"Katastrophenjahr" für steirische Landwirte: Kaum Äpfel und Wein

18. Oktober 2016, 13:02
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Die Branche beklagt die geringste Weinernte seit 50 Jahren. Statt im Schnitt 140 Gala-Äpfel pro Baum waren es heuer nur 15

Graz – Auf ein "Katastrophenjahr mit Lichtblicken" schauen die steirischen Landwirte zurück. Durch den späten Frost und Schneefall im Frühjahr haben vor allem die Obst- und Weinbauern massive Einbußen bei der Ernte zu verzeichnen: Statt 140 Gala-Äpfeln auf einem Baum waren es 2016 nur 15 und fünf von ihnen sind deformiert. Die Weinernte ist die kleinste seit 50 Jahren, hieß es am Dienstag in Graz.

Der steirische Kammerpräsident Franz Titschenbacher sprach von extrem schwierigen Voraussetzungen in der abgelaufenen Anbauperiode: "Der Beginn war vielversprechend, dann kam aber der Frost." Der späte Schnee, sowie 17 mitunter schwere Hagelstürme richteten rund 220 Mio. Euro Schaden bei den steirischen Landwirten an. Etwa 15 Mio. Euro werden von der Hagelversicherung gedeckt. Hilfsmittel aus diversen Töpfen wurden ausgeschüttet, aber viele Bauern müssen auch selbst in die Tasche greifen, um die Schäden auszugleichen. Das vierte Jahr in Folge müssen die Landwirte ein Einkommensminus ausgleichen. Seit 2012 sind die Erträge um knapp 34 Prozent gesunken.

"Lichtblicke" bei Kürbis und Käferbohne

"Lichtblicke" sieht Titschenbacher 2016 beim Grünland, das eine gute Vegetation aufwies. Die erste Ernte sei aber Mitte Juni und damit recht spät möglich gewesen. Eine leicht überdurchschnittliche Ernte haben die Kürbisbauern zu verzeichnen: Von knapp 17.000 Hektar sind etwa 3.000 vom Frost betroffen gewesen. Sie wurden – mit zusätzlichen Kosten – nachgesetzt. Hagel zerstörte aber wiederum andere Anbauflächen. Was nicht von den Wetterkapriolen betroffen war, wuchs gut und brachte eine sehr gute Ernte. Die Erntemenge betrug 10.655 Tonnen. Sehr zufriedenstellend waren die Erträge auch bei Soja, der Käferbohne (Erntemenge: 544 Tonnen), Hirse, Zuckerrübe und Erdäpfel.

Durchwachsen fiel die Ernte bei Mais, Salat und Paradeiser aus. Hagel und Frost hatten zu sehr unterschiedlichen Erträgen geführt. Beim Mais waren etwa 13.000 Hektar geschädigt. Der Grazer Krauthäuptel und andere Salate waren ebenfalls vom Hagel betroffen, die Qualität war dafür gut. Paradeiser, Paprika und Melanzani waren beim Frost im Frühjahr bereits angesetzt und mussten teils ersetzt werden. Bei den anderen waren Folgeschäden zu erkennen und die Ernte verschob sich um eine Woche nach hinten. Die Erntemenge beträgt 2016 etwa 435 Tonnen Paprika, 42 Tonnen Melanzani und 5.534 Tonnen Paradeiser.

Die größten Einbußen haben 2016 die Obst- und Weinbauern zu tragen: Beim Beerenobst – Erdbeeren und Stachelbeeren – waren minus 40 bis 50 Prozent bei der Ernte zu verzeichnen. Bei den Steinobstsorten Marille, Kirsche und Zwetschken liegen die Ausfälle bis auf wenige Ausnahmen bei 80 bis 100 Prozent. Da, wo es eine Ernte gab, fällt die Menge so gering aus, dass keine "Vermarktung" stattfinden kann. Bei den Pfirsichen gibt es Einbußen von 75 Prozent.

Hoffen auf Solidarität

Beim Apfel fällt die Ernte wegen des späten Forsts extrem klein aus – besonders bei den Sorten Gala, Elstar, Jonagold, Idared und Braeburn. Etwa ein Drittel der reifen Früchte sind noch dazu geschädigt. Titschenbacher hoffe auf die Solidarität der Konsumenten, wenn heimische Äpfel nicht so billig wie jene aus dem Ausland angeboten werden können. Ein Acht-Hektar-Vollerwerbs-Obstbaubetrieb hat an sich durchschnittlich 40.000 bis 50.000 Kilo Apfel-Ernte je Hektar. 2016 werden es jedoch im Schnitt nur 1.000 bis 1.500 Kilo je Hektar sein.

Bei den Birnen sei die Situation "hoch prekär". Sie sind noch empfindlicher als Äpfel. Beim Holunder waren vor allem die Frühsorten vom Frost geschädigt: keine Dolden, schwacher Behang, starkes Ausrieseln. Statt der möglichen 10.000 Tonnen werden heuer wohl weniger als 6.000 Tonnen Holunder in der Steiermark geerntet.

Katastrophal ist auch das Jahr für die Weinbauern verlaufen: Voraussichtlich nur ein Fünftel der Normalernte sind zu erwarten. Dafür sollte ein auffallend fruchtbetonter Jahrgang mit harmonischer Säure herauskommen. Durch den Frost war es bei den Rebstöcken zum zweiten Austrieb gekommen, was viele kleinere Trauben mit sich brachte. Aktuell liegt die Schätzung bei maximal 50.000 Hektoliter bei der steirischen Weinernte, normalerweise werden etwa 250.000 Hektoliter Wein hergestellt.

Das Weinjahr hatte mit milden, warmen Temperaturen begonnen, wobei die Rebtriebe schon auf bis zu 20 Zentimeter Länge angewachsen waren. Dann kam jedoch der Frost und schädigte diese Triebe massiv. Erst Ende Mai erfolgte der Wiederaustrieb durch schlafende Knospen und Nebenaugen, die jedoch nur in sehr geringem Umfang fruchtbar sind. Ergebnis waren unterschiedliche Blütezeiten und daher auch unterschiedliche Reifestadien auf den Rebstöcken. Eine späte Ernte und mehrere Lesedurchgänge sind die Folge. Durch die kleinen Reben waren auch mehr Blätter auf den Stöcken, was mehr Laubarbeit mit sich brachte.

Die Einkommens-Einbußen der vergangenen vier Jahre sowie das schwierige Jahr 2016 waren für Titschenbacher Anlass, die Forderung auf eine Beitragsfreistellung der Bauern für das vierte Quartal der Sozialversicherung zu erneuern. Außerdem sollte es wieder eine Steuerentlastung beim Agrardiesel geben. (APA, 18.10.2016)

  • Später Schnee und Hagelstürme: Die steirische Landwirtschaft beklagt Schäden in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro.
    foto: martin schutt/dpa

    Später Schnee und Hagelstürme: Die steirische Landwirtschaft beklagt Schäden in Höhe von mehr als 200 Millionen Euro.

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