Bank für Gemeinwohl will ab 2018 Onlinekonten anbieten

18. Oktober 2016, 13:46
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Nach Verzögerungen steht der Markteintritt der ersten heimischen Ethikbank nun Anfang 2018 bevor. Ein privates Onlinekonte soll rund acht Euro pro Monat kosten

Wien – Die geplante genossenschaftliche österreichische "Bank für Gemeinwohl" (BfG) will nun Anfang 2018 als Online-Zahlungsinstitut starten. Girokontenbankgeschäfte mit eingeschränktem Kreditrahmen sind mit einer sogenannten kleinen Banklizenz möglich. Innerhalb von fünf Jahren will das alternative Geldinstitut rund 24.000 Bankkunden für sich gewinnen und zur Vollbank werden.

Bis dieses Ziel erreicht ist – das sollte spätestens 2022 sein – will man Kreditgeschäfte über Partnerbanken abwickeln, sagte die Genossenschaftsvorstände am Dienstag vor Journalisten in Wien. In Frage komme dafür insbesondere der eigene Großgenossenschafter, die deutsche GLS-Bank.

Kredite bis 50.000 Euro

Kleinere Investitionskredite bis etwa 50.000 Euro will die BfG über das anvisierte Crowdfunding durch Genossenschafter aufbringen. Die dafür nötige Plattform ist aber erst im Aufbau. Sie soll sowohl die Transparenz als auch die Mitbestimmung der Anteilseigner über die zu finanzierenden Projekte gewährleisten.

Für die Lizenzierung zur Vollbank durch die Finanzmarktaufsicht FMA braucht die BfG sechs Millionen Euro Genossenschaftskapital. Konservativen Berechnungen zufolge werde die Bank dann bereits über 35.000 Genossenschafter zählen, erklärte der Anfang Oktober designierte Finanzvorstand Fritz Fessler. Mit etwas mehr als 24.000 Kunden werde die Bank dann einen Marktanteil von 0,4 Prozent am heimischen Bankensektor besitzen.

Acht Euro für Onlinekonto

Bis dahin würden nur Zahlungsdienste angeboten werden, jedoch kein Einlagengeschäft und keine klassische Kreditvergabe, betonte Genossenschaftsvorstand Peter Zimmerl bei der gemeinsamen Pressekonferenz. Ein künftiges privates Onlinekonto ab 2018 soll rund acht Euro monatlich (all-in) kosten. Die monatlichen Kosten für Firmenkonten sollen, je nach Nutzung der Konten, zwischen 15 und 30 Euro liegen, hieß es.

Im Gegensatz zum üblichen Bankgebaren werde die BfG ihre künftige Kontoführung nicht über Finanzspekulationen querfinanzieren, strich Fessler hervor. Der Ausschluss von Spekulationsgeschäften ist eines der wesentlichen Elemente des Bankenprojekts. Gleiches gilt für die Gehälter der Vorstände. Sie sind mit weniger als 5.000 Euro brutto im Monat für Bankenkreise mehr als spärlich dotiert. Die Aufsichtsräte arbeiten ehrenamtlich.

Derzeit gut 4.000 Genossenschafter

Die Bank für Gemeinwohl wurde bereits von langer Hand geplant. Sie hat sich in den Nachfolgejahren der Finanzkrise 2008 als Verein gegründet mit dem Ziel, ein alternatives, ethisches Bankensystem zu entwickeln. Im Vergleich mit Europa, wo zahlreiche Ethikbanken um die Jahrtausendwende ihre Geschäfte aufgenommen haben, gilt Österreich aber als Nachzügler. Das mit sozialverträglichen und kapitalkritischen Kriterien organisierte heimische Bankenprojekt BfG hat sich dem Gemeinwohl verschrieben und zählt mittlerweile über 4.000 Genossenschafter und besitzt rund drei Millionen Euro an Genossenschaftskapital.

Die Mindesteinlage für Genossenschaftsanteile bei der ersten österreichischen Ethikbank liegt bei 200 Euro, der Höchstbetrag bei 100.000 Euro. Im August dieses Jahres ist die deutsche GLS-Bank als Investor und Gründungsmitglied mit der Höchstsumme bei BfG eingestiegen. (APA, 18.10.2016)

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