Innenminister will "Wiedererkennung" von Hitler-Geburtshaus verunmöglichen

18. Oktober 2016, 12:38
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Sobotka: Haus "darf in Außenform nicht erkennbar sein"

Wien/Braunau am Inn – Das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau soll laut Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) derart umgestaltet werden, dass eine "Wiedererkennung" unmöglich wird. Das Haus dürfe "vor allem in der Außenform nicht erkennbar sein", präzisierte er am Dienstag vor der Ministerratssitzung. Am Montag hatte Sobotka mit widersprüchlichen Aussagen für Verwirrung gesorgt.

Keine Erinnerung an Person

Ob man das als Abriss bezeichnen kann, darüber könne man diskutieren, sagte Sobotka zur aktuellen Debatte. Er sei über die Empfehlungen der Expertenkommission sehr froh. Wesentlich sei, dass das Haus kein Gedenk- oder Versammlungsort für Neonazis sein kann. Der Ort solle keine Erinnerung an die Person Hitlers mehr zeigen.

Für die Umgestaltung kündigte Sobotka einen Architektenwettbewerb an. Für die Nachnutzung komme eine soziale Einrichtung oder eine behördliche Nutzung in Betracht, das werde man gemeinsam mit der Stadt Braunau entscheiden. Fix ist, dass das Haus kein Museum werden soll. Dazu habe man mit dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen eine hervorragende Dokumentationsstelle.

Experten gegen Abriss

Prominente Mitglieder der Expertenkommission stellten am Dienstag erneut klar, dass sie gegen einen Abriss des Hitler-Geburtshauses sind. Die Kommission habe in ihrem Bericht festgehalten, "dass ein Abriss einer Verleugnung der NS-Geschichte in Österreich gleichkommen würde", erklärten der ehemalige Verwaltungsgerichtshof-Präsident Clemens Jabloner und der Historiker Oliver Rathkolb.

Wie zuvor schon der Brauner Bürgermeister Johannes Waidbacher und die Leiterin des Oberösterreichischen Landesarchivs, Cornelia Sulzbacher, betonen auch Jabloner und Rathkolb in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass die Kommission mehrere Vorschläge zur konkreten Entmystifizierung des Ortes gemacht habe, unter anderem durch eine tiefgreifende architektonische Umgestaltung, die den "Wiedererkennungswert und die Symbolkraft des Gebäudes dauerhaft unterbinden soll", und eine administrative oder soziale Nutzung.

Kommission fordert Veröffentlichung des Berichts

Bei der Übergabe des Berichts an Sobotka vergangene Woche "wurde insbesondere die architektonische Umgestaltung thematisiert, wobei es um eine Fassadenveränderung zur Dekonstruktion der historischen Wiedererkennung ging und natürlich nicht um einen Abriss. Die Option Abriss wurde in dem ursprünglichen Auftrag an die Kommission ausdrücklich erwähnt und von uns nicht befürwortet – ebenso wenig wie die angefragte museale Nutzung", stellen Jabloner und Rathkolb klar. Sie ersuchen den Minister nun um sofortige Veröffentlichung ihres Berichts. (APA, 18.10.2016)

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