Staubsaugerroboter Dyson 360 Eye im Test: Teures Putzvergnügen

30. Oktober 2016, 10:01
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Der Roboter navigiert mit einer 360-Grad-Kamera durch die Wohnung und verfügt über eine hohe Saugkraft

Zukunftsforscher versprechen seit Jahren, dass uns Roboter im Haushalt bald alle unangenehmen Arbeiten abnehmen werden. Zumindest bei Staubsaugern ist dieser Futurismus schon in der Gegenwart angekommen. Am Markt gibt es Dutzende Modelle. Seit kurzem hat Dyson einen neuen Staubsaugerroboter im Sortiment, der im November nach Österreich kommt. Die Erwartungen an Geräte der Firma sind hoch, hat Dyson den Staubsauger mit seinem beutellosen System doch vor einigen Jahren neu erfunden. Wie der Test zeigt, ist jedoch auch der Dyson 360 Eye kein Wunderwuzzi.

foto: standard/riegler
Der 360 Eye an der Ladestation.

Intelligente Navigation mit Zyklopen-Auge

Der Roboter navigiert mit Hilfe einer 360-Grad-Kamera und mehreren Sensoren durch die Zimmer und erstellt eine Karte der Wohnung bzw. der gesaugten Fläche. So weiß das Gerät wo es sich im Raum befindet und verhindert, dass es unkontrolliert durch die Gegend fährt oder durch Tischbeine verwirrt wird. Ganz nachvollziehbar ist die Navigation aber nicht. Im Test hat der Roboter teilweise an bestimmten Stellen angehalten und ist später gezielt zurückfahren um dort weiterzusaugen. Tabuzonen lassen sich dem Gerät nicht beibringen. Will man verhindern, dass der Roboter auf eine für ihn erreichbare Fläche fährt, muss man diese mit einem größeren Gegenstand blockieren.

Damit die Navigation gut funktioniert, muss der Roboter richtig "sehen" können. Die Zimmer sollten idealerweise hell sein, damit er seinen Weg findet. Er funktioniert aber auch in weniger gut beleuchteten Zimmern – denn verstärkt der Roboter seine Infrarotlichter. So hat er im Test auch im abgedunkelten Schlafzimmer unter dem Bett seine Arbeit korrekt verrichtet. Damit er nicht über Stiegen fällt, verfügt der 360 Eye über Höhensensoren. Das Problem: bei einer zu dunklen Oberfläche erkennt er diese wohlmöglich als Höhenunterschied und reinigt sie nicht. Im Test stoppte der Staubsauger vor einer schattigen Fläche, fuhr nach einigen Sekunden aber doch darüber. Die Rundumkamera, die auf dem Gerät wie ein Zyklopen-Auge thront, ist sehr empfindlich und sollte öfter gereinigt werden. Mit Zähnen oder Krallen von Haustieren sollte die Kamera besser keine Bekanntschaft machen.

screenshot: red
In der App kann man sich ansehen, wie der Roboter die Wohnung abgefahren ist (links), den Roboter starten (Button in der Mitte) oder Zeitpläne einstellen. Hinweis: nach dem Firmware-Update kann in der App unter "Bereit" auch zwischen Max- und Leise-Modus umgeschaltet werden.

Eingeschaltet wird der Roboter über eine Taste am Gerät. Zusätzlich kann man den Dyson über eine Smartphone-App bedienen. Damit das funktioniert muss man zu Hause über WLAN verfügen (der 360 Eye unterstützt nur den 2,4 Ghz-Kanal). Die Einrichtung funktioniert einfach und dauert nur wenige Minuten. Über die App kann man einen regelmäßigen Reinigungsplan erstellen – etwa wenn der Roboter jeden Montag um 14 Uhr loslegen soll. In der App sieht man auch die Karte, die das Gefährt bei seiner Tour von der Wohnung anlegt. So kann man sehen, wo der Roboter nicht gesaugt hat und an Ort und Stelle nach der möglichen Ursache suchen – z.B. im Weg stehende Schuhe. Und der Staubsauger meldet per Smartphone eventuelle Probleme, wenn beispielsweise etwas in den Bürsten steckt, oder der Auffangbehälter geleert werden muss. Bedienungsanleitung und Vorschläge zur Problembehebung findet man auch in der App – sie liegt dem Roboter aber auch in gedruckter Form bei.

