Hitler-Geburtshaus: "Für Neonazis ist Braunau das Symbol"

18. Oktober 2016, 12:15
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Politikwissenschafter Andreas Maislinger gegen Abriss – Innenminister sei "bewusst den Weg der Eskalation gegangen"

Linz – Wenig überrascht von den klaren Ansage von Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) hinsichtlich eines künftigen Umgangs mit dem Geburtshaus Hitlers in Braunau zeigt sich im STANDARD-Gespräch der Innsbrucker Politikwissenschafter und Historiker Andreas Maislinger. "Mit der jüngsten Aussage, dass das Haus abgerissen werden soll, hat er nur das wiederholt, was er ohnehin schon ein paar Mal angekündigt hat. Für den Innenminister ist das Geburtshaus Hitlers ein Problem, weil es in sein Ressort fällt. Wird das Haus geschleift, hat er ein Problem weniger – und es ist dann ausschließlich eine Braunauer Angelegenheit", ist Maislinger überzeugt.

Sobotka habe aber der Stadt Braunau "sehr geschadet". Maislinger: "Nachdem er mehrmals und vor allem ungefragt den Abriss des Hauses ins Spiel gebracht hat, ist er bewusst den Weg der Eskalation gegangen."

Haus der Verantwortung

Kaum jemand hat sich wohl intensiver mit einer Nachnutzung der heiklen Liegenschaft beschäftigt als Maislinger. Seit gut 16 Jahren kämpft der Gründer des Gedenkdiensts national und international für die Realisierung seines Projekts "Haus der Verantwortung". Demnach sollen vor allem junge Menschen in den historisch schwer belasteten Räumlichkeiten die Möglichkeit erhalten, sich Gedanken über ihre Verantwortung gegenüber der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu machen.

Massive Widerstände

Dass sein Projekt mit der geplanten Enteignung der Besitzerin und den jüngsten Rufen aus dem Innenministerium nach der Abrissbirne vom Tisch ist, glaubt Maislinger nicht: "Noch ist das Gesetz zur Enteignung noch nicht durch. Da kann noch sehr viel passieren. Und gegen einen Abriss gibt es bereits jetzt massive Widerstände."

Überhaupt wäre es, so Maislinger, sinnvoll, die Causa in ein anderes Ministerium zu verlagern: "Es ist eine geschichtspolitische Angelegenheit und wäre daher zum Beispiel im Wissenschaftsministerium viel besser aufgehoben."

Neue Definition, neuer Name

Der Politikwissenschafter ist auch überzeugt, dass nicht das Geburtshaus der Anziehungspunkt für Ewiggestrige sei. Maislinger: "Für Neonazis ist Braunau das Symbol. Braunau hat nicht den hohen Kirchturm und die schönen Häuser – es hat Hitler. Es braucht daher ein neues Framing für die Stadt. Ein Abriss bringt gar nichts. Das Haus braucht eine neue Definition und einen neuen Namen." (Markus Rohrhofer, 18.10.2016)

Kommentar von Markus Rohrhofer: Hitler-Geburtshaus: Auf Kellerplatten-Niveau

  • 1938 kaufte Hitlers Privatsekretär Martin Bormann das Geburtshaus des "Führers" in Braunau, davon zeugen heute noch die schmiedeeisernen Initialen "MB" über dem Eingangstor.

    1938 kaufte Hitlers Privatsekretär Martin Bormann das Geburtshaus des "Führers" in Braunau, davon zeugen heute noch die schmiedeeisernen Initialen "MB" über dem Eingangstor.

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