der wunderbar gedieh und entzückend blühte. Die Bienen lieben ihn noch heute dafür, er spürt so etwas. Und er erkor dieses Hochbeet zur Bühne seiner Paradeiserexzesse.

Tiere für bessere Erde

Die Erde des Beets war locker, gut durchmischt mit reifem Kompost und voller kleiner Tiere, die aus Pflanzenresten noch bessere Erde machen. Deshalb gedieh ja alles so gut. Die Paradeiserpflanze schoss wie jedes Jahr in die Höhe, setzte mächtig Früchte an und versprach aus dieses Mal eine reiche Ernte.

Doch eines Morgens, der Gartler war gerade auf seiner Morgenrunde, musste der Gartler feststellen, dass jemand am Beet war: Es war aufgewühlt, ein Brett war aus dem Hochbeet gerissen und eine tiefe Mulde war in das Erdreich gegraben. Ein Drittel der Erde befand sich nun außerhalb des Hochbeets, gemeinsam mit der Paradeiserpflanze.

Verdutzt untersuchte der Gartler das Beet und die Kuhle, aber er fand nicht, wie erwartet, Katzen- oder Dachsdung, sondern er fand einfach nichts. Irgendjemand hatte das Beet quasi umgedreht. Doch wozu? Eichhörnchen machen so etwas nicht, Katzen und Hunde auch nicht, wer also kann das gewesen sein?

Steckbrief einer Larve

Den Tipp bekam er letztendlich von seinem Lieblingsgartenheft "Kraut und Rüben". Darin fand er eine gute Beschreibung jener Käferlarven, die seine Beete dicht besiedeln und ganz besonders im frisch aufgehäufelten Hochbeet zu finden waren: die Rosenkäferlarven.

Diese Larven sind an und für sich harmlos, drehen auch keine Beete um, aber sie sind die Leckerbissen für Dachse schlechthin! So wie sich schlecht erzogenen Menschen um Garnelen am Buffet prügeln, graben Dachse voller Gier nach diesen Engerlingen. Mehr Protein geht nicht. Und der Dachs muss ja immerhin auch schon an den Winter denken.

Nun steht der Gartler vor einer schweren Entscheidung: Soll er auf Kosten des Ökosystems nach Rosenkäferlarven suchen und diese – nennen wir es: umsiedeln? Oder überlässt er dem Dachs auch in der kommenden Saison den Kubikmeter Erde und freut sich über die Bereicherung seiner kleinen Welt? Ein langer, harter Winter wird ihm genügend Zeit bieten, einen klugen Entschluss zu fassen. (Gregor Fauma, RONDO, 15.11.2016)

Tipp zu Käferlarven:

Wenn Sie in Ihrem Beet statt eines Dachses oder Rosenkäferlarven die Larven von Rüsselkäfern finden, müssen Sie davon ausgehen, dass diese als ausgewachsene Tiere die Rosen zu traurigen Gestellen fressen. Was Sie dann mit diesen Larven anstellen, sei Ihnen unbenommen.

  • Rosenkäferlarven sind die Leckerbissen für Dachse schlechthin.
    illustration: dennis eriksson

    Rosenkäferlarven sind die Leckerbissen für Dachse schlechthin.

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