Gute Saugkraft, aber häufiges Aufladen notwendig

Die Saugkraft des Staubsaugers ist sehr gut. Im Test wurden ihm auf einem Laminatboden klassischer Lurch, Haare verstreutes Salz, Papierschnippsel und kleine Blätter vorgelegt. Damit kam der Dyson problemlos zurecht, bis auf ein paar Haare verheddert sich auch nichts in den Bürsten. Der für den Roboter erreichbare Boden wurden tadellos gesaugt, mit Ausnahme von Ecken und Rändern, wo das Gerät nicht hinkommt.

foto: standard/riegler
Mit dem ihm vorgelegten Dreck hatte der Roboter keine Problem. (Die Autorin legt Wert darauf anzumerken, dass das nicht den Normalzustand ihres Küchenbodens widerspiegelt.)

Sehr lange hält er nicht durch. Im "Max Modus" reicht eine Akkuladung für etwas mehr als 40 Minuten. In diesem Modus ist er mit knapp 70 Dezibel etwa so laut wie moderne, herkömmliche Staubsauger. Etwa 75 Minuten hält er im "Leise Modus" durch, hier ist die Saugkraft etwas verringert. Der Auswahl dieser Modi ist ab Firmware-Version 11.2 verfügbar. Ausgeliefert wird der Roboter bislang aber mit Version 10.10. Das war beim Testgerät der Fall und auch beim Modell eines WebStandard-Lesers. Beim Versuch das Firmware-Update über die App einzuspielen, kommt es teilweise zu Problemen. Der Roboter konnte allerdings per USB manuell aktualisiert werden.

Für 21,3 Quadratmeter Reinigungsfläche (Küche und Kabinett) hat der Roboter im Test 29 Minuten benötigt – die exakten Daten lassen sich in der App ablesen. Wenn er aufgeladen werden muss, fährt der Roboter selbständig zur Ladestation zurück. Diese muss dafür natürlich frei zugänglich und stets an der Steckdose angeschlossen sein. Eine blaue LED zeigt an, ob das Gerät gerade geladen wird oder vollständig aufgeladen ist. Leider ist der Ladestatus in Prozent weder am Gerät noch in der App abzulesen. Man weiß also nicht, ob der Akku fast voll ist oder kaum mehr Energie hat.

foto: standard/riegler
Unterseite des Dyson 360 Eye mit dem Kettenantrieb und den Bürsten.

Wunder vollbringt der Dyson nicht. Und so muss man auch auf jene Dinge achten, die bei einem normalen Staubsauger Probleme bringen. Dazu gehören etwa Teppichfransen, am Boden liegende Kabel und zu große Gegenstände. Verwickelt sich etwas in den Bürsten, sind diese eher mühsam zu reinigen. Keinesfalls dürfen nasse Flächen gesaugt werden. Fragile, zerbrechliche Gegenstände sollten nicht am Boden stehen, da der Staubsauger sie umstoßen könnte. Im Test fuhr der Roboter aber nur wenige Male gegen Möbelstücke und stoppte meistens rechtzeitig. Mit rund zwölf Zentimetern ist der Roboter zudem recht hoch – so kommt er nur unter Möbel mit hohen Beinen. In Ecken muss, wie weiter oben erwähnt, von Hand nachgesaugt werden.

Einige Minuten vor einer geplanten Reinigung meldet sich der Roboter per App bei seinem Besitzer und erinnert daran, den Boden vorzubereiten. Bleibt der Roboter hängen, verringert er kurzfristig die Saugkraft. Mit seinem Kettenantrieb kommt er aber sowohl auf Teppichböden als auch auf glatten Flächen mühelos voran und kann auch kleine Bodenschwellen problemlos überwinden.

Hoher Preis

Der Dyson 360 Eye macht seinen Job gut. Der Boden wird mit Ausnahme von Kanten sauber, das Gerät navigiert geschickt durch die Wohnung und kann über die App einfach bedient werden. Dafür braucht er aber recht lange, da er zwischendurch immer wieder Auftanken muss. Sein größter Nachteil ist aber der hohe Preis von 999 Euro. Andere Roboter mögen etwas schlechter saugen, kosten dafür aber auch die Hälfte oder noch weniger. Günstiger und schneller ist es immer noch, das Staubsaugen selbst zu erledigen. (Birgit Riegler, 30.10.2016)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testgerät wurde vom Hersteller für einen begrenzten Zeitraum zur Verfügung gestellt.

Update: Hinweis auf Aktualisierung der Firmware für Max/Leise-Modus ergänzt.

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Dyson

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