Biochemiker entwickeln neue Waffe gegen Superkeime

18. Oktober 2016, 12:06
5 Postings

In Schutzmantel gehüllte Peptide könnten gegen antibiotikaresistente Keime helfen

St. Gallen – Bestimmte Peptide haben eine strake antibakterielle Wirkung und könnten sogar eine Waffe gegen antibiotikaresistente Keime darstellen. Ihr Nachteil ist allerdings, dass sie im Körper zu schnell abgebaut werden. Forschern der Eidgenössischen Materialprüfungs-und Forschungsanstalt (Empa) ist nun eine mögliche Lösung für dieses Problem gelungen: Sie haben diese Peptide in eine Art Schutzmantel gehüllt.

Da Bakterien zunehmend resistent gegen Antibiotika werden, suchen Forscher weltweit nach neuen antimikrobiellen Wirkstoffen. Eine Möglichkeit sind spezielle Peptide – kurze Eiweißketten -, die Bakterien abtöten. Allerdings haben sie im klinischen Einsatz bisher versagt: Sie werden aufgrund ihrer Struktur im menschlichen Körper relativ schnell abgebaut und können ihre Wirkung somit nicht entfalten.

Shuttlesystem für antibakterielle Peptide

Wissenschafter der Materialforschungsanstalt in St. Gallen haben mit Kollegen der Universität Kopenhagen eine Art Shuttlesystem entwickelt, das die Peptide geschützt an ihren Zielort bringt, wie die Empa am Dienstag mitteilte. Die "Shuttles" – genannt "Nanocarrier" – beruhen dabei auf speziellen strukturbildenden Lipiden, also Fetten.

Die "Nanocarrier" schließen die Peptide komplett ein, wie die Forschenden kürzlich im Fachblatt "Journal of Physical Chemistry Letters" berichteten. So eingehüllt sind die Peptide geschützt, bis sie ihren Zielort erreichen. Und nicht nur das: Wie die Wissenschafter in Laborversuchen feststellten, verstärkt die Lipid-Schutzschicht sogar die antibakterielle Wirkung der Peptide.

Damit ebnen die Forscher den Weg für den Einsatz dieser Peptide gegen Antibiotika-resistente Bakterien. Die Peptide zerstören nämlich die Hülle der Bakterien, wogegen sich auch resistente Superkeime nicht wehren können.

Neues Waffenarsenal

"Natürlich können sich die Bakterien irgendwann auch daran anpassen", ließ sich Studienleiter Stefan Salentinig von der Empa in der Mitteilung zitieren. Das ginge jedoch nicht von heute auf morgen und man hätte im Kampf gegen multiresistente Bakterien eine neue Waffe im Arsenal.

Als nächstes wollen die Forscher um Salentinig die "Nanocarrier" so verändern, dass sie ihren Inhalt zu einer ganz bestimmten Zeit freigeben – quasi auf Knopfdruck und nur bei Bedarf. Laut der Empa ist dies für den klinischen Einsatz enorm wichtig. (APA, red, 18.10.2016)

Share if you care